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Was ein guter Nikolaus braucht

Viele stellen am 5. Dezember einen Stiefel raus - und am nächsten Morgen ist er voll mit Süßigkeiten. Doch zu manchen Kindern kommt der Nikolaus höchstpersönlich. Damit der Heilige keine Fehler macht, kann er vorab Kurse belegen und das Nikolaus-Diplom machen.



Urkunde
Das Erzbistum München und Freising bietet eine dreistündige Ausbildung mit anschließendem «Nikolaus-Diplom» an.   Foto: Peter Kneffel/dpa » zu den Bildern

Bald ist es wieder soweit: Der Nikolaus kommt! Die Kinder tragen ihm Lieder und Gedichte vor und besonders beeindruckt sind sie, wenn sie bei seinem Besuch den Bischofsstab des Heiligen halten dürfen, dessen Gedenktag am 6. Dezember gefeiert wird.

Nikolaus-Diplom

Doch was braucht ein guter Nikolaus? Das lernen Interessierte in Kursen, wie kürzlich in Freising bei München. «Der Nikolaus ist schwer im Kommen, weil er ein realer Menschfreund war», sagt der Domkapitular und Nikolaus-Experte Dominik Meiering aus Köln, der mit Stefan Lesting ein Handbuch für Nikoläuse herausgegeben hat. Der Nikolaus hat ein gutes Image. «Der Weihnachtsmann, der hat nur den Konsumismus und den Kommerz.»

In Freising wollen mehrere junge Männer das Nikolaus-Diplom erwerben. «Wenn man durch die Tür geht, vorher den Kopf einziehen», rät der Landshuter Jugendseelsorger Andreas Steinhauser. Das macht Sinn. Denn wenn der Nikolaus die Mitra, den Bischofshut, trägt, sind manche Türen zu klein. Auch ein weißes Untergewand, ein roter Chormantel, das Nikolausbuch und der Bischofsstab sind Teil der Ausstattung.

Johannes Pongratz aus Freising hat die Sachen gerade angezogen. Der weiße, lockige Bart sitzt noch etwas schief, doch sonst sieht der 23-Jährige überzeugend aus. «Man wird automatisch ruhiger, ernster und fühlt sich erhaben», stellt Pongratz fest. Er freut sich vor allem auf die Kinder, «das Blitzen in den Augen zu sehen wenn sie langsam auftauen und auf den Nikolaus zugehen.»

Das Nikolaus Erlebnis

Menschen eine Freude machen - das ist beim Nikolaus wichtig. «Der Heilige Martin ist die Symbolfigur für das Teilen und der Nikolaus für das Schenken», ist Meiering überzeugt. Doch welche Gaben bringt er, außer dem Schoko-Nikolaus? Steinhauser musste als Heiliger den Kindern schon Laptops und Skier überreichen. «Mittlerweile besinnen sich viele Eltern auf die traditionellen Nikolaussackerl.» Nüsse, Mandarinen, Lebkuchen, vielleicht ein Buch oder ein kleines Spiel.

Meiering hat noch einen Tipp: «Manchmal ist es mehr Zeit, Liebe, etwas gemeinsam unternehmen. Die allermeisten Menschen sind ja mehr als satt.» Am wichtigsten sei ohnehin das Erlebnis. «Kein Mensch erinnert sich an das, was in der Tüte war, aber alle erinnern sich daran, was das für eine Atmosphäre war, wenn der Nikolaus kam.»

Belohnend oder strafend?

Der Nikolaus als barmherziger Mann, der Kinder liebt - die Legenden erzählen von allerlei Wunderdingen, die der Bischof von Myra um das Jahr 300 vollbracht haben soll. Er soll armen Kindern goldene Äpfel geschenkt haben, Jungfrauen das Geld für die Heirat organisiert und hungernden Menschen mit Korn geholfen haben.

Nikolaus der Wundertäter - allerdings nicht in allen Familien. Manche Eltern drohen, wenn die Kinder nicht brav sind: Warte, bis der Nikolaus kommt, der schimpft dann mit dir. Früher hatte er oft einen kettenrasselnden Begleiter, je nach Region Knecht Rupprecht oder den Krampus. Der steckt böse Kinder in den Sack, so die Warnung, die manche Alpträume auslöste.

Ein strafender Nikolaus, der alles sieht und in seinem Buch notiert? Von wegen. Die Eltern schreiben die Zettel und stecken sie ihm vorab zu, mitunter regelrechte Sündenregister. «Ich nehme mir raus, gewisse Tadel nicht vorzulesen», sagt Steinhauser. «Das Lob muss überwiegen.»

«Nikolaus-Handbuch»

Das «Nikolaus-Handbuch» gibt ihm recht: Das öffentliche Aufzählen von angeblich schlechtem Verhalten sei für Kinder beschämend und erniedrigend. «Lass dich niemals als Erziehungshelfer missbrauchen», heißt es. «Der Nikolaus ist nicht dazu da, Besserungsversprechen abzunehmen, Gebete abzuprüfen oder gute Vorsätze zu entlocken.»

Die Männer in Freising haben in ihrem Kurs viel gelernt. Könnten auch Frauen mitmachen? Meiering, früher Generalvikar in Köln, hat schon Frauen geschult. «Am schönsten ist es, einen Mann zu finden, der das macht. Aber ich würde kein Problem daraus machen. Wichtig ist, dass der Nikolaus erlebbar ist.»

Denn der Inhalt christlicher Feiertage verblasst, heißt es in dem Handbuch. Der Nikolaus aber sei noch wie selbstverständlich in der Tradition bekannt. «Es geht darum, die glühende Kohle unter der Asche wieder freizulegen und, ausgehend vom Heiligen Nikolaus, ein neues Gespür für die Adventszeit und das Kommen Jesu Christi zu wecken.» Und eine wichtige, hochaktuelle Botschaft zu vermitteln: Setzt euch für notleidende Menschen ein.

Literatur:

Hg. Dominik Meiering und Stefan Lesting: Nikolaus-Handbuch - Praxistipps für Nikolausdarsteller, 2. Auflage, Verlag Haus Altenberg, Köln 2017, 60 S., 9,90 Euro, ISBN-13: 978-3-7761-0337-3

Veröffentlicht am:
26. 11. 2019
14:38 Uhr

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dpa

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26. 11. 2019
14:38 Uhr



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