Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

 

Frauen verdienen weiterhin deutlich weniger als Männer

In Deutschland verdienen Frauen immer noch viel weniger Geld als Männer. Das ändert sich nur sehr langsam, weil die Ursachen tief in der Gesellschaft verwurzelt sind.



Gender Pay Gap
Auf dem deutschen Arbeitsmarkt verdienen Frauen weiterhin deutlich weniger Geld als Männer.   Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland werden nur langsam kleiner. Im vergangenen Jahr lag der durchschnittliche Bruttostundenlohn der Frauen mit 17,72 Euro noch um 20 Prozent niedriger als der von Männern mit 22,61 Euro, wie das Statistische Bundesamt berichtete.

Vor einem Jahr hatte der Unterschied 21 Prozent betragen und 2014 waren es 22 Prozent. Europaweit liegt Deutschland damit auf dem vorletzten Platz. Nur in Estland fiel im Jahr 2018 der Lohnunterschied noch größer aus.

Die Lohnlücke fiel im Osten mit 7 Prozent erneut deutlich geringer aus als im Westen mit 21 Prozent. Hier wirkt sich immer noch aus, dass Frauen in der früheren DDR besseren Zugang auch zu besser bezahlten technischen Berufen hatten und häufiger auf vollen Stellen arbeiteten.

Strukturelle Gründe für Gender Pay Gap

Drei Viertel der Gehaltslücke - die auch als Gender Pay Gap bezeichnet wird - lassen sich auf strukturelle Gründe zurückführen, wie das Bundesamt ausführte. So werden in frauentypischen Berufen historisch gewachsen durchweg geringere Gehälter gezahlt, Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit und seltener in qualifizierten Führungspositionen. Hier könnten auch Erwerbspausen etwa zur Kindererziehung eine Rolle spielen, was aber statistisch nicht erfasst worden ist.

Den Berechnungen zufolge bleibt eine bereinigte Gehaltslücke von zuletzt 6 Prozent - also das, was Frauen bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit weniger verdienen als Männer. Auch diese Zahl ist tendenziell leicht rückläufig, wird aber nur alle vier Jahre genauer erhoben, zuletzt im Jahr 2014. Neuere Ergebnisse sollen erst Mitte dieses Jahres vorliegen. Das Bundesamt vermutet, dass sich ein Teil dieser verbleibenden Lücke durch die Karrierebrüche von Frauen erklären lässt, die ihre Erwerbsarbeit beispielsweise zur Kindererziehung unterbrochen oder reduziert haben.

Frauen leisten häufiger Care-Arbeit

Dies wird auch gestützt durch eine Studie der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung. Frauen übernähmen nach wie vor deutlich mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer - etwa Kinderbetreuung oder Aufgaben im Haushalt. «Frauen weichen deshalb im Job oft auf Teilzeit aus, was langfristig mit deutlichen Einbußen bei den Stundenlöhnen verbunden ist», erläutert die Forscherin und Mitautorin Karin Schulze Buschoff. Die Studie hat auch einzelne Berufe mit besonders hohen Einkommensunterschieden identifiziert. Bei gleicher Leistung und Qualifikation verdienen Frauen in Verkauf, Vertrieb und bei Banken weiterhin deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen.

Anlass der Veröffentlichung ist der so genannte Equal Pay Day, der in diesem Jahr auf den 17. März fällt. Der Termin gibt symbolisch an, bis zu welchem Tag im Jahr Frauen praktisch unbezahlt gearbeitet haben, obwohl sie die gleiche Arbeit wie Männer leisten, die bereits seit dem 1. Januar bezahlt werden. Unterschiede nach Qualifikation, Branchen oder Teilzeitquote werden hier nicht gemacht.

Einbußen durch Erziehungszeiten

Vor allem Kinder führen zu einer Minderung des Lebenseinkommens - und zwar deutlich bei Müttern, aber «so gut wie gar nicht» bei Vätern, wie es in der Studie hieß. Denn hauptsächlich Mütter nehmen Auszeiten vom Arbeitsmarkt. Zudem sei Teilzeit für Frauen im Haupterwerbsalter zwischen 30 und 50 die «dominante Erwerbsform». Mütter, die heute Mitte 30 sind, könnten mit einem Erwerbseinkommen von 580.000 Euro (West) und 570.000 Euro (Ost) im Laufe ihres Lebens rechnen. Es gebe keinen nennenswerten Unterschied zwischen Müttern jüngerer und älterer Jahrgänge. Bei kinderlosen Frauen näherten sich die Einkommen denen der Männer aber an.

Der häufig genannte Unterschied beim Bruttostundenlohn (Gender Pay Gap) - er lag für Frauen 2019 im Schnitt um 20 Prozent niedriger als für Männer - greife zu kurz, urteilte die Stiftung laut Mitteilung. Denn damit würden nur diejenigen berücksichtigt, die zu dem Zeitpunkt aktiv im Arbeitsmarkt waren. Wie groß die Kluft im gesamten Erwerbsleben wirklich sei, werde verschleiert.

DIW-Studie zum Lebenserwerbseinkommen

Über das gesamte Erwerbsleben hinweg verdienen Frauen in Deutschland nur etwa halb so viel wie Männer. Im Westen liege das erwartete Lebenserwerbseinkommen im Schnitt bei rund 830.000 Euro für Frauen, Männer kommen auf durchschnittlich etwa 1,5 Millionen Euro. In Ostdeutschland sei von rund 660.000 für Frauen und knapp 1,1 Millionen Euro für Männer auszugehen. Das geht aus einer von der Bertelsmann Stiftung geförderten Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Freien Uni Berlin hervor, die zum Internationalen «Tag für gleiche Bezahlung» veröffentlicht wurde.

Für die Studie war das Lebenserwerbseinkommen für das 20. bis 60. Lebensjahr berechnet worden, vor Steuern und Abgaben und ohne Transfers wie Eltern- oder Kindergeld. Basis sind die Daten von knapp 18.200 Personen aus einer repräsentativen Wiederholungsbefragung.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 03. 2020
10:47 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitsmarkt Bertelsmann AG Bertelsmann Stiftung Bundesbehörden und Bundesämter (Deutschland) Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Einkommensunterschiede Eurostat Frauen Frauen in Deutschland Institute Mütter Statistisches Bundesamt Stundenlöhne Wirtschaftsforschung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Kurzarbeitergeld

18.08.2020

Corona-Krise: Erwerbstätigenzahl und Arbeitsvolumen sinken

Wegen Corona ist die deutsche Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal heftig eingebrochen. Doch die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt blieben wegen eines bereits bewährten Puffers bislang moderat. » mehr

Niedriglohnbeschäftigte im Gesundheitswesen

02.07.2020

Studie: Minijobber hart von Corona getroffen

Ökonomen preisen die Kurzarbeit als wirksames Instrument, um massenhafte Arbeitslosigkeit zu verhindern. Doch nicht alle Arbeitnehmer können in Krisen davon profitieren. » mehr

Einkommen von Müttern

22.06.2020

Mütter verdienen deutlich weniger als kinderlose Frauen

Nicht nur zwischen Männern und Frauen bestehen weiterhin große Unterschiede beim Einkommen. Eine Studie zeigt: Auch zwischen kinderlosen Frauen und Müttern tut sich eine Kluft auf. » mehr

Selbstständiger bei einem Bewerbungsgespräch

13.07.2020

Wenn Selbstständige sich anstellen lassen

Selbstständig oder Freiberufler zu sein, ist nicht immer leicht. Mancher sucht irgendwann den Weg zurück in eine Festanstellung. Worauf sich Ex-Selbstständige gefasst machen müssen. » mehr

Coronavirus - Homeoffice

13.05.2020

Jeder dritte wechselte in Corona-Krise ins Homeoffice

Gerade viele Büroarbeiter bekamen mit der Corona-Krise die Chance, ihren Arbeitsplatz nach Hause zu verlegen. Aber wie häufig ist das Homeoffice bei den Beschäftigten insgesamt? Eine Umfrage zeigt es. » mehr

Grundschule

14.08.2020

Schüler-Flatrate und Lehrer-Laptops geplant

Corona zwingt die Schulen zum Improvisieren. Doch künftig soll es mit digitalem Unterricht zu Hause, wenn er denn wieder nötig wird, besser klappen als im Frühjahr. Bund und Länder wollen dafür viel Geld ausgeben. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 03. 2020
10:47 Uhr



^