Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

 

Arbeitsplatz: Kollegen-Rivalität als Ansporn?

Schneller, besser, effektiver: Aus einem kleinen Wettbewerb unter Kollegen kann schnell ein erbitterter Machtkampf werden. Wann Rivalität zum Problem wird und welche Lösungsstrategien es gibt.



Kollegen-Rivalität
Wenn Kollegen oder Kolleginnen immer wieder Revierkämpfe austragen, ist es am besten, sie nicht im gleichen Team arbeiten zu lassen.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn » zu den Bildern

Konkurrenz belebt das Geschäft, heißt es. Tatsächlich kann ein Wettbewerb Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu Bestleistungen motivieren. In manchen Fällen passiert aber das genaue Gegenteil: Niemand kann sich mehr auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren. Enormer Stress, hohe Fehlzeiten oder sogar Kündigungen können die Folge sein.

«Entscheidend ist, ob Misstrauen, Missgunst und Feindseligkeit im Spiel sind», sagt Timo Müller. Er leitet das Institut für Konfliktmanagement und Führungskommunikation (IKuF). «Oft steckt hinter einer solchen Rivalität nämlich kein einfaches, spielerisches Kräftemessen, sondern ein ungelöster Konflikt oder gleich mehrere Konflikte zusammen.» In diesen Fällen sei es wichtig, als Führungskraft nah am Team zu sein, das Problem frühzeitig zu erkennen und zu handeln.

Auf der Suche nach den Ursachen des Konflikts

Aber was genau ist zu tun? Die beiden Parteien dazu auffordern, den Streit einfach beizulegen, helfe nicht weiter. Stattdessen müsse in einem vermittelnden Gespräch nach der Ursache des Konflikts gesucht werden. «Oft sind Führungskräfte dafür jedoch nicht geschult worden», sagt Müller. Dann könne es sinnvoll sein, sie weiterzuqualifizieren oder sich externe Hilfe zu holen.

Alternativ kann man versuchen, die Streithähne direkt zu trennen und in unterschiedlichen Teams einzusetzen. Das ist der Ansatz von Anke Sommer. Sie leitet das Institut Sommer für Coaching, Team- und Persönlichkeitsentwicklung. «Wenn jeder seinen eigenen Wirkungskreis hat, gibt es keine Revierkämpfe.

Dann fühlt sich niemand vom anderen bedroht, jeder kann sich auf seine Stärken konzentrieren», sagt sie. Überhaupt gilt: Teams sind erfolgreicher, wenn die Mitglieder unterschiedliche Fähigkeiten und Stärken haben. «Sie können sich ergänzen, statt zu versuchen, sich gegenseitig auszustechen», so Sommer.

In der Nische aufgehen

Doch wie findet man heraus, wo die eigenen Stärken liegen? Meistens seien dies Eigenschaften, die man selbst gar nicht als Fähigkeit wahrnehme. «Oft sind es die Dinge, für die man schon als Kind gelobt wurde. Dinge, die einem selbst so einfach fallen, dass man diese als selbstverständlich sieht», erklärt Sommer.

Zudem sei es ratsam, sich eine Nische zu suchen und dort seine Expertise auszubauen. Dadurch mache man sich in diesem einen Bereich unverzichtbar und trete von vornherein nicht in Konkurrenz zu anderen.

Beim Wettbewerb gibt es immer Verlierer

«Grundsätzlich ist ein Wettbewerb wenig effektiv, weil es immer einen oder mehrere Verlierer gibt», sagt Sommer. Stattdessen sollte man sich lieber auf die Prinzipien Ergänzung und Verbesserung konzentrieren.

Zudem sollte man als gute Führungskraft die Stärken und Schwächen der Mitarbeiter kennen und dieses Wissen nutzen, wenn Arbeitsgruppen gebildet oder neue Mitglieder ins Team geholt werden. Dadurch ließen sich viele Konflikte präventiv verhindern.

Doch was ist, wenn eine Rivalität unausweichlich scheint, beispielsweise im Rennen um eine offene Führungsposition? Auch hier sei die Führungskraft entscheidend, sagt Müller. Sie müsse einen fairen, transparenten Wettbewerb ermöglichen. «Das geschieht, indem von Anfang an klar kommuniziert wird, wie eine Stelle vergeben wird und nach welchen Fähigkeiten gesucht wird.» Nur dann sei es möglich, dass ein solcher Wettstreit auf der sachlichen und nicht auf der persönlichen Ebene ausgetragen wird.

Literatur:

Anke Sommer: Schlachtfeld Arbeitsplatz: Das Praxishandbuch für Konfliktmanagement im Unternehmen, Hanser, 240 S., 34 Euro, ISBN-13: 978-3-446-45872-7.

Timo Müller: Bevor der Sturm beginnt. Wie Führungskräfte effektiv Konflikte verhindern und bewältigen, Wiley Verlag, 264 S., 24,99 Euro, ISBN-13: 978-3-527-50951-5.

© dpa-infocom, dpa:200605-99-323886/2

Veröffentlicht am:
26. 06. 2020
11:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitsplätze Drohung und Bedrohung Fehlzeiten Führungskräfte Führungspositionen Konkurrenz Mitarbeiter und Personal Probleme und Krisen Streitereien Stress
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Kollegen

16.03.2020

Wenn aus Kollegen Führungskräfte werden

Wer befördert wird, hat Grund zum Feiern. Doch auf dem Weg vom Kollegen zur Führungskraft lauern Fallstricke: Freunde werden zu Mitarbeitern, beim Mittagessen ist man plötzlich Außenseiter. » mehr

Gespräch zu Dritt

02.03.2020

Hilfe, mein Chef ist inkompetent!

Kein Interesse, kein Plan, nie Zeit: Mitarbeiter urteilen oft hart über Vorgesetzte. Manchmal gehört das zum üblichen Gerede, manchmal passt es wirklich nicht. Dann gilt: Raus aus dem Kampfmodus. » mehr

Mitarbeiter in Ausnahmesituationen

06.04.2020

Trauernde Kollegen begleiten

Wie kann die Belegschaft reagieren, wenn ein Mitarbeiter trauert? Rund um diese Frage gibt es viel Unsicherheit. Experten erklären, was angemessen ist - und was nicht. » mehr

Homeoffice

06.12.2019

Frauen dürfen öfter als Männer nicht ins Homeoffice wechseln

Frauen sind im Beruf benachteiligt: Sie verdienen weniger und besetzen seltener Führungspositionen. Nach eigener Aussage dürfen sie zudem öfter als Männer nicht von zu Hause arbeiten. Warum? » mehr

Micha Klapp

24.06.2019

Das hilft gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz

Benachteiligung kann in der Arbeitswelt schon bei der Stellenausschreibung beginnen - und ist auch im Berufsalltag keine Seltenheit. Das muss sich niemand bieten lassen. Experten erklären, wie Betroffene am besten vorgeh... » mehr

Christoph Burger

04.10.2019

Was im Umgang mit aufbrausenden Kollegen hilft

Menschen, die bei der kleinsten Kleinigkeit aus der Haut fahren, können ihren Kollegen das Leben schwer machen. Warum aussitzen dann die falsche Strategie ist. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
26. 06. 2020
11:32 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.