Topthemen: Der NSU-ProzessMobilität und EnergieGebietsreformFußball-Tabellen

 

Von Diabetes bis Migräne: Volkskrankheiten und der Job

Krank sind alle mal - manche sogar chronisch. Je nach Job muss der Arbeitgeber auch davon erfahren, ob einer seiner Mitarbeiter zum Beispiel Diabetes hat. Manchmal geht ihn das aber auch nichts an. Denn zu viel Offenheit kann eine Karrierebremse sein.



Beeinträchtigung durch Krankheit
Kopfschmerz bei der Arbeit: Krankheiten wie Migräne können Berufstätige massiv beeinträchtigen. Der Chef muss aber trotzdem nicht unbedingt davon erfahren.   Foto: Christin Klose » zu den Bildern

Migräne, Bluthochdruck oder Diabetes heißen nicht umsonst Volkskrankheiten: Die Zahl der Betroffenen ist groß. Und damit auch die Zahl der Arbeitnehmer, bei denen diese oder ähnliche Erkrankungen einen Teil des Alltags bestimmen.

Dennoch scheuen sich viele Berufstätige trotzdem, darüber mit dem Chef zu sprechen. Zu groß ist die Befürchtung, sich dadurch auf dem Karriereweg selbst Steine in den Weg zu legen.

Doch ist es wirklich so gefährlich, dem Chef von einer Krankheit zu erzählen? «Mit solchen Offenbarungen sollten Beschäftigte sehr vorsichtig sein», rät Jutta Boenig, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung (DGfK). «Betroffene laufen in der Tat Gefahr, quasi ausgemustert zu werden.»

Eine grundsätzlichen Zwang zur Offenheit gibt es nicht, sagt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht. «Vom Grundsatz her sind Arbeitnehmer nicht verpflichtet, über Krankheiten wie etwa Bluthochdruck den Arbeitgeber zu informieren», sagt er. Das ist Privatsache - solange der Beschäftigte die im Arbeitsvertrag vereinbarten Leistungen erbringt. Anders ist der Fall nur, wenn die Erkrankung sich konkret auf den Beruf auswirkt.

Vor dem Gespräch mit dem Chef sollten Betroffene aber immer erst mit einem Arzt reden, sagt Anette Wahl-Wachendorf vom Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW). Denn jeder Fall ist anders - je nach Job und je nach Krankheit. Ein kleiner Überblick:

- Diabetes Mellitus: Ist der Blutzucker gut eingestellt, ist diese Diagnose in der Regel kein Problem für Arbeitnehmer. Voraussetzung ist aber, dass sie regelmäßig Pausen einlegen können. Sind diese Auszeiten zu festen Uhrzeiten am Tag nicht möglich, wird es riskant. Eine ärztliche Beratung und Bewertung ist daher bei bestimmten Tätigkeiten unverzichtbar. In solchen Jobs sollte meistens auch der Arbeitgeber über die Diagnose Bescheid wissen: Häufig gibt es dann die Möglichkeit, dass Beschäftigte unter etwas anderen Bedingungen oder an einem anderen Platz arbeiten.

- Migräne: Die heftigen Kopfschmerzattacken, oft verbunden mit Übelkeit und Lichtempfindlichkeit, können für manche Berufstätige sehr gefährlich werden. In solchen Fällen sollte der Arbeitgeber vermutlich Bescheid wissen. Wer im Büro arbeitet und Alltagsbeschwerden in der Regel mit Medikamenten in den Griff bekommt, muss den Arbeitgeber aber nicht informieren. «Das Problem ist, dass Frauen und Männer, die angeben, unter Migräne zu leiden, häufig nicht ernstgenommen werden», sagt Boenig. Sind die Anfälle im Büro aber derart heftig, dass der Arbeitnehmer kurzzeitig nicht arbeitsfähig ist, dann führt an einem Gespräch mit dem Chef kein Weg vorbei.

- Bluthochdruck: In manchen Jobs sind Konflikte, Zeitdruck oder extremer Stress vorprogrammiert. Für Arbeitnehmer mit Bluthochdruck ist das eine ungünstige Situation - und eine Frage gut eingestellter Medikamente. Den Chef müssen Betroffene deswegen aber nicht gleich informieren. Es kann aber sinnvoll sein, je nach Betriebsklima: So kann man im Team vielleicht besprechen, wie sich im Sinne der Gesundheit Aufgaben anders verteilen lassen.

Veröffentlicht am:
07. 05. 2018
04:39 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeber Arbeitnehmer Berufstätige Bluthochdruck Diabetes Migräne Volkskrankheiten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Flexible Arbeitszeiten

22.01.2018

Fluch und Segen von Arbeitszeitkonten

Arbeitszeitkonten bringen mehr Flexibilität - für Beschäftigte und Unternehmen. Das System hat aber auch gesundheitliche und finanzielle Risiken - und zwar vor allem für die Angestellten. Gerade wer in Vollzeit arbeitet,... » mehr

Krankes Kind

15.01.2018

Krankes Kind zu Hause - Wie verhalten sich Berufstätige?

Für berufstätige Eltern ist ein krankes Kind immer wieder eine schwierige Situation. Zum Glück gibt es gesetzliche Regelungen für solche Fälle - unbezahlten Urlaub müssen sie daher meistens nicht nehmen. Verpflichtungen ... » mehr

Blick nach vorne

27.12.2017

Brückentage 2018: So holen Berufstätige mehr Urlaub raus

Einen Urlaubstag investieren, vier freie Tage am Stück bekommen: Der Brückentag ist ein gutes Beispiel für das Prinzip «Kleine Ursache, große Wirkung». 2018 gibt es dafür reichlich Gelegenheit. Die Weihnachtsfeiertage kö... » mehr

Mann mit Laptop im Café

27.02.2017

Das Prinzip «Bring your own Device» im Job

Statt das lahme Diensthandy oder den schwerfälligen Büro-PC zu nutzen, arbeiten viele Berufstätige lieber mit eigenen, besseren Geräten. «Bring Your Own Device» heißt das. Allerdings lauern dabei zahlreiche rechtliche Fa... » mehr

Fachanwalt für Arbeitsrecht

18.06.2018

Der richtige Umgang mit Überstunden in harten Zeiten

Ob unbezahlt oder mit Zeitausgleich: Überstunden gehören in vielen Unternehmen zum Arbeitsalltag. Nicht immer sind die rechtlichen Rahmenbedingungen klar - umso wichtiger ist es, dass Arbeitnehmer ihre Zeiten auch selbst... » mehr

«Karrierebibel»-Gründer

11.12.2017

Aufschreiben und abhaken: To-do-Listen für den Job

Das schöne Gefühl, wenn am Feierabend überall ein Häkchen steht: Viele Arbeitnehmer nutzen im Job To-do-Listen. Grundsätzlich eine super Idee, meinen Experten. Damit die Liste eine echte Hilfe ist, sollten Berufstätige a... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
07. 05. 2018
04:39 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".