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Zentrale Beratungsstelle hilft Fachkräften aus dem Ausland

Deutschland ist ein Einwanderungsland - so predigen es viele Politiker gern. Damit es nicht bei einer Phrase bleibt, sondern die dringend benötigten Fachkräfte auch kommen, will man in Bonn nun Abhilfe schaffen.



Zentrale Servicestelle Berufsanerkennung
Hubertus Heil (r) und Anja Karliczek besuchen die Zentrale Servicestelle Berufsanerkennung bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV). Mitarbeiterin Jana Braun (m) erzählt über ihre Arbeit.   Foto: Oliver Berg/dpa

Hat man als Maschinenbauingenieur in Deutschland Karrierechancen? Zählt ein Bachelor-Abschluss aus Mexiko im Gesundheitswesen genauso viel wie einer aus Deutschland?

Wer als Nicht-EU-Bürger darüber nachdenkt, eine Karriere in Deutschland zu starten, stellt sich solche Fragen. Über Grenzen hinweg kann es jedoch schwierig sein, Antworten zu finden. Eine zentrale Beratungsstelle in Bonn soll das ändern.

Ein Angebot der Bundesagentur für Arbeit

«Sie sind die Lotsen in dem bunten Dickicht der Arbeitswelt», sagt Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU), die gemeinsam mit Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) das neue Angebot der Bundesagentur für Arbeit besucht. «Schneller, transparenter und einheitlicher soll es werden», erklärt Karliczek. Ihr Ministerium fördert die Beratung in den ersten vier Jahren mit 3,5 Millionen Euro pro Jahr.

Auf Fachkräfte aus Staaten außerhalb der EU setzt Deutschland große Hoffnungen, da im Inland und der EU qualifiziertes Personal immer knapper wird. So jettet etwa Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) um die Welt, um Pflegekräfte aus Mexiko oder dem Kosovo anzuwerben, während Arbeitsminister Heil mit seinen Kabinettskollegen um ein neues Einwanderungsgesetz für Fachkräfte gerungen hat, das im März nun endlich in Kraft tritt und den Weg nach Deutschland erleichtern soll. Auch die Bonner Beratung geht dann offiziell an den Start, derzeit laufen aber schon die ersten Anfragen ein.

Kann die Wirtschaft also bald aufatmen? Die Minister warnen in Bonn vor überzogenen Erwartungen. «Die Leute werden uns nicht die Bude einrennen», meint Heil. Immerhin sei das Wetter hierzulande nicht das beste und die deutsche Sprache nicht die leichteste - das könne man aber leider nicht ändern. «Aber die Verfahren sind sehr kompliziert. Und das können wir ändern.»

Kampagnen in sozialen Medien

Finden sollen Interessierte die Beratung über das Portal «Make it in Germany» oder gezielte Kampagnen, etwa in sozialen Medien. Im vergangenen Jahr, also noch ohne die Beratungsstelle, habe man bereits mit 160.000 Menschen Kontakt gehabt, die sich vorstellen könnten, in Deutschland zu arbeiten, erzählt Daniel Terzenbach aus dem Vorstand der Bundesagentur für Arbeit.

Nimmt jemand virtuell Kontakt auf, stehen in Bonn nun geschulte Beratende bereit. In Chats, per Mail oder telefonisch versuchen sie, Antworten zu geben. So ist eine junge Mitarbeiterin gerade dabei, den Abschluss eines albanischen KfZ-Mechatronikers zu prüfen, während bei zwei Kolleginnen nebenan im Live-Chat Fragen aus Mexiko, Indien oder dem Westbalkan einlaufen. Auch Minister Heil versucht sich bei seinem Besuch auf Englisch als Berater vor der Webcam: «It is very good that you are joining this chat», spricht er in die Kamera in Richtung der Fragesteller - und schiebt noch ein paar Glückwünsche hinterher: «You are the first ones. Congratulations.» Die Frage danach, welche Chancen man überhaupt auf einen Arbeitsplatz in Deutschland habe, sei im ersten Kontakt die häufigste, erzählt Beraterin Shirin Wummel.

Gefragte Berufsgruppen

Die größten Engpässe bestehen laut der Fachkräftestrategie der Bundesregierung etwa bei Elektrotechnikern, Metallbauern, Mechatronikern, Köchen, Alten- und Krankenpflegern, Informatikern sowie Softwareentwicklern. Für die Wirtschaft bleibt der Fachkräftemangel das größte Geschäftsrisiko, wie aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags hervorgeht. Für Unternehmen wirkt das wie ein Bremsklotz: Sie können Aufträge nicht annehmen, weil sie nicht genügend qualifizierte Leute haben.

Georgische Gärtnerinnen, kenianische Klempner, Chefkochs aus Chile? Als er Beispiele für mögliche Zuwanderer sucht, wird Arbeitsminister Heil kreativ. Wer aber wirklich komme, müsse man abwarten. Es brauche in jedem Fall ein bisschen Geduld, bis die Wirkung des Gesetzes sichtbar werde.

Veröffentlicht am:
17. 02. 2020
17:02 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
17. 02. 2020
17:02 Uhr



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