Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Aloe vera auf dem Prüfstand

Den einen gilt sie als Wunderwaffe bei Sonnenbrand und schuppiger Haut. Andere sehen in der Aloe-vera-Pflanze ein Geheimmittel im Kampf gegen Krebs. Schön wär's. Die meisten Aussagen zur Wirkung von Aloe vera sind wissenschaftlich nicht haltbar.



Blätterkern der Aloe vera
Um das Aloe vera-Gel zugewinnen, werden die Blätter geschält und der Kern mit Wasser herausgelöst.   Foto: Achim Sass/Westend61/dpa-tmn » zu den Bildern

Sie ist ein kleiner Tausendsassa: Aloe vera taucht in Cremes und Gels auf, existiert als Saft oder in Kapseln. In einigen Foren wird sogar ihre Kraft fürs Abwehrsystem gepriesen und ihr eine krebsvorbeugende Wirkung zugeschrieben. Doch was stimmt davon? Antwort: fast nichts.

Die Aloe vera zählt zu den Sukkulenten. Das heißt, die Pflanze speichert viel Wasser. Erkennbar ist das an den dickfleischigen Blättern. Aus ihrem Inneren wird das Aloe-Gel gewonnen - eine durchsichtige Masse. Aus den äußeren Blattteilen kommt dagegen das bitter schmeckende, gelbe Aloe-Latex, auch Aloe-Saft genannt.

Gel und Latex werden zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt, Aloe-Saft zum Beispiel als Abführmittel bei Verstopfung. Allerdings sollte das laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte nur kurzfristig geschehen, da es nicht ganz ohne Nebenwirkungen ist. «Aufgrund der Nebenwirkungen ist der Saft mittlerweile durch weniger riskante Substanzen vom Markt verdrängt worden», erklärt Wilhelm Brodschelm. Er leitet die Apotheke am Krankenhaus St. Josef im österreichischen Braunau.

Etwas harmloser ist die Verwendung von Aloe vera als Gel. Es soll äußerlich bei allen Arten von Wunden, Verbrennungen, Hautreizungen oder Schuppenflechte nützlich sein. Es finden sich aber auch Aussagen zur Wirksamkeit bei Diabetes, Krebs oder HIV-Infektionen. «Das sind übertriebene Heilsversprechen», urteilt Prof. Bernhard Uehleke. Er arbeitet als Experte für Phytotherapie im Immanuel Krankenhaus in Berlin. Aloe vera präventiv gegen Krebs einzunehmen, sei Quatsch.

Kann man Aloe-vera-Gel also als nutzlos abschreiben? Nicht ganz. Beim Seborrhoischen Ekzem - eine Hautkrankheit, bei der sich Schuppen auf der Kopfhaut bilden - tritt laut einer Studie eine Besserung bei durchschnittlich 60 Prozent der mit dem Gel behandelten Patienten auf. In der Kontrollgruppe waren es nur zirka 20 Prozent. Auch bei der Geschlechtskrankheit Genitalherpes heilte die Haut mit einer Aloe-vera-Creme schneller als bei einem Placebo.

Widersprüchlich ist die Wirkung bei strahlengeschädigter Haut, sprich: bei einem Sonnenbrand. Hier soll Aloe-vera-Gel seine ganze Kraft entfalten. Laut Apotheker Brodschelm werden Hautirritationen damit aber nicht deutlich gemindert. Oder anders gesagt: Aloe vera ist einer normalen Öl-in-Wasser-Creme nicht überlegen.

Ulrike Bauschke ist Mitglied im Heilpraktikerverband und hat mit Aloe vera gute Erfahrungen gemacht. Sie schätzt die Anwendung des schleimigen Gels bei Verbrennungen: «Es spendet Feuchtigkeit, regt die Wundheilung und die Bildung von Kollagen an.» Außerdem lindere das Aloe-Vera-Gel Juckreiz und Entzündungen, regeneriere und verjünge die Haut, so die Heilpraktikerin.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat Aloe vera auf seinem Portal www.klartext-nahrungsergaenzung.de als Nahrungsergänzungsmittel unter die Lupe genommen. Es soll als solches den Körper entgiften, das Immunsystem stärken und für Wohlbefinden sorgen. Aloe vera wird getrocknet in Kapseln, als Saft oder Gel angeboten. Enthalten sind Schleimstoffe aus Kohlenhydraten, Enzyme, Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe. Der größte Teil, etwa 99 Prozent des Gels, besteht aber aus Wasser.

Das nüchterne Urteil der Verbraucherzentrale lautet deshalb: «Viele dieser Stoffe sind auch in heimischem Obst und Gemüse enthalten.» Diesen Tipp würde auch Prof. Uehleke Verbrauchern geben: Wer Obst und Gemüse der Saison isst, muss nicht auf Aloe vera setzen.

Veröffentlicht am:
18. 07. 2017
04:50 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
AIDS Abführmittel Aminosäuren Dermatitis Ekzeme Enzyme Gemüse Hautreizungen Kohlenhydrate Nebenwirkungen Wilhelm
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Entwurf von Antonia Goy

15.01.2018

Was 2018 im Trend liegen könnte

Flamingos statt Einhörner auf vielen Produkten? Smoothies aus Fleisch statt Obst und Gemüse? Sevilla als Reiseziel? Und im Restaurant Salatblätter essen, die direkt im Lokal wachsen? Einige Anwärter zu Trends des Jahres. » mehr

Reno Hölzke und Stefan Härtel

16.05.2019

Mit dem Retro-Fahrrad kehrt eine Lebenskultur zurück

Alte Fahrräder mit Stahlrahmen und ohne Gangschaltung erleben aktuell eine Renaissance. Der Trend kommt aus Großbritannien. «Tweed Ride» oder «Tweed Run» nennen sich die Veranstaltungen des gemütlichen, gemeinschaftliche... » mehr

Schottenrock

12.07.2018

Der Schottenrock - sexy und nicht altbacken?

Schottenrock gleich Schottenrock? Weit gefehlt. Es gibt viele Unterschiede bei Kilts, die nicht nur etwas für ältere Männer sind. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
18. 07. 2017
04:50 Uhr



^