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Jobwahl nach Mangel? Von Kristallkugeln und Schweinezyklen

Vom Altenpfleger bis zum Ingenieur: Glaubt man Studien und Prognosen, droht in vielen Branchen ein Fachkräftemangel. Eine Arbeitsplatzgarantie ist das aber nicht, sagen Experten - und warnen davor, das Phänomen für die Karriereplanung zu nutzen.



Menschen bei einer Messe
Hauptsache IT? Jugendliche auf Ausbildungs- oder Studienplatzsuche sollten sich nicht davon leiten lassen, wo es vermeintlich sichere Arbeitsplätze gibt - zu unsicher ist dafür die Zukunft.   Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn

Du willst Germanistik studieren? Damit wirst du doch höchstens Taxifahrerin» oder «Altenpfleger? Super, da kannst du dich bestimmt vor Angeboten nicht retten»: Solche Sätze bekommen viele angehende Azubis und Studenten zu hören.

Bis zum Ende des Schuljahres sind es zwar noch einige Monate. Doch vielen jungen Leute stellt sich schon jetzt die Frage: Wie mache ich nach der Schule weiter? Und bekomme ich damit einen Job? Mancher kommt da vielleicht auf die Idee, gezielt in die Branchen zu gehen, die händeringend Verstärkung suchen.

«Die Frage nach dem Fachkräftemangel spielt bei Jugendlichen schon eine Rolle», sagt Paul Ebsen von der Bundesagentur für Arbeit. «Für junge Leute ist wichtig: Wo lohnt es sich für mich überhaupt, eine Bewerbung hinzuschicken?»

Wie sich der Arbeitsmarkt in Zukunft verändert, hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zusammen mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) untersucht. Laut der Studie wird es im Jahr 2035 die größte Arbeitskräftelücke in den Pflege- und Gesundheitsberufen geben, erklärt Klaus Weber vom BIBB.

Jugendliche sollten sich bei der Berufswahl aber nicht auf solche Hochrechnungen verlassen, sagt Britta Matthes. Sie leitet die Forschungsgruppe Berufliche Arbeitsmärkte am IAB. Natürlich verändere sich der Arbeitsmarkt mit der Gesellschaft. Da diese immer älter wird, braucht man in Zukunft zum Beispiel mehr Pflegekräfte. Dabei gibt es nur ein Problem: «Diese Arbeitsplätze müssen aber auch finanziert werden.» Ob sie also wirklich entstehen, ist noch unklar. Der Bedarf an Arbeitskräften sei wegen solcher Ungewissheiten praktisch in keiner Branche vorhersehbar.

Auch für Klaus Weber geht es bei der Berufswahl um andere Faktoren als um den Blick in die Kristallkugel. «Als erstes ist es wichtig zu wissen, wo die eigenen Stärken und Interessen liegen.» Wenn jemand für eine bestimmte Fachrichtung brennt und das auch vermitteln kann, sei es einfacher, dort einen Ausbildungsplatz zu bekommen. «Als zweites ist es unverzichtbar, sich über die Inhalte der angestrebten Ausbildung oder des Studiums zu informieren.»

Wer seinen Beruf nach Mangel wählt, läuft außerdem Gefahr, in einen sogenannten Schweinezyklus zu geraten. «In den 1960er und 1970er Jahren herrschte zum Beispiel akuter Lehrermangel», erklärt Britta Matthes das Phänomen. «Deshalb entschieden sich damals viele junge Leute dafür, Lehrer zu werden.» Doch schon Ende der 1970er Jahre drehte sich das Blatt, und viele Lehrer fanden keine Stelle mehr.

Matthes rät angehenden Auszubildenden und Studierenden deshalb, sich zu fragen: Welche Tätigkeit kann ich engagiert ausführen? Was will ich individuell erreichen? Und wer gerne Germanistik studieren möchte, solle das auch tun - ohne die Angst, später keinen Job zu finden. «Geisteswissenschaftler wie Germanisten zählen zu den Generalisten auf dem Arbeitsmarkt.» Ingenieure könne man dagegen als Spezialisten bezeichnen. «Und der Arbeitsmarkt braucht in Zukunft weiterhin beides: Generalisten und Spezialisten.»

Veröffentlicht am:
27. 11. 2017
04:55 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
27. 11. 2017
04:55 Uhr



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