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Als Schüler von Spitzensportlern lernen

In der Ausbildung werden Theorie und Praxis verknüpft. Optimale Lernvoraussetzungen, sagt Neurowissenschaftler und Autor Henning Beck. Den Rest kann man sich von Leistungssportlern abgucken.



Besser lernen
Statt ständigem Wiederholen denkt man sich lieber selbst Prüfungsaufgaben aus - dann behält man Gelerntes auch besser.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Auszubildende müssen nicht nur in ihrem Arbeitsalltag zeigen, was sie können. Auch in der Berufsschule sind gute Leistungen gefragt - und das Ergebnis von Zwischenprüfung und Abschlussprüfung kann beeinflussen, wo es dann als Geselle oder Gesellin beruflich hingeht.

Aber wie bekommt man den ganzen Stoff eigentlich in seinen Kopf? Henning Beck, Biochemiker, Neurowissenschaftler und Autor hat dazu ein Buch geschrieben. Er unterscheidet zwischen Lernen und Verstehen. «Will ich einen Test-Knacker oder will ich Leute, die auch was verstehen wollen?», sagte er im dpa-Themendienst-Gespräch. Wissen entstehe erst dann, wenn man sich selbst aktiv mit etwas auseinandersetzt.

Auszubildende können seiner Ansicht nach glücklich darüber sein, dass die duale Ausbildung in Deutschland das Beste aus zwei Welten kombiniert. Gerade der duale Ansatz aus Praxis im Betrieb und Theorie in der Berufsschule helfe dabei, Dinge wirklich zu verstehen. Das allein bringt die meisten noch nicht durch die Prüfung. Weitere Tipps des Experten:

- Fragen stellen: Als Auszubildender oder Schüler habe man den Vorteil, dass man sich in einem geschützten System ausprobieren kann, so Beck. Man darf also nachfragen und auch grundsätzlich hinterfragen, warum man manche Dinge überhaupt lernen muss. Auch das helfe beim Verstehen.

- Aktiv statt passiv lernen: Die schlechteste Art, etwas zu lernen, sei, den Stoff immer wieder durchzulesen. «Auch wenn das eine sehr populäre Methode ist», so Beck. Man könne das Gehirn aber nicht als eine Festplatte sehen, auf der Sachen gespeichert werden. Nach einer gewissen Anzahl an Wiederholungen würden einem Inhalte zwar bekannt vorkommen und man habe das Gefühl, sie kapiert zu haben - «aber wirklich verstanden hat man es nicht.»

Dazu müsste man Dinge aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten, um hinter den Zusammenhang von Ursache und Wirkung zu kommen, erklärt Beck. «Es geht darum, ob ich das Wissen auch anwenden kann.» Er empfiehlt, sich zum Beispiel selbst eine Klausur zu stellen - oder sich für Freundinnen und Freunde Prüfungen auszudenken. Dazu überlegt man sich einfach Aufgaben, von denen man erwartet, dass sie so auch in der Prüfung vorkommen könnten. «Dank dieses Perspektivwechsels - von passiv zu aktiv - nähert man sich der Information schon ganz anders.»

- Pausen einlegen und Zeit einplanen: Beim Lernen sollte man die Pausen nicht vergessen. «Wenn man keine Pause macht, und immer weiter versucht, Infos aufzunehmen, platzt man irgendwann, bildlich gesprochen», so Beck. Er rät zu einem «5:1-Verhältnis». Also etwa 50 Minuten lernen und 10 Minuten Pause machen, oder 5 Stunden lernen und eine Stunde Pause machen.

Generell dürfe man nicht unterschätzen, wie viel Zeit die Prüfungsvorbereitung braucht - wenn man den Stoff wirklich verstehen und langfristig abrufen können will. Auch hier gilt laut Beck die Faustregel 5:1. «Angenommen in fünf Wochen steht die Prüfung an - dann sollte ich einrechnen, dass ich alle fünf Tage auch einen Tag Pause vom Lernen brauche.»

- Am Spitzensport orientieren: Wenn man etwas effektiv lernen will, könne man sich etwas beim Sport abgucken, sagt Beck. «Spitzensportler können ihre Leistung in einem bestimmten Zeitfenster abrufen.» Das können auch Schülerinnen und Schüler erreichen, wenn sie ihre Lernvorbereitung dritteln, so der Autor.

Im ersten Block gehe es dann um die Grundlagen, und darum den gesamten Lernstoff aufzubereiten. Dafür plant man etwa vier Wochen ein. Im zweiten Block wiederholt man den Stoff, aus einer etwas anderen Perspektive. Dafür nimmt man sich etwa eine Woche bis zehn Tage Zeit.

Im dritten Block bringt man sich letztlich in «Bestform» und kann aufgrund der Vorarbeit in drei bis vier Tagen noch einmal durch den gesamten Stoff gehen. «Am Ende kann ich an jedem beliebigen Tag meine Leistung abrufen. Das gibt in der Prüfung Sicherheit», so Beck.

- Abwechselnd lernen statt nacheinander: Sich etwa vor der Zwischen- oder Abschlussprüfung auf verschiedene Fächer gleichzeitig vorzubereiten, muss laut Beck gar kein Nachteil sein. Es sei aber sinnvoll, die Fächer zu verzahnen, anstatt alles nacheinander lernen zu wollen. Das heißt: Man plant zum Beispiel am Tag Lernblöcke zu drei verschiedenen Fächern ein, und lernt sie nicht an drei aufeinanderfolgenden Tagen.

Literatur: Henning Beck: Das neue Lernen heißt Verstehen, Ullstein, 2020, 266 S., 19,90 Euro, ISBN-13: 978-3-550-20049-6.

© dpa-infocom, dpa:200623-99-536535/3

Veröffentlicht am:
07. 07. 2020
04:59 Uhr

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dpa

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07. 07. 2020
04:59 Uhr



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