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Plötzlich Lehrer: So funktionieren Quer- und Seiteneinstieg

Lehrermangel gibt es bereits jetzt an vielen Grundschulen in Deutschland. In den nächsten sieben Jahren sollen viele weitere Stellen frei werden. Wer schon immer Kinder unterrichten wollte, kann den Beruf auch als Quereinsteiger ergreifen.



Schulunterricht
In Deutschland herrscht an den Grundschulen Lehrermangel. Die freien Stellen können auch Quereinsteiger besetzen.   Foto: Daniel Karmann/dpa

Der Lehrermangel an den Grundschulen in Deutschland spitzt sich nach einer Studie in den nächsten Jahren dramatisch zu. Laut Bertelsmann-Stiftung werden bis ins Jahr 2025 rund 35 000 Lehrer für die ersten Schuljahre fehlen.

Der Grund dafür: Nach Berechnungen der Stiftung müssten bis 2025 knapp 105 000 neue Lehrer eingestellt werden, die Universitäten können bis dahin aber nur 70 000 Absolventen ausbilden. Allerdings ist nicht unbedingt ein Hochschulstudium erforderlich, um an einer Grundschule zu unterrichten. In allen Bundesländern gibt es inzwischen Programme für Quer- oder Seiteneinsteiger. Damit reagieren die Behörden auf den wachsenden Lehrermangel. Wie das genau funktioniert, ist allerdings von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Das geht aus einer Übersicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hervor. Ein Überblick:

- Quer- oder Seiteneinstieg: Quer- und Seiteneinstieg sind nicht das Gleiche, auch wenn manche Bundesländer die Begriffe synonym verwenden. Von Quereinsteigern spricht man, wenn jemand ohne Lehramts-Studium in den sogenannten Vorbereitungsdienst geht - das Referendariat also. Seiteneinsteiger dagegen fangen sofort an, als Lehrer zu arbeiten, begleitet in der Regel durch Seminare, Unterrichtsbesuche oder Mentoren-Programme. Nicht in allen Bundesländern gibt es beide Varianten.

- Voraussetzungen: Ein Lehramts-Studium brauchen Quer- und Seiteneinsteiger nicht, einen Hochschulabschluss aber in der Regel schon - und oft auch passend zu dem Fach, das sie unterrichten wollen. Manche Bundesländer setzen außerdem gewisse Noten voraus oder verhängen eine Altershöchstgrenze: In Hessen etwa dürfen Quereinsteiger nicht älter als 40 sein.

- Schulform: Ein Quer- oder Seiteneinstieg ist meist nur da möglich, wo es Mängel gibt: In manchen Bundesländern geht das also nur an Berufs- und Grundschulen, die besonders händeringend nach Lehrkräften suchen. Andere Bundesländer suchen unabhängig von der Schulform nur nach Lehrern für bestimmte Fächer, Naturwissenschaften etwa. Wer wo wie einsteigen kann, ändert sich dabei ständig - teils sogar von Halbjahr zu Halbjahr.

- Bezahlung und Karriere: Quer- und Seiteneinsteiger sollen keine Aushilfen sein, sondern eine ganz reguläre Lehrerkarriere machen. Deshalb werden sie in der Regel so bezahlt wie andere Lehrer auch, Seiteneinsteiger landen je nach Land und Schulform meistens in den Entgeltgruppen 11 bis 13 des jeweiligen Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst. Je nach Bundesland ist kurz- bis mittelfristig auch eine Verbeamtung möglich.

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dpa

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Veröffentlicht am:
31. 01. 2018
14:05 Uhr

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