Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagtCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFolgen Sie uns auf Instagram

 

Mindestlohn für Azubis und neue Titel für Abschlüsse

Künftige Azubi-Generationen sollen es besser haben: Sie bekommen einen «Mindestlohn». Außerdem ist ein Meister künftig nicht mehr nur ein Meister, sondern auch ein «Bachelor Professional» - das ist nicht unumstritten.



Weiniger Geld im Portemonnaie
Studenten befürchten einen Anstieg der Semestergebühren.   Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn/dpa

Zehntausende Azubis sollen künftig besser bezahlt werden. Der Bundestag hat am Donnerstag eine Reform des Berufsbildungsgesetzes beschlossen, die unter anderem die Einführung eines Azubi-Mindestlohns von 515 Euro im ersten Lehrjahr vorsieht. Zudem werden neue englische Titel für die berufliche Weiterbildung zum Beispiel beim Meister eingeführt. Vor allem das stieß bei der Debatte im Bundestag auf Kritik der Opposition.

Die Bundesregierung will mit dem Mindestlohn die Berufsausbildung attraktiver machen und Abbrecherzahlen in der Ausbildung verringern. Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte in der Debatte, die duale Ausbildung sei neben «Made in Germany» ein Markenzeichen Deutschlands. Erfolg sei aber kein Selbstläufer, sagte sie mit Verweis auf nicht besetzte Lehrstellen.

Jeder, der im kommenden Jahr eine Berufsausbildung beginnt, soll nun mindestens 515 Euro im ersten Lehrjahr bekommen. Der Betrag wird in den folgenden Jahren schrittweise weiter erhöht auf bis zu 620 Euro monatlich im ersten Lehrjahr. Auch im zweiten und dritten Ausbildungsjahr gibt es mehr. Ab 2024 soll die Azubi-Mindestvergütung dann automatisch mit der Entwicklung der Lehrlingsgehälter steigen.

Wermutstropfen für diejenigen, die heute schon in einer Ausbildung stecken: Sie haben nichts von der Neuregelung. Außerdem sind Ausnahmen von der Mindestvergütung möglich, wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften für einzelne Branchen eigene Vereinbarungen treffen.

Rechnerisch könnten rund 89.000 junge Menschen vom neuen Lehrlings-Mindestlohn profitieren. So viele Azubis verdienten jedenfalls nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit Ende 2018 weniger als 500 Euro im Monat, viele davon sogar weniger als 400 Euro. In bestimmten Berufen wie dem Friseurhandwerk und vor allem im Osten bekommen Azubis bisher besonders wenig Geld.

Gewerkschaften, Grüne und Linke begrüßten am Donnerstag die Reform, kritisierten die Höhe des Mindestlohns allerdings als zu niedrig. Auf dem Bau liege der tarifliche Azubi-Lohn im ersten Lehrjahr jetzt schon bei 850 Euro, sagte der Bundesjugendsekretär der IG Bau, Moritz Greil. Der AfD-Bildungspolitiker Götz Frömming warnte in der Bundestagsdebatte dagegen davor, dass sich Klein- und Kleinstbetriebe wegen erwarteter Mehrkosten durch den Mindestlohn aus dem System der Berufsausbildung zurückziehen könnten.

Die Reform sieht weitere Neuregelungen vor: Azubis sollen künftig einen Anspruch auf einen freien Lerntag vor Prüfungen haben, in dem sie nicht im Ausbildungsbetrieb erscheinen müssen. Geplant sind zudem neue Titel nach einer Weiterbildung. Ein Bäcker, der seinen Meister macht, soll zusätzlich auch den Titel «Bachelor Professional» bekommen, um mehr internationale Vergleichbarkeit herzustellen und um laut Bundesbildungsministerium zu zeigen, dass berufliche Fortbildung und Studium gleichwertig seien.

Die Opposition kritisierte das scharf und sprach unter anderem von «babylonischer Begriffsverwirrung». Redner der Regierungsparteien verwiesen dagegen darauf, dass es nur um eine Zusatzbezeichnung gehe. «Meister bleibt Meister», sagte die CDU-Abgeordnete Yvonne Magwas.

Nach dem Bundestag muss noch der Bundesrat der Reform zustimmen, damit sie wie geplant am 1. Januar in Kraft treten kann.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 10. 2019
16:04 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Anja Karliczek Auszubildende Beruf und Karriere Berufliche Ausbildung und Weiterbildung Berufsbildungsgesetz Bundesagentur für Arbeit Bundesministerium für Bildung und Forschung CDU Deutscher Bundesrat Deutscher Bundestag Gewerkschaften Kultus- und Bildungsminister Mindestlohn Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Regierungsparteien Weiterbildung Yvonne Magwas
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Corona-Prämie für Übernahme von Azubis

26.05.2020

Übernahme von Azubis soll mit Corona-Prämie belohnt werden

Wegen Corona droht auch auf dem Ausbildungsmarkt eine Krise. Hunderttausende Betriebe sind in Schwierigkeiten geraten. Die Azubis sollen die Auswirkungen aber nicht spüren. » mehr

Ausbildung im Friseurhandwerk

15.05.2019

Zehntausende Azubis sollen von Mindestvergütung profitieren

Zehntausende Auszubildende bekommen weniger als 400 Euro im Monat. Sie sollen vom neuen Azubi-Mindestlohn profitieren. Mit der geplanten Reform sind noch weitere Änderungen geplant. » mehr

Aufstiegs-Bafög

14.02.2020

Berufliche Weiterbildung wird stärker gefördert

Sich neben dem Job weiterzubilden, ist nicht nur eine zeitliche Herausforderung. Auch die Kosten für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren sind für viele schwer zu stemmen. Der Staat will nun höhere Zuschüsse zahlen. » mehr

Erstes Ausbildungsgehalt

08.07.2020

Wie viel verdient man in der Ausbildung?

In der Ausbildung verdienen viele junge Menschen zum ersten Mal ihr eigenes Geld. Doch nicht jeder Azubi bekommt gleich viel, und oft reicht die Vergütung kaum zum Leben. Was dann? » mehr

Zweijährige Ausbildungen

07.07.2020

Was hinter zweijährigen Ausbildungen steckt

Der Großteil der dualen Ausbildungen dauert drei Jahre - genauso lange wie ein Bachelor. In manchen Berufen aber kann man schon nach zwei Jahren den Abschluss erhalten. Gibt es Unterschiede? » mehr

Zuschüsse für Ausbildungsplätze

24.06.2020

Staat will Unternehmen Corona-Prämien für Ausbildung zahlen

Aus der Wirtschaftskrise soll nicht auch noch eine Ausbildungskrise werden. Deshalb hat das Bundeskabinett Hilfen für angeschlagene Unternehmen auf den Weg gebracht, die trotzdem ihre Azubis halten und weiter ausbilden. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 10. 2019
16:04 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.