Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

 

Im Pferdetraining Teamarbeit lernen

Zu dominant, zu zögerlich, nicht bei der Sache: Im Umgang mit Pferden können Menschen einiges über sich und ihre Ausstrahlung auf andere lernen. Vielen hilft das auch im Berufsleben weiter - zum Beispiel in Sachen Teamführung.



Sensible Fluchttiere
Als Fluchttiere reagieren Pferde sensibel auf die Ausstrahlung von Menschen: Hannelore Schild-Vogel, Teilnehmerin des Trainings mit Pferden, streichelt das Pferd Enki.   Foto: Klaus-Dietmar Gabbert » zu den Bildern

Die Nüstern tief im Heu vergraben, futtern die acht Hengste genüsslich und schnauben zufrieden. Vor ihnen im Offenstall sitzen fünf Menschen und lauschen mit geschlossenen Augen den Geräuschen rundherum.

Diese Leute verbindet eines: Sie haben beruflich mit anderen Menschen zu tun. Mit Hilfe der Pferde wollen sie erfahren, wie sie auf Leute in ihrem Umkreis wirken. Auf der Stutenmilchfarm Grüne Oase in Bredow bei Berlin haben sie den halbtägigen Workshop «Meditation und Teamtraining» gebucht. Ebenfalls als Teilnehmer anwesend: Speziell ausgebildete Hengste.

Pferde spiegeln Verhalten

«Hengste sind sehr soziale Wesen mit hochsensiblen Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen», sagt Pferdewirtin Elvira Hagen, die Geschäftsführerin der Farm ist. «Die Pferde spiegeln das Verhalten des Menschen wider, der mit ihnen zusammen ist. Wer zu dominant ist, den werden sie meiden oder sich widersetzen. Wer zu zaghaft ist, den werden sie ignorieren. Ziel meiner Arbeit ist, gezeigte Verhaltensmuster mit den Kursteilnehmern aufzuarbeiten», sagt sie.

Pferde werden vielfach in Therapien oder Trainings eingesetzt. Die Wirkung wissenschaftlich zu belegen, ist schwierig und bisher wenig erforscht. Studien zeigen aber die besondere Beziehung von Pferd und Mensch. So fand ein japanisches Forscherteam 2018 heraus, dass Pferde Informationen wie die Körpersprache und den Gesichtsausdruck von fremden Spezies wie Menschen wohl in Sekunden analysieren können. Nur wenn Pferde auf minimale Signale reagieren, können sie Rangeleien untereinander vermeiden und damit einer potenziellen Verletzungsgefahr vorbeugen. Sich zu verletzen, wäre für die Fluchttiere tödlich.

Fokussierung auf die eigenen Ziele

Unter den fünf Kursteilnehmern auf der Pferdefarm in Bredow ist zum Beispiel die Psychologin Dr. Annegrit Kahle aus Brieselang. Sie nehme am Kurs teil, um ein Feedback ihrer Präsenz und Ausstrahlung zu bekommen, wenn sie mit Patienten arbeitet, erzählt sie.

Nach einer Meditation und einem Einführungsgespräch beginnt dort die eigentliche Arbeit am Pferd. Annegrit Kahle soll Hengst Enki an Halfter und Strick führen. Doch statt zu folgen, bleibt das Tier erstmal wie angewurzelt stehen und mustert die Person am anderen Ende des Führstricks skeptisch. Elvira Hagen erklärt: «Er spürt, dass der Mensch unsicher ist, kein Ziel hat, wo der Weg hinführen soll.»

Annegrit Kahle strafft sich, schaut zielgerichtet in eine Ecke und läuft los. Und diese Zielstrebigkeit scheint nun auch Enki zu spüren. Bereitwillig folgt der Hengst Annegrit Kahle. «Ich hatte mich anfangs statt auf mich und das Pferd auf die anderen Kursteilnehmer konzentriert, wollte mich nicht blamieren. Erst, als ich mich auf mich fokussiert und mich innerlich auf mein Ziel ausgerichtet habe, ist mir der Hengst gefolgt. Diese Achtsamkeit und Bewusstheit ist auch für meine Arbeit unersetzlich», sagt die Psychologin.

Mit Empathie zum Ziel

Business-Fotografin Hannelore Schild-Vogel bildet mit dem Hengst ein gutes Team. «Ich arbeite viel mit Firmen zusammen, aber auch mit Menschen mit Handicap. Ich sehe, dass auch bei der Arbeit mit Pferden Empathie zum Ziel führt», sagt sie über ihren Lernerfolg aus dem Training.

Die Spiegelrolle der Pferde, sie scheint bei den Teilnehmern anzukommen. «Vielen Menschen ist oft nicht bewusst, dass sie unbewusst Druck ausüben, angespannt, ungeduldig oder respektlos sind», erklärt der Diplom-Psychologe Sebastian Bartoschek aus Herne das Phänomen. Wenn Menschen untereinander Kritik üben, würden sie dazu neigen, Gegenargumente darzulegen und sich zu rechtfertigen. Tiere wie Pferde oder Delfine aber ließen sich nicht mit Worten manipulieren, sondern würden auf Signale und die Körpersprache achten. «Menschen können so erfahren, wie sie auf andere wirken», so der Psychologe.

Veröffentlicht am:
08. 04. 2019
18:09 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Berufsleben Hengste Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer Körpersprache Meditation Pferde Teamarbeit Ziele
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Geschäftsbeziehungen brauchen Pflege

13.04.2020

Geschäftsbeziehungen brauchen Pflege

Beziehungen im Geschäftsleben unterscheiden sich gar nicht so sehr von privaten Kontakten: Wichtig ist vor allem die emotionale Ebene. Aber wie weit müssen Business-Beziehungen gehen? » mehr

Homeoffice

08.04.2020

Die Bücherwand sagt mehr als 1000 Worte

Das Coronavirus verdammt viele Deutsche zum Arbeiten von zu Hause aus. Was man früher im Büro zwischen Kaffeeküche und Konferenztisch besprochen hat, passiert nun am Bildschirm: in einer Videokonferenz. » mehr

Diana Antwerpes

11.11.2019

Als Bewerber auf Karrieremessen punkten

Gut 200 Jobmessen pro Jahr lassen sich in Deutschland über eine schnelle Online-Suche finden. Lohnt sich der Besuch für Bewerber? Die richtige Vorbereitung darf auf keinen Fall fehlen. » mehr

Berufswunsch Lehrer

03.02.2020

«Das Leben auf dem Schulhof ist ein anderes»

Mittags nach Hause, wochenlang Ferien, massig Freizeit: Dass diese Vorstellungen vom Lehrerberuf nur Klischees sind, ist den meisten klar. Aber wie findet man heraus, ob man in dem Beruf richtig ist? » mehr

Robert Kötter

20.05.2019

So geht Auszeit vom Arbeitsalltag

Richtig abzuschalten, ist in längeren Auszeiten genauso wichtig wie nach Feierabend. Doch das ist oft schwerer, als es klingt. Unter anderem, weil wir einsehen müssen, dass wir ersetzbar sind. » mehr

Klare Rollenverteilung

18.02.2019

So klappt die Zusammenarbeit im Team

Trittbrettfahrer und Cliquenbildung: Teamarbeit ist oft schwieriger, als es in der Theorie scheint. Damit die Gemeinschaftsarbeit Erfolg hat, kommt es vor allem auf die Zusammensetzung der Gruppen an - und auf die Ansage... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
08. 04. 2019
18:09 Uhr



^