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Alkohol im Job gefährdet Qualität und Sicherheit

Alkohol am Arbeitsplatz? Ein gewaltiges Problem, sagen Experten. Bis zu 10 Prozent aller Beschäftigten trinken zu viel - von der Aushilfe bis zum Chef. Die Folgen könnten gravierend sein.



Alkohol am Arbeitsplatz
Experten raten dazu, beim Anstoßen unter Kollegen zu nicht-alkoholischen Getränken zu greifen.   Foto: Patrick Pleul » zu den Bildern

Der Kollege riecht nach Alkohol, jeder weiß,

dass er reichlich trinkt. Problem: Der Elektriker hantiert auch in

nicht-nüchternem Zustand mit Starkstrom und wird immer mehr zum Risiko für alle in dem sauerländischen Unternehmen.

In Dortmund ist eine Verwaltungsangestellte ihrer Aufgabe als Gruppenleiterin nicht gewachsen, sie greift zum Alkohol, arbeitet noch schlechter. Die Frau ist nicht mehr entscheidungsfähig, ihr Verhalten bietet reichlich Gesprächsstoff in ihrem Arbeitsumfeld, das Team funktioniert nicht mehr.

Diese Fälle schildert Adelheid Kraft-Malycha. «Eine Fülle von Arbeitsenergie wird dadurch lahmgelegt», sagt die Arbeitsmedizinerin.

10 Prozent der Beschäftigten trinken zu viel

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) geht davon aus, dass

bis zu 10 Prozent der Beschäftigten bundesweit - vom Azubi bis zum

Chef - Alkohol in problematischen Mengen trinken. In der Gesamtbevölkerung seien es rund 15 Prozent mit riskantem

Alkoholkonsum.

«Wir haben es mit erheblichen Ausmaßen zu tun. Es ist

wichtig zu handeln - für Betriebe und für uns als Gesellschaft»,

betont Peter Raiser von der DHS, die die Aktionswoche Alkohol ins

Leben gerufen hat, in diesem Jahr ab dem 18. Mai mit dem Schwerpunkt

«Kein Alkohol am Arbeitsplatz» .

Wer ist betroffen? «Gefährdet sind alle gleichermaßen, Mitarbeiter

wie Vorgesetzte», betont Kraft-Malycha, Leitende Ärztin der

Arbeitsmedizinischen und Sicherheitstechnischen Dienste in Dortmund.

Auf Warnsignale achten

Jobs mit hohem Stressfaktor oder leichtem Zugang zu Rauschmitteln -

Kliniken, Gastronomie oder Nahrungsmittelproduktion - könnten Alkoholkonsum womöglich befördern. Gravierende Folgen alkoholbedingter Fehler drohten vor allem bei sensiblen Tätigkeiten

oder in Hochsicherheitsbereichen.

Wie erkennt man, dass Mitarbeiter problematisch trinken? Als

Warnsignale nennt Kraft-Malycha: «Jemand reagiert überaffektiv, ohne

ersichtlichen Grund stark aufbrausend, beleidigend auch gegenüber

Kunden. Das äußere Erscheinungsbild ändert sich von ungepflegt bis

überkandidelt.»

Suchtexperte Raiser stellt klar: «Alkohol am Arbeitsplatz ist ein Sicherheitsrisiko. Schon geringe Mengen führen zu sinkender Konzentration, zu abnehmender Leistungsfähigkeit und erschweren die Koordination.» Die Unfallgefahr steige, nicht nur beim Bedienen von Fahrzeugen oder Maschinen. Die Qualität der Arbeit leide.

Alkohol verursacht Kosten in Milliardenhöhe

Trinkt ein Kollege zu viel Alkohol, ist er nicht der einzige

Geschädigte. Denn: Andere Mitarbeiter müssen dessen Ausfälle häufig

auffangen. Die Fehlzeiten bei Beschäftigten mit Alkoholproblemen

liegen durchweg deutlich höher als bei den anderen, weiß Raiser.

Jährlich komme es zu sozialen Kosten in zweistelliger Milliardenhöhe

vor allem durch alkoholverursachte Produktionsausfälle und Ausgaben

im Gesundheitswesen.

Alkohol in der Arbeitszeit werde zu häufig toleriert, kritisiert

Kraft-Malycha. Beispiel Geschäftsessen: «Es gibt einen Aperitif, zwei

drei Gläser Wein passend zum Gang, einen Digestiv - da werden

womöglich weitreichende Entscheidungen bei 1,0 Promille getroffen.»

Auf Sekt oder Bier zum Anstoßen verzichten

Oder Geburtstage und Firmenjubiläen: «Warum wird mit Sekt angestoßen

- und nicht mit Schorle oder Kaffee? Alkohol hat am Arbeitsplatz

nichts zu suchen. Schon ein Glas Sekt oder Bier verlangsamt die

Funktion des Gehirns.»

Raiser spricht von einem Tabuthema, aber auch einem wachsenden

Bewusstsein: «Immer mehr Unternehmen haben die Risiken erkannt, gehen

Prävention an oder machen Hilfeangebote.» Vor allem bei mittleren und

kleinen Betrieben sei noch viel zu tun.

Falle im Betrieb auf, dass jemand heimlich trinkt und alkoholisiert arbeitet, solle man das ansprechen, appelliert der stellvertretende DHS-Geschäftsführer. «Je früher, desto besser. Das sagen auch ehemalige Alkoholabhängige.»

Aktionswoche mit 1300 Veranstaltungen

Oft ziehen sich «Trinker-Karrieren» im Job über Jahre hinweg, bis

interveniert wird. Je höher die Hierarchie-Ebene des Trinkenden,

desto eher werde um den heißen Brei geredet, sagt die Dortmunder

Ärztin und Gutachterin.

An der Aktionswoche mit deutschlandweit gut 1300 Veranstaltungen

beteiligen sich Unternehmen, Verbände, Ärzte, Apotheken oder

Selbsthilfegruppen. Guter Anlass auch DHS-Sicht auch, um

Betriebsvereinbarungen für einen Arbeitsplatz ohne Alkohol zu

schließen.

Für strikte 0,0 Promille plädiert Kraft-Malycha: «Das ist

geboten, wenn man qualitativ hochwertige Arbeit machen will.»

Veröffentlicht am:
17. 05. 2019
10:07 Uhr

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Autor

dpa

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17. 05. 2019
10:07 Uhr



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