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Genossenschaften: Gemeinsam soll es gelingen

Seit Mai ist die Genossenschaft immaterielles Kulturerbe. Ausgezeichnet wurde damit diese Idee: Wenn sich alle zusammentun, gewinnt jeder. Genossenschaften sorgen für stabile Mietpreise, für Milch und Brot auf dem Frühstückstisch oder für Geld im Portemonnaie. Für die Zukunft sind sie eine Chance.



Silke Iffland ist als Einzige in der Jenaer Towerbyte eG angestellt. Sie ist erste Ansprechpartnerin für Prüfer in der Genossenschaft   » zu den Bildern

Plötzlich platzte sie, die Internetblase. Im Jahr 2000 war mit den Spekulationen der Technologie-Unternehmen erst einmal Schluss. In Jena traf das die Firma Intershop ebenso wie viele andere IT-Unternehmen im Land. 2005 lag die Aktie am Boden, 1200 Mitarbeiter bangten um die Zukunft. Der Markt aber war noch da, denn das Internet hatte gerade erst Anlauf genommen. Sieben Jenaer Geschäftsführer fassten daher den Beschluss, neu anzufangen. Aber dieses Mal eben nicht jeder für sich und gegen den anderen. Gemeinsam sollte es gelingen.

Sie gründeten die Towerbyte eG. Die Abkürzung "eG" steht dabei für "eingetragene Genossenschaft". In einer solchen finden sich verschiedene Interessenlagen zusammen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Aus Einzelkämpfern wird ein Wir, das jedem Mitglied Profit bringt. Im Jentower brachte sie zunächst einmal vermietete Räume und Perspektive.

Mittlerweile hat die Towerbyte eG 21 Geschäftsführer mit 300 Mitarbeitern. Angestellt in der Genossenschaft ist eigentlich nur Silke Iffland. Sie kümmert sich um die Rechnungslegung, die Protokolle und die Wirtschaftlichkeit. Kommt alle zwei Jahre der Prüfverband vorbei und kontrolliert die Unterlagen der Genossenschaft, so wie es im Genossenschaftsgesetz vorgeschrieben ist, steht und fällt das Urteil mit Silke Ifflands akribischer Arbeit.

Im Aufsichtsrat sitzt Conrad Wrobel, Gründer und Geschäftsführer der Emgress GmbH. Auch André Schmidt, Geschäftsführer der Somengo GmbH, ist Gründer. Beide sind mit ihren Unternehmen Mitglied der Towerbyte eG. Conrad Wrobel erinnert sich genau an die Anfänge: "Wir wollten die komplette IT-Wertschöpfungskette abbilden und alle Spezialisierungen bündeln." Unter dieser Idee sollte im Jentower Wissen ausgetauscht werden, das sich bis dato allein behaupten musste. Die Genossenschaft bot dafür nicht nur ein gemeinsames Auftreten nach außen, sondern auch die Sicherheit, Büroräume unter einem Dach für die Mitgliedsunternehmen vermieten zu können.

Aus der Towerbyte eG hat sich heute ein Inkubator für junge Unternehmen in der IT-Branche entwickelt. "Manche wachsen wieder raus, andere kommen dazu. Es bleibt stets dynamisch bei uns", erklärt Conrad Wrobel. Das bringt viel frischen Wind mit sich, neue Ansätze, Denkweisen und Kräfte. Sie werden unter dem Dach der Genossenschaft gebündelt und in Projekten umgesetzt. Als Genossenschaft kann die Towerbyte eG schneller auf dem Markt reagieren, Aufträge annehmen, die die Leistung eines Einzelnen übersteigen würde, und sich gezielter weiterentwickeln. Für die nötige Flexibilität in der IT-Branche bietet die Genossenschaft in diesem Fall eine solide und sichere Grundlage.

Wirtschaftliche Zusammenschlüsse für einen gemeinsamen Zweck gibt es schon seit dem Mittelalter. Damals hießen sie Einungen. Aus ihnen bildeten sich Knappschaften und schließlich mit der Industrialisierung Genossenschaftsbewegungen. Ihren Ursprung in der modernen Form haben sie in Großbritannien und in der Spinnerei. Arbeiter schlossen sich im Jahr 1844 zusammen, um so Einfluss auf den Preis der Baumwollprodukte zu nehmen. Über Genossenschaften bezogen sie zudem zu vernünftigen Preisen und einer guten Qualität Lebensmittel.

Wenig später, 1847, hatten zwei Männer in Deutschland unabhängig voneinander ebenso die Idee, gemeinsam stärker zu sein. Friedrich Wilhelm Raiffeisen gründete in Weyerbusch einen Hilfsverein für notleidende Bauern in der Landwirtschaft. "Was einer nicht schafft, das schaffen viele", lautete seine Losung. In Delitzsch wollte Hermann Schulze, später nannte er sich Schulze-Delitzsch, Handwerkern unter die Arme greifen. Beide setzten auf das Prinzip der Selbsthilfe. Aus beiden Ansätzen entwickelten sich etwa die Volksbanken Raiffeisenbanken (VR). Während Raiffeisens Bemühen viel Auswirkungen auf die Landwirtschaft hatte, entstanden aus Schulzes Engagement heraus viele Genossenschaften im Einzelhandel.

"Genossenschaften sind besondere Unternehmen, mit denen die Mitglieder ihre gemeinsamen Interessen verfolgen. Dabei geht es ihnen weniger um Dividenden für ihre eingezahlten Anteile. In einer Wohnungsbaugenossenschaft geht es den Mitgliedern etwa um stabile Mietpreise und den Erhalt der Gebäudesubstanz, nicht aber um möglichst hohe Mieten aus Gewinngründen", erklärt Andreas Wieg. Er leitet den Vorstandsstab beim Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes, dem Dachverband der genossenschaftlichen Verbände und Zentralunternehmen in Deutschland. Wer eine Genossenschaft gründet, findet bei den regionalen Verbänden Ansprechpartner und Begleiter.

Die Gründung einer Genossenschaft ist mitunter aufwendig. Die Idee muss formuliert und abgegrenzt werden, eine Gründungsversammlung einberufen, ein Aufsichtsrat gegründet und ein Geschäftsmodell entwickelt werden. Das alles in der Gemeinschaft mit mehreren Stimmen. Prüfverbände sind vom Gesetzgeber vorgeschrieben als Begleiter der Genossenschaften, denn eine Gründung kann schon einmal mehrere Jahre dauern.

Wenn ein Dorf einen Konsum als Genossenschaft betreiben will, treffen sich die Nachbarn am Gartenzaun plötzlich nicht mehr nur als Freunde, sondern auch als wirtschaftliche Partner ohne kaufmännische Vorkenntnisse. "Wer als Vorstand oder Aufsichtsrat die Verantwortung für ein solches Unternehmen übernimmt, hat großes Interesse an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit und dem juristisch korrekten Vorgehen. Wie auch alle anderen Mitglieder", spricht sich Andreas Wieg für die intensive Begleitung der Prüfverbände aus. Und sicherlich kostet eine solche Gründungsbegleitung auch Geld. Doch die Investition sieht der Fachmann überall dort gerechtfertigt, wo Menschen zusammen etwas Unternehmerisches vor Ort tun wollen.

Dass die Genossenschaft als Kulturform nun ins immaterielle Erbe aufgenommen wurde, ist eine große Auszeichnung. Die genossenschaftliche Idee, gemeinsam und auf demokratischer Basis zusammenzuarbeiten, ist für Andreas Wieg mehr als schützenswert: "Sie ist 160 Jahre alt, aber immer noch modern. Es ist eine Anerkennung des Wirtschaftens, in der sich jeder wiederfinden kann." Genossenschaften machen vor allem das ländliche Leben lebens- und liebenswert. Aus einstigen landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften zu DDR-Zeiten wurden nach der Wende Agrargenossenschaften, die Arbeitsplätze weiter sichern und regionale Produkte herstellen. Genossenschaften stärken im Gesundheitswesen, in der Nahversorgung, im Stadtmarketing, im Tourismus und allgemein in der Regionalentwicklung die Gesellschaft.

Für kleine und mittelständische Unternehmen sind Genossenschaften eine Chance, um gegen die Weltmarktführer bestehen zu können. Die Towerbyte eG ist eines von vielen Beispielen in einer Wachstumsbranche dafür. Die Mitgliedsunternehmen bringen ihre Stärken ein, sie werden dafür Teil eines Netzwerkes, das nicht nur die Räumlichkeiten absichert, sondern auch mit Weiterbildungen, Veranstaltungen, Service und Kontakten hilft, sich als neu gegründete Firma zu etablieren. An die Gesellschaft gibt die Genossenschaft etwas zurück, indem sie als Sponsor für Vereine und Veranstaltungen in Jena auftaucht.

Wer erhält das Schwimmbad im Ort? Wer vermarktet versteckte Schönheiten auf dem Land? Wer sorgt dafür, dass nicht mehr mobile Menschen in nächster Nähe eine Einkaufsmöglichkeit finden? Wer hilft, Unternehmen in ländlichen Regionen zu halten und somit durch Steuereinnahmen die Kommunen zu stärken? Die einfachste Antwort liegt in den Menschen vor Ort, die passende Rechtsform für ihr Engagement kann eine Genossenschaft sein. Denn wenn wir ein Geschäft machen, profitieren alle.

Aufsichtsrat die Verantwortung für ein solches Unternehmen übernimmt, hat großes Interesse an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit und dem juristisch korrekten Vorgehen. Wie auch alle anderen Mitglieder", spricht sich Andreas Wieg für die intensive Begleitung der Prüfverbände aus. Und sicherlich kostet eine solche Gründungsbegleitung auch Geld. Doch die Investition sieht der Fachmann überall dort gerechtfertigt, wo Menschen zusammen etwas Unternehmerisches vor Ort tun wollen.

Dass die Genossenschaft als Kulturform nun ins immaterielle Erbe aufgenommen wurde, ist eine große Auszeichnung. Die genossenschaftliche Idee, gemeinsam und auf demokratischer Basis zusammenzuarbeiten, ist für Andreas Wieg mehr als schützenswert: "Sie ist 160 Jahre alt, aber immer noch modern. Es ist eine Anerkennung des Wirtschaftens, in der sich jeder wiederfinden kann." Genossenschaften machen vor allem das ländliche Leben lebens- und liebenswert. Aus einstigen landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften zu DDR-Zeiten wurden nach der Wende Agrargenossenschaften, die Arbeitsplätze weiter sichern und regionale Produkte herstellen. Genossenschaften stärken im Gesundheitswesen, in der Nahversorgung, im Stadtmarketing, im Tourismus und allgemein in der Regionalentwicklung die Gesellschaft.

Für kleine und mittelständische Unternehmen sind Genossenschaften eine Chance, um gegen die Weltmarktführer bestehen zu können. Die Towerbyte eG ist eines von vielen Beispielen in einer Wachstumsbranche dafür. Die Mitgliedsunternehmen bringen ihre Stärken ein, sie werden dafür Teil eines Netzwerkes, das nicht nur die Räumlichkeiten absichert, sondern auch mit Weiterbildungen, Veranstaltungen, Service und Kontakten hilft, sich als neu gegründete Firma zu etablieren. An die Gesellschaft gibt die Genossenschaft etwas zurück, indem sie als Sponsor für Vereine und Veranstaltungen in Jena auftaucht.

Wer erhält das Schwimmbad im Ort? Wer vermarktet versteckte Schönheiten auf dem Land? Wer sorgt dafür, dass nicht mehr mobile Menschen in nächster Nähe eine Einkaufsmöglichkeit finden? Wer hilft, Unternehmen in ländlichen Regionen zu halten und somit durch Steuereinnahmen die Kommunen zu stärken? Die einfachste Antwort liegt in den Menschen vor Ort, die passende Rechtsform für ihr Engagement kann eine Genossenschaft sein. Denn wenn wir ein Geschäft machen, profitieren alle.

 
Autor
Doreen Huth

Doreen Huth

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Veröffentlicht am:
04. 08. 2017
13:45 Uhr

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Veröffentlicht am:
04. 08. 2017
13:45 Uhr



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