Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

 

Arbeitnehmer oder Arbeitgeber: Wer zahlt die Weiterbildung?

Bildung ist ein kostbares Gut. Wer sich als Arbeitnehmer weiterqualifizieren möchte, muss sich auch mit den Kosten dafür auseinandersetzen. In welchen Fällen trägt sie der Arbeitgeber?



Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Für Berufstätige bedeutet das, dass sie ihr Wissen und ihre Fähigkeiten regelmäßig erweitern müssen.

Die Verantwortung für die Weiterbildung liegt in der Regel beim Einzelnen. Aber es kann sich lohnen, mit dem Arbeitgeber über das Thema zu sprechen. Schließlich haben auch Unternehmen ein Interesse an Mitarbeitern, die beruflich auf dem aktuellen Stand sind.

«Manche Angebote sind vertraglich, in Tarifverträgen oder in Betriebsvereinbarungen geregelt», erklärt Tjark Menssen. Er ist Leiter der Rechtsabteilung bei der DGB Rechtsschutz GmbH.

Generell gilt: «Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten individuell besprechen, welche Weiterbildung in Frage kommt und wer sie finanziert», sagt Inga Dransfeld-Haase, Präsidentin des Bundesverbands der Personalmanager (BPM) in Berlin.

Off-the-job- oder On-the-job-Weiterbildungen

Grob lässt sich zwischen zwei Fortbildungsvarianten unterscheiden. Bei der sogenannten Off-the-job-Weiterbildung unterstützen die meisten Firmen das Engagement ihrer Mitarbeiter mit zusätzlichen freien Tagen oder reduzierter Arbeitszeit - zum Beispiel für Bildungsurlaub - über einen abgestimmten Zeitraum. Oft erfolgt dies bei voller Bezahlung.

«Im Falle eines Bildungsurlaubs ist der Arbeitnehmer frei in der Auswahl der Lerninhalte», sagt Menssen. Die Inhalte müssen lediglich im jeweiligen Bildungsurlaubsgesetz des Bundeslands anerkannt sein. Daneben gibt es vor allem bei großen Unternehmen interne Weiterbildungsakademien oder Kataloge, aus denen sich Mitarbeiter für sie passende Lernangebote aussuchen können.

Zuschüsse, Darlehen oder komplette Kostenübernahme

Viele Unternehmen gewähren ihren Mitarbeitern hierfür Zuschüsse oder zeitlich befristete Darlehen. Eine weitere Option: Der Arbeitgeber übernimmt die Kosten der Weiterbildung komplett. «Bei dieser Variante meldet das Unternehmen den Mitarbeiter zur Schulung an und wird dadurch zum Vertragspartner des Bildungsträgers», erläutert Menssen.

Sollte sich ein Arbeitnehmer nach Absprache mit seinem Unternehmen selbst anmelden, kann der Arbeitgeber gegenüber dem Bildungsträger eine Kostenübernahme schriftlich erklären oder dem Arbeitnehmer die Kosten erstatten, falls er in Vorleistung getreten ist.

Fortbildungsvereinbarung regelt Kostenerstattung bei Kündigung

In vielen Fällen schließen Arbeitgeber und Beschäftigter eine Fortbildungsvereinbarung. Darin legen beide Parteien zum Beispiel fest, dass Beschäftigte dem Arbeitgeber die Kosten erstatten müssen, sollten sie das Unternehmen innerhalb eines bestimmten Zeitraums nach Ende der Fortbildung verlassen.

Das Geld zurückzahlen muss der Beschäftigte nach seinem Fortgang aus der Firma nur dann, wenn dies mit dem Arbeitgeber ausdrücklich vereinbart ist. «Für den Fall, dass dies im Arbeitsvertrag steht, darf diese Klausel den Arbeitnehmer nicht unangemessen benachteiligen», so Menssen. Sonst ist die Rückzahlungsklausel unwirksam.

On-the-job-Trainings zahlt meist der Arbeitgeber

Bei der sogenannten On-the-job-Weiterbildung zahlt der Arbeitgeber. Bei einem Online-Seminar für mehrere Mitarbeiter etwa halten sich die Kosten aber ohnehin oft in Grenzen.

Und dann gibt es noch eine Art Mischform, das 70:20:10-Modell. «Hier geht es um eine offene, in den Arbeitsprozess integrierte Lernkultur», sagt Dransfeld-Haase.

Ein Beispiel für ein 70:20:10-Modell: Ein Mitarbeiter soll seine Excel-Kenntnisse vertiefen. In seinem Joballtag löst er konkrete Aufgaben und sammelt so praktische Erfahrungen. Seine Vorgesetzte weist ihn ein, gibt ihm Feedback und Tipps (berufliches Umfeld). Daneben verbreitert der Beschäftigte sein Wissen in Sachen Excel über E-Learning (klassische Weiterbildung).

«Bei dieser Art von Weiterbildung entsteht beim Mitarbeiter eine größere Identifikation mit den Lerninhalten aufgrund des unmittelbaren Bezugs zum Arbeitsplatz», sagt die BPM-Managerin.

© dpa-infocom, dpa:200515-99-74450/2

Veröffentlicht am:
26. 06. 2020
11:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeber Arbeitsverträge und Arbeitsvertragsrecht Beruf und Karriere Kosten Kostenerstattungen Kostenübernahme Mitarbeiter und Personal Personalmanager Tarifverträge Vorgesetzte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Beim Arbeitgeber Krankmeldung

09.11.2020

Das Einmaleins der Krankmeldung

Ohoh. Der Hals kratzt. Und der Kopf ist dicht. Da geht nichts mehr. Wer krank ist, kann nicht zur Arbeit kommen. Welche Pflichten Beschäftigte dann gegenüber ihrem Arbeitgeber haben. » mehr

Wenn Kollegen dauerhaft fehlen

28.09.2020

Wenn sich Kollegen ständig krankmelden

Gibt es hohe Krankenstände im Team, kann das die Zusammenarbeit belasten. Aber auch für die betroffene Person ist die Situation am Arbeitsplatz nicht immer angenehm. Welche Wege dann weiterhelfen. » mehr

Urlaubsplanung konfliktfrei regeln

07.09.2020

Die Urlaubsplanung konfliktfrei regeln

Immer wieder gibt es in Unternehmen Gerangel um die Urlaubsplanung. Corona hat auch dieses Thema nicht einfacher gemacht. Welche Regeln Beschäftigte kennen sollten. » mehr

Versetzung

14.09.2020

Wann eine Versetzung zulässig ist - und wann nicht

Einer Versetzung müssen Beschäftigte nicht immer Folge leisten - auch wenn dies arbeitsvertraglich vereinbart ist. Oft kommt es auf die Umstände des Einzelfalls an. Was Beschäftigte wissen sollten. » mehr

Kugelschreiber liegt auf Zwischenzeugnis

02.12.2019

Das müssen Sie zum Zwischenzeugnis wissen

Die Bitte um ein Zwischenzeugnis macht Vorgesetzte hellhörig. Steht eine Kündigung im Raum? Arbeitnehmer brauchen gute Strategien, um keinen Unmut zu wecken. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu. » mehr

Arbeit im Homeoffice

06.11.2020

Welche Regeln gelten jetzt im Homeoffice?

Mit dem lahmen Privatlaptop arbeiten, ständig vermelden, wann man Pause macht: Mit dem Teil-Lockdoen arbeiten wieder vermehrt Beschäftigte von zu Hause aus. Welche Regeln Sie kennen sollten. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
26. 06. 2020
11:32 Uhr



^