Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Arbeiten für eine Zeitarbeitsfirma

Viele Leiharbeiter verrichten vor allem einfache Hilfsjobs. Doch es gibt auch gefragte Spezialisten. Für Berufseinsteiger ist Zeitarbeit zudem interessant, um erste Erfahrungen zu sammeln. Beim Gehalt müssen Leiharbeiter aber weiter Einbußen hinnehmen.



Job zweiter Klasse?
Nebeneinander - und doch getrennt? Zeit- oder Leiharbeiter arbeiten oft genau wie ihre Kollegen, verdienen aber meist deutlich weniger.   Foto: Jörg Sarbach/dpa/dpa-tmn

Manchmal heißt es Leiharbeit, manchmal heißt es Zeitarbeit. Das Vorurteil ist aber immer das gleiche: Hilfsjobs ohne Aussicht auf Karriere - sonst gibt es dort nichts.

In vielen Fällen trifft das tatsächlich zu. «Der typische Leiharbeitnehmer ist männlich, jung und unqualifiziert», sagt Ilona Mirtschin, Arbeitsmarktexpertin der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg.

Anspruchsvoll ist die Arbeit in der Regel nicht: «Etwa jeder zweite Zeitarbeitsjob ist eine einfache Hilfstätigkeit», sagt Mirtschin. Doch das ist nur die eine Seite der Statistik. Denn in einigen Branchen bietet die Zeitarbeit durchaus Karrierechancen, so die Expertin: «Gerade für junge Leute kann ein Engagement bei einer Zeitarbeitsfirma ein guter Einstieg in den Arbeitsmarkt sein.»

Die Einsätze dauern oft nur zwei bis drei Monate - für Neueinsteiger eine gute Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln. «Zeitarbeit wird gerne genutzt, um sich auf dem Arbeitsmarkt zu orientieren», sagt Wolfram Linke von der IG Zeitarbeit , dem Interessensverband deutscher Zeitarbeitsunternehmen.

Manche entscheiden sich sogar dauerhaft für die Zeitarbeit, sagt der Branchenvertreter. Denn manche Formen der Zeitarbeit seien sogar für Akademiker attraktiv. Etwa im Bereich der Luft- und Raumfahrt: Hier laufen Projekte oft nur über einen begrenzten Zeitraum von zwei oder drei Jahren. «Für die Dauer des Projekts holen sich die Unternehmen gerne Spezialisten an Bord», sagt Linke. Ingenieure etwa können sich ihre Projekte so aussuchen und sich gezielt weiterbilden.

«Die Zeiten des Lohndumpings mit Hilfe der Leiharbeit sind vorbei», sagt auch Prof. Peter Schüren, Jurist an der Universität Münster und Experte für Zeitarbeit. Seit der Gesetzgeber die dauerhafte Überlassung von Arbeitnehmern verboten hat, nutzen Firmen das Instrument vor allem, um Bedarfsspitzen abzufedern. Auch die Tarifverträge für Leiharbeiter hätten sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert, so der Arbeitsrechtler.

Trotzdem bekommen die meisten Zeitarbeiter noch immer weniger Gehalt als die Stammbelegschaft. Doch Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel: «Akademiker im Bereich Zeitarbeit sind oft hoch spezialisierte Fachleute, die auf diese Weise oft deutlich mehr verdienen als in einer gewöhnlichen Anstellung», sagt Arbeitsmarktexpertin Mirtschin.

Allerdings haben gerade einmal neun Prozent der Leiharbeiter studiert. Bei vielen Beschäftigten auf Zeit wechseln sich stattdessen Jobs mit Phasen der Arbeitslosigkeit ab. «Viele Zeitarbeitnehmer landen nach einem Einsatz wieder in der Grundsicherung, weil sie nicht lang genug in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben», erklärt Mirtschin.

«Die Verbände bemühen sich sehr, das Schmuddelimage der Branche loszuwerden», sagt Schüren. Er empfiehlt Jobsuchenden, sich die Zeitarbeitsfirma im Vorfeld genau anzusehen. «Wenn es Mitarbeiter gibt, die dort schon länger arbeiten und zufrieden sind, ist das ein gutes Zeichen.»

Bei der Auswahl sollte ein Arbeitnehmer außerdem darauf achten, dass die Firma nach Tarif zahlt und Mitglied in einem Arbeitgeberverband ist. «Wichtig ist auch, dass sich die Zeitarbeitsfirma um die Belange ihrer Mitarbeiter kümmert», rät Linke. So sollte ein Unternehmen zum Beispiel nicht nur Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhe stellen, sondern auch bei Problemen im Einsatzbetrieb helfen.

Veröffentlicht am:
28. 08. 2017
04:35 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Akademiker Arbeitsmarktexperten Bundesagentur für Arbeit Karriere Leiharbeit Zeitarbeiter Zeitarbeitsfirmen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Zweitstudium erforderlich

15.04.2019

Hürden und Chancen eines Zweitstudiums abwägen

Erst Geschichte, dann Pharmazie: Manche haben nach einem ersten Abschluss noch nicht genug von der Hochschule. Zulassung und Finanzierung sind bei einem Zweitstudium aber nicht immer einfach. Wann lohnt es sich trotzdem? » mehr

Hilfe bei der Jobsuche

04.10.2019

So gehen Spezialisten bei der Stellensuche vor

Wer Architektur studiert, wird Architekt. Klar. Immer speziellere Studienfächer machen die Stellensuche aber zunehmend zur Herausforderung. Experten erklären, welche Strategien weiterhelfen. » mehr

Jochen Mai

07.10.2019

Jobhopping kommt meist nicht gut an

Ständig von einem Arbeitgeber zum nächsten? Davon raten Experten ab. Im Beruf ist eher Beständigkeit erwünscht. Häufige Wechsel wecken Misstrauen - bergen manchmal aber auch Chancen. » mehr

Volontäre

17.06.2019

Mit Trainee und Volo in den Beruf

Nach dem Studieren finden nicht alle Absolventen gleich einen Job. Eine Trainee-Stelle oder ein Volontariat kann eine gute Einstiegsmöglichkeit ins Berufsleben sein. Wann sich das lohnt und woran sich gute Programme erke... » mehr

Arbeiten in der Fitnessbranche

29.04.2019

Arbeiten in der Fitnessbranche

Eine Lizenz für die Arbeit als Fitnesstrainer lässt sich in wenigen Tagen ergattern. Wer Freizeitsport aber zum Beruf machen will, kann sich etwas mehr Zeit lassen. Denn die Branche braucht qualifizierten Nachwuchs - und... » mehr

Mechatronik-Azubi

06.09.2019

Wenn es bis zur Lehrstelle 174 Kilometer sind

Vielen Betrieben fehlen Auszubildende. Für Nachwuchs müssen Unternehmen kreativ werden. Auch damit die Azubis überhaupt logistisch zur Arbeitsstelle kommen können. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
28. 08. 2017
04:35 Uhr



^