Lade Login-Box.
Gemeinsam handeln zum Digital-Abo
Topthemen: #GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilft

 

Systemrelevante Berufe nur mäßig bezahlt

Applaus von den Balkonen und warme Worte - die Beschäftigten in systemrelevanten Berufen erfreuen sich in der Corona-Krise maximaler Beliebtheit. Aber verdienen sie auch genug?



Verdienst von Pflegekräften
Angelernte Kräfte im Krankenhaus kommen ohne Sonderzahlungen auf 2763 Euro brutto im Monat.   Foto: Marijan Murat/dpa

Sie werden im Netz und auf den Balkonen wegen ihres Einsatzes in der Corona-Krise gefeiert, doch Menschen in systemrelevanten Berufen verdienen häufig vergleichsweise wenig Geld.

So erhalten Altenpfleger, Lastwagenfahrer oder Beschäftigte im Einzelhandel teils deutlich weniger als Fachkräfte in der Gesamtwirtschaft, wie aus einer Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamts hervorgeht.

Vergleichsweise hohe Einkommen über dem deutschen Mittelwert von 3327 Euro haben demnach medizinische und pflegerische Fachkräfte im ausgewerteten Jahr 2019 erzielt. Hier reicht die Spanne der durchschnittlichen Brutto-Monatsverdienste von 8545 Euro für Krankenhausärzte in leitender Stellung über 4524 Euro für Intensivpfleger bis zu 3502 Euro für einfache Fachkräfte wie Krankenpfleger und Pflegerinnen. Diese machen gut die Hälfte des Krankenhauspersonals aus, so die Statistiker. Angelernte Kräfte im Krankenhaus kommen demnach ohne Sonderzahlungen auf 2763 Euro brutto.

In Alten- und Pflegeheimen müssen einfache Fachkräfte mit unterdurchschnittlichen 3116 Euro Brutto-Monatslohn zurechtkommen. Am wenigsten gibt es im Einzelhandel zu verdienen, wo über alle Leistungsgruppen hinweg im Schnitt nur 2345 Euro gezahlt werden, gut 40 Prozent unter dem bundesweiten Wert für Produktion und Dienstleistungen. Fachkräfte bekommen im Handel 2186 Euro und die große Gruppe der Angelernten sogar nur 1980 Euro bei einem Vollzeitjob.

Mit 3374 Euro liegen Fachkräfte bei Polizei und Feuerwehr ungefähr im Durchschnitt. Unterdurchschnittlich verdienen auch Fachkräfte bei der Abfallentsorgung, in der Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln, der Gebäudereinigung, im Garten- und Landschaftsbau oder im regionalen Personennahverkehr.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat auf einer anderen Datengrundlage errechnet, dass rund 90 Prozent aller Menschen in den systemrelevanten Berufen unterdurchschnittlich verdienten. Hier seien auch Überdurchschnittlich viele Frauen tätig. Gutverdiener wie Ärzte oder IT-Spezialisten fielen zahlenmäßig kaum ins Gewicht. Der durchschnittliche Brutto-Stundenlohn liege mit 18 Euro unter dem Schnitt aller Berufe mit 19 Euro.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund verlangte höhere Gehälter für die Betroffenen. «Applaus allein reicht nicht», erklärte die Vize-Vorsitzende Elke Hannack in Berlin. «Harte Arbeit, bescheidener Lohn - damit muss spätestens nach Corona Schluss sein. Die Dankbarkeit sollte sich regelmäßig zum Monatsende niederschlagen - in harten Euros auf dem Gehaltszettel.» Wer in diesen Berufen arbeite, soll davon leben können, die Miete bezahlen und den nächsten Urlaub mit der Familie, meinte die Gewerkschaftern. «Auf die derzeitige gesellschaftliche Dankbarkeit muss endlich echte Aufwertung folgen, etwa durch die Ausweitung der Tarifbindung.»

Die Gewerkschaft Verdi brachte eine monatliche Prämie von 500 Euro in die Diskussion. Die Beschäftigten stünden unter extremer Belastung, zum Teil gefährdeten sie auch ihre Gesundheit, erklärte Verdi-Chef Frank Wernecke. «Die Arbeitgeber müssen sich dafür erkenntlich zeigen.» Der Staat solle auf die vorgeschlagene Prämie keine Steuern erheben.

Veröffentlicht am:
27. 03. 2020
15:29 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Altenpfleger Arbeitgeber Arbeitnehmer Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Fachkräfte Krankenhausmitarbeiter Krankenhausärzte Krankenhäuser und Kliniken Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger Pflegeheime Polizei Statistisches Bundesamt Ärzte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Jobgespräch

07.05.2020

Rauswurf per Freistellung nicht ohne weiteres zulässig

Wer in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis steht, darf nicht einfach gegen seinen Willen freigestellt werden. Und er muss nicht über einen Aufhebungsvertrag verhandeln. » mehr

Peter Meyer

23.03.2020

Bekommen Ausgelernte nochmals Probezeit beim selben Betrieb?

Die Ausbildung ist geschafft, Zeit für den Berufsstart. Besonders einfach ist das natürlich, wenn man vom Ausbildungsbetrieb direkt übernommen wird. Aber gilt dann eigentlich eine erneute Probezeit? » mehr

Werkwohnungen der Deutschen Bahn

12.02.2020

Werkwohnungen liegen wieder im Trend

Im Wettbewerb um Fachkräfte müssen sich Unternehmen Einiges einfallen lassen. Günstiger Wohnraum kann dabei ein Standortvorteil sein - sowohl in Ballungsräumen als auch auf dem Land. » mehr

Homeoffice

06.12.2019

Frauen dürfen öfter als Männer nicht ins Homeoffice wechseln

Frauen sind im Beruf benachteiligt: Sie verdienen weniger und besetzen seltener Führungspositionen. Nach eigener Aussage dürfen sie zudem öfter als Männer nicht von zu Hause arbeiten. Warum? » mehr

Zentrale Servicestelle Berufsanerkennung

17.02.2020

Zentrale Beratungsstelle hilft Fachkräften aus dem Ausland

Deutschland ist ein Einwanderungsland - so predigen es viele Politiker gern. Damit es nicht bei einer Phrase bleibt, sondern die dringend benötigten Fachkräfte auch kommen, will man in Bonn nun Abhilfe schaffen. » mehr

Pflegefachkräfte in der Kinderklinik

25.02.2020

Ist der Beruf der Kinderkrankenschwester ein Auslaufmodell?

Die Kinderärzte in Deutschland diagnostizieren den «schleichenden Tod der Kinderkrankenschwester». Die Schuld sehen sie beim neuen Pflegeberufegesetz, das dem beliebigen Einsatz von Pflegepersonal Tür und Tor öffne. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
27. 03. 2020
15:29 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.