Lade Login-Box.
Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

 

Mobiles Arbeiten führt zu Mehrarbeit - macht aber zufrieden

Über die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland arbeitet laut einer Studie mit PC, Laptop oder Smartphone. Gerade Führungskräfte, Akademiker und Handwerker sind viel von unterwegs im Einsatz. Sie arbeiten oft mehr - und sind trotzdem zufrieden.



Mobile Computerarbeit
Mobile Computerarbeiter haben oftmals einen Zehn-Stunden-Tag. Unzufrieden macht sie das nicht unbedingt.   Foto: Daniel Naupold/dpa

Wissenschaftler am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln haben herausgefunden: Arbeiten außerhalb des Betriebs mit PC, Laptop oder Smartphone führt zu Mehrarbeit, kann aber dennoch zufrieden machen.

Sogenannte mobile Computerarbeiter haben in Deutschland am häufigsten Arbeitstage von mehr als zehn Stunden. Die Arbeitszufriedenheit dieser Menschen ist trotzdem hoch. «Das Interessante ist, dass diese Menschen dafür mehr Autonomie haben, das heißt, sie haben mehr Souveränität zu entscheiden: Wie arbeite ich, wann arbeite ich, was arbeite ich», sagte Studienautor Oliver Stettes. Insgesamt führe dies zu einer Balance.

So gaben rund 63 Prozent der mobilen Computerarbeiter an, dass sie während der Arbeit ohne große Komplikationen ein bis zwei Stunden für persönliche Angelegenheiten frei nehmen können. Als Computerarbeiter gelten Beschäftigte, die mindestens ein Viertel ihrer Zeit mit PC, Laptop und Smartphone arbeiten. Insgesamt sind das über alle Berufsgruppen hinweg 55 Prozent der Beschäftigten in Deutschland.

Kritiker warnen indes vor der Belastung für Arbeitnehmer durch ständige Erreichbarkeit. Eine Studie der Universität St. Gallen weißt etwa darauf hin, dass die ständige Erreichbarkeit das Familienleben und die Gesundheit stark belasten können. Die IG Metall mahnt, die gesetzlichen Grenzen für Arbeitszeiten müssten auch im digitalen Wandel erhalten bleiben.

Mobiles Arbeiten sei eine Form, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, sagt dagegen Studienautor Stettes. Ob sie genutzt werden, hänge von den Menschen und dem Betrieb ab. «Bei der Arbeitszufriedenheit, die in Deutschland sowie so sehr hoch ist, gibt es keinen Unterschied. Es gibt insgesamt eine positive Wahrnehmung. Auch die mobilen Computerarbeiter signalisieren: Das passt so für mich.»

Dass sich die Arbeit stärker in den Privatbereich verlagert, davon geht Timo Braun, Wirtschaftswissenschaftler an der Freien Universität Berlin, jedoch nicht aus. «Bei der Telearbeit hat man schon Anfang der Neunzigerjahre gesehen, dass diese für die Betriebe nur in einem sehr begrenzten Rahmen praktikabel ist», sagt er. «Die Digitalisierung wird sich stärker auf einfache Arbeitsformen und die Produktion ausweiten, zum Beispiel auf Arbeiter am Band. Sie können zum Beispiel Maschinen per Tablet steuern und überwachen.»

Potenzial für mobiles Arbeiten sieht Braun vor allem in Großstädten in Form von Co-Working-Spaces, bei denen sich mehrere Menschen, die bei verschiedenen Arbeitgebern beschäftigt sind, ein oder mehrere Arbeitsplätze gemeinsam teilen.

Über die Hälfte der Beschäftigten arbeitet der IW-Studie zufolge zumindest gelegentlich außerhalb des Betriebs, hauptsächlich bei Kunden. Vor allem sind dies Handwerker, Führungskräfte und Akademiker. Nur knapp 8 Prozent arbeiten mehrmals im Monat oder häufiger von zu Hause aus.

Unter den rund 20 Prozent, die häufiger außerhalb am PC, Laptop oder Smartphone arbeiten, sind besonders viele Führungskräfte und Beschäftigte in akademischen Berufen. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit im Mittelfeld. In Dänemark und Schweden arbeiten sogar mehr als drei Viertel der Beschäftigten mobil.

Für die IW-Studie «Mobiles Arbeiten in Deutschand und Europa» haben die Wissenschaftler Daten der Umfrage European Working Conditions Survey 2015 ausgewertet. Dafür wurden mehr als 43 000 Erwerbstätige aus 28 Ländern der Europäischen Union, der fünf Beitrittskandidaten Montenegro, Serbien, Türkei, Albanien, Mazedonien sowie der Schweiz und Norwegen befragt. Der IW-Auswertung für Deutschland lagen Angaben von über 1600 Angestellten zugrunde.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 09. 2017
11:45 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Akademiker Arbeiten Arbeitnehmer Freie Universität Berlin Führungskräfte Handwerker IG Metall Institut der deutschen Wirtschaft Notebooks Smartphones Zufriedenheit
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Weibliche Verstärkung

16.07.2018

Fachkräfte im MINT-Bereich händeringend gesucht

In technisch-mathematischen Berufen ist derzeit der Fachkräftemangel besonders groß. Doch welche Fachkräfte brauchen Firmen besonders? » mehr

Volontäre

17.06.2019

Mit Trainee und Volo in den Beruf

Nach dem Studieren finden nicht alle Absolventen gleich einen Job. Eine Trainee-Stelle oder ein Volontariat kann eine gute Einstiegsmöglichkeit ins Berufsleben sein. Wann sich das lohnt und woran sich gute Programme erke... » mehr

Juckende Augen

22.01.2019

So bleiben die Augen bei der Bildschirmarbeit gesund

Bildschirmarbeit belastet die Augen. Viele Büroarbeiter spüren dies, wenn es etwa vor den Augen flimmert oder Reizungen auftreten. Wie lassen sich solche Beschwerden vermeiden? » mehr

Neuer Vorgesetzter

18.06.2019

Wie Führungskräfte eine Vertrauenskultur schaffen

Selbstkritisch und mit klarer Haltung erarbeitet man sich das Vertrauen der Mitarbeiter und des Betriebs. Das ist allerdings ein langer Prozess und die Anforderungen an Führungskräfte sind oft komplex: » mehr

Arbeit einer Reinigungskraft

24.09.2018

Millionen Deutsche müssen mit Niedriglöhnen auskommen

Am deutschen Arbeitsmarkt ist nicht alles Gold, was glänzt. Bei der Frage nach der Qualität der Arbeit kommen viele soziale Faktoren ins Spiel. Sorgen macht vor allem der große Niedriglohnsektor. » mehr

Arbeiten in der Fitnessbranche

29.04.2019

Arbeiten in der Fitnessbranche

Eine Lizenz für die Arbeit als Fitnesstrainer lässt sich in wenigen Tagen ergattern. Wer Freizeitsport aber zum Beruf machen will, kann sich etwas mehr Zeit lassen. Denn die Branche braucht qualifizierten Nachwuchs - und... » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 09. 2017
11:45 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".