Lade Login-Box.
Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

 

Rasiererstreit: Gericht stoppt billige Ersatzklingen

Wer sich einen Rasierer, eine Zahnbürste oder einen Drucker kaufen will, bekommt neue Geräte oft zum Schnäppchenpreis. Teuer wird es erst, wenn die erste Nachfüllpackung benötigt wird. Denn mit Patenten bremsen viele Hersteller die Konkurrenz aus.



Rasierer von Wilkinson und Gillette
Das Landgericht Düsseldorf untersagte Wilkinson, preisgünstige Ersatzklingen für den verbreiteten Nassrasierer «Mach3» des Konkurrenten Gilette zu vertreiben.   Foto: Federico Gambarini dpa/lnw

Düsseldorf(dpa) - Der Rasierer ist billig, die Ersatzklingen sind teuer. Der Drucker wird fast verschenkt, dafür kosten die Tintenpatronen ein Vermögen. Viele Verbraucher kennen diesen Verkaufstrick der Hersteller und ärgern sich darüber.

Doch haben die Markenhersteller oft das Recht auf ihrer Seite. Mithilfe des Patentrechts können sie neuentwickelte Produkte 20 Jahre lang vor billigerer Konkurrenz schützen.

Auch im Rasiererstreit zwischen den Marktführern Wilkinson und Gillette untersagte das Landgericht Düsseldorf Wilkinson und dem Mutterkonzern Edgewell im Eilverfahren, preisgünstige Ersatzklingen für den verbreiteten Nassrasierer «Mach3» des Konkurrenten zu vertreiben. Durch die Nachahmerklingen werde ein Patent von Gillette über die Verbindung von Griff und Klingeneinheit verletzt, sagte Richter Carsten Haase.

Wilkinson hatte die Nachahmerklingen im Frühjahr auf den Markt gebracht - zur Freude vieler Verbraucher. Denn die Klingen wurden laut Gericht in fünf Drogeriemarktketten als Eigenmarken zu Preisen verkauft, die rund 30 Prozent unter dem Niveau des Originals lagen.

Der Konkurrent Gillette, der bislang ein Monopol auf die Ersatzklingen hatte, wollte sich das jedoch nicht gefallen lassen. Er beantragte vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen Wilkinson und dessen Mutterkonzern. Und er bekam sie.

Für den Wirtschaftsprofessor Michael Stephan von der Universität Marburg sind derartige Prozesse ein Beweis dafür, dass das Patentrecht in den vergangenen Jahren immer mehr von einem defensiven Schutzschild zu einer strategischen Waffe im Wettbewerb geworden ist. Selbst vergleichsweise simple Produkte wie Nassrasierer würden inzwischen von einem regelrechten «Patentdickicht» umgeben.

Allein für den «Mach3 Turbo» habe Gillette 35 Patente angemeldet, berichtet der Wissenschaftler. Das reiche von der Schnittstelle für die Verbindung zwischen Klinge und Schaft über den Neigungswinkel der Klingen bis zur Verpackung. Die Unternehmen versuchten so, starke Schutzschilde für die eigenen Produkte aufzubauen.

Opfer dieser Praxis könne leicht der Verbraucher werden, wenn er nicht aufpasst, warnt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Düsseldorf. Denn habe man erst einmal ein auf den ersten Blick preisgünstiges Gerät gekauft, so sei man an den Hersteller gebunden - und der lasse sich dies oft «tüchtig bezahlen». Es sei deshalb wichtig, schon beim Kauf die Folgekosten zu prüfen.

Das Düsseldorfer Urteil verbietet Wilkinson den weiteren Vertrieb der Nachahmerklingen. Noch vorhandene Vorräte muss Wilkinson laut Urteil einem Gerichtsvollzieher übergeben, bis über eine mögliche Vernichtung entschieden ist.

Eine Sprecherin des Gillette-Mutterkonzerns Procter & Gamble zeigte sich zufrieden mit der Entscheidung. Das Unternehmen habe hart gearbeitet, um eine «der besten Rasierertechnologien der Welt» zu entwickeln. «Wir nehmen es nicht hin, dass Wettbewerber unsere Patente ohne unsere Genehmigung nutzen.»

Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Wilkinson und Edgewell kündigten bereits Berufung beim Oberlandesgericht Düsseldorf an. Edgewell Manager Max Chambers sagte, das Unternehmen habe einen vorläufigen Rückschlag erlitten, kämpfe aber weiter für mehr Wettbewerb im Interesse der Verbraucher. Er sei zuversichtlich, in diesem Rechtsstreit «am Ende erfolgreich» zu sein.

Doch selbst wenn Wilkinson den Verkauf der Nachahmerprodukte zunächst einstellen müsste, können «Mach3»-Besitzer hoffen, schon in absehbarer Zeit wieder billigere Klingen zu bekommen. Denn das umstrittene Patent läuft im Februar 2018 aus.

Veröffentlicht am:
18. 07. 2017
16:50 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Gillette Konkurrenz Marktführer Mutterkonzerne Patente und Patentrecht Philipps-Universität Marburg Produktionsunternehmen Zahnbürsten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Brusthaare beim Mann

12.07.2018

Das Brusthaar kehrt zurück

Auf 2,5 Zentimeter bringt es ein Brusthaar im Schnitt. Davon dürften diesen Sommer deutlich mehr zu sehen sein - denn Brustbehaarung liegt im Trend. Doch Obacht bei Wildwuchs! Man(n) sollte zeigen, dass er Wert aufs Äuße... » mehr

Sneaker-Sammlung

07.08.2017

Von Turn- zum Trendschuh: Das Geschäft mit dem Sneaker-Kult

Hunderte Euro für einen Sportschuh, lange Warteschlangen vor Geschäften: Der Kult um Sneakers treibt merkwürdige Blüten. Die modischen Schuhe sind ein Stück Zeitgeist - und ein Milliardengeschäft. » mehr

Russische Naturprodukte

24.01.2018

Das Geheimnis der Wälder: Russische Naturkosmetik boomt

Viele russische Designer und Produzenten setzen auf Naturprodukte. Besonders in der Kosmetik gibt zunehmend ein Hersteller den Ton an - mit Kräutern und Inhaltsstoffen aus Sibirien. Der will nun auch auf den deutschen Ma... » mehr

Auflage aus Lammfell

07.11.2017

Kuscheltierberge: Wie Möbeldesigner Fell einsetzen

Da liegt ein Eisbär auf der Couch, und Koalas haben den Sessel erobert: Kuscheltiere scheinen gerade der angesagte Einrichtungstrend zu sein. Designer kreieren aus den flauschigen Gefährten Möbel. Und setzen auch sonst a... » mehr

Swing-Kollektion von Patrick Norguet

28.02.2017

Vier Trends bei Gartenmöbeln

Was man an den ersten warmen Frühlingstagen nicht alles tun könnte! Aber vor allem eines dürfte uns erst mal in den Sinn kommen: einfach in der Sonne sitzen. Die Möbelbranche ist dafür gewappnet - vier Trends bei Outdoor... » mehr

Vegane Naturkosmetik

15.02.2017

Naturkosmetik nutzt Vegan-Trend

«Nur Blümchen drin» stimmt nicht: Naturkosmetik ist nicht automatisch vegan - also ohne tierische Stoffe. Die Hersteller setzen jedoch bewusst auf diesen Trend - und zeichnen ohnehin vegane Produkte vermehrt auch als sol... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
18. 07. 2017
16:50 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".