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Berufsbildungsbericht 2017: Gute Chancen auf eine Lehrstelle

Deutschland exportiert sein Modell der dualen Ausbildung in Betrieben und Berufsschulen gern ins Ausland. Zuhause läuft aber noch längst nicht alles rund auf dem Lehrstellenmarkt - Hunderttausende Menschen zwischen 20 und 29 stehen mit leeren Händen da.



ABB Ausbildungszentrum in Berlin
In dem dualen System arbeiten Auszubildende nicht nur in den Betrieben, sondern lernen auch in Ausbildungswerkstätten. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa  

In Deutschland sind die Chancen auf eine Lehrstelle nach Angaben der Bundesregierung «so gut wie nie». Auf 100 Schulabgänger, die einen Ausbildungsplatz suchten, kamen im vergangenen Jahr statistisch gesehen 104,2 Angebote.

Allerdings seien «Passungsprobleme weiterhin eine zentrale Herausforderung» - viele Ausbildungsbewerber genügen nicht den Ansprüchen der Betriebe. Dies geht aus dem Berufsbildungsbericht 2017 hervor, den das Kabinett verabschiedete.

Die Anzahl freier Lehrstellen stieg zum Stichtag 30. September 2016 um 4,5 Prozent auf rund 43 500 und damit auf einen neuen Rekordwert. Für viele Betriebe sei es schwieriger geworden, Ausbildungsplätze zu besetzen, schreibt das Bundesbildungsministerium zu seinem Report.

Zugleich ging die Zahl unversorgter Bewerber leicht (um 1,1 Prozent) zurück - aber es gab immer noch 20 600 Jugendliche, die leer ausgingen. Und fast 300 000 junge Menschen begannen 2016 ein Programm im sogenannten Übergangsbereich (plus 12,2 Prozent), um überhaupt erst einmal für eine Lehrstelle fit gemacht zu werden. Bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen blieb die Gesamtzahl mit 520 300 im Vergleich zu 2015 praktisch konstant (minus 0,4 Prozent).

Für die sogenannte Ausbildungsbetriebsquote und Vertragsauflösungen weist der Berufsbildungsbericht Zahlen von 2015 aus. Demnach bildet in Deutschland nur noch jeder fünfte Betrieb (20 Prozent) einen oder mehrere Lehrlinge im dualen System aus (2014: 20,3 Prozent) - ein Tiefstand. 24,9 Prozent der Lehrverträge wurden vorzeitig aufgelöst (2014: 24,6 Prozent) - allerdings gingen mehr als die Hälfte dieser Vertragslösungen mit einem Wechsel des Ausbildungsbetriebs oder -berufs einher. «Diese Auszubildenden verbleiben also weiter im Qualifizierungsprozess als berufliche Fachkräfte.»

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) beklagte, dass gut 1,2 Millionen Menschen zwischen 20 und 29 in Deutschland keine abgeschlossene Ausbildung hätten und auch nicht in Schule oder Studium seien - fast 13 Prozent dieser Altersgruppe. «Das heißt: Unter dem Strich bleiben pro Jahrgang mehr als 120 000 Jugendliche ohne Ausbildung», sagte die stellvertretende DGB-Chefin Elke Hannack der Deutschen Presse-Agentur. «Wir brauchen deshalb eine Ausbildungsgarantie, die allen Jugendlichen die Perspektive auf einen Berufsabschluss eröffnet.»

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Hubertus Heil sprach sogar von 1,9 Millionen jungen Erwachsenen zwischen 20 und 34 Jahren ohne jeden Berufsabschluss. «Gerade für Ausbildungssuchende mit Hauptschulabschluss wird es zunehmend schwerer, einen Platz zu ergattern.» Deutschland müsse daher «die Allianz für Ausbildung stärker hierauf konzentrieren - das bedeute «neben zusätzlichen betrieblichen Ausbildungsplätzen vor allem mehr Unterstützungsangebote», sagte Heil.

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dpa

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Veröffentlicht am:
05. 04. 2017
12:35 Uhr

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