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Ohne Wenn und Watt

Klar kann man Elektro-Doping machen, doch wer auf seine Pedal-Ritter-Ehre hält, kurbelt beim Radeln noch selbst



  Foto: AdobeStock

Vielleicht ist es an der Zeit, mit zwei Gerüchten aufzuräumen. Erstens: Beim CO2-Ausstoß werden Velozipede nicht auf den Flottenverbrauch der Autobauer angerechnet – auch wenn fast alle, zuvörderst aber die gerne Premium genannten Marken, vorrangig Exklusives und damit Hochpreisiges auf zwei Rädern feilbieten. Und: Die Elektro-Prämie der großen Koalition gilt tatsächlich nur für Autos. Wer ein Fahrrad mit Akku-Antrieb ordert, geht – genauer: fährt – leider leer aus. Ausnahmsweise mal eine kluge Entscheidung. Geld für betreutes Treten – wäre ja noch schöner . . .

Allenfalls hätten die anderen Lohn verdient. Die sich schon in alle möglichen Sättel schwangen, als es noch nicht mal eine Knopfzelle im Rahmenrohr gab. Und die es weiterhin ohne Wenn und Watt tun: Pendler und Kurzeinkäufer, weil Radfahren chic, praktisch und umweltfreundlich ist, Sportler eher oder sogar vor allem wegen der Fitness.

So oder so gilt unser Respekt allen, die sich mit brennenden Waden und pfeifenden Lungen bergan kämpfen. Mögen sie drei Dutzend Mal abgekämpfter aussehen als jene, die entspannt, aber eben gedopt durch Elektronen, Höhenmeter um Höhenmeter machen. Wer auf seine Pedal-Ritter-Ehre hält, tritt immer noch selbst.

Wenn er denn kann – so ganz spontan. Nicht selten erwartet die Radsuchenden vor der ersten Ausfahrt ein Draht- oder auch Carbonesel, der den Winter irgendwo hinter Reifenstapel, Kugelgrill und Liegestuhl-Auflagen überdauert hat und – Schreck lass nach – noch haargenau so gammelig ist wie nach dem letzten Spätherbst-Ausflug im Sprühregen. Also bewaffnen wir uns notgedrungen mit Putz-, Werk- und Flickzeug. Dummerweise ist der Nachbar schon vom ersten Trainingslager auf Malle zurück, während wir noch nicht mal einen sauber arbeitenden Umwerfer haben.

Klar hätten wir auch zum Rad-Doc unseres Vertrauens gehen können. Nur dass der mittlerweile nicht nur die Werkstatt, sondern sein Büro vollstehen hat mit Rädern, die er nur mal ganz schnell durchschauen soll. Auf Erledigung vor Ort warten wie sonst – kein Gedanke.

Egal. So schnell erschöpft sich unsere sportliche Motivation nicht. Schließlich kurbelt Radfahren nicht nur den Kreislauf an und strafft Bauch (ein wenig), Beine (sehr), Po (ziemlich) – es verbindet obendrein das Gefühl von Freiheit mit frischer Luft und der Freude an Geschwindigkeit. Und wer nach einem offiziellen Anlass sucht: An diesem Sonntag vor 117 Jahren hat sich der Weltverband des Radsports gegründet.

Muss gar nicht immer großes Blatt und kleines Ritzel sein. Bereits zehn Minuten sanfter Tritt sind gesund, sagen Mediziner – schon die Mini-Tour zum Frühstücksbäcker lohnt sich also. Der Vorteil längerer Ausflüge: Man sieht in derselben Zeit deutlich mehr Landschaft als beim traditionellen Spaziergang. Und verglichen mit anderen Sportarten hat man einen Trumpf extra. Läufer wie Schwimmer müssen ohne Pause rackern, sonst ist mit Vortrieb Essig. Auf dem Rad kann man es auch einfach mal gemütlich rollen lassen.

Oder sich furchtlos in die Tiefe stürzen wie beim Downhill. Klingt nach gepflegtem Roll-Rasen, ist aber ein Knochenjob. Und nicht ohne Risiko. Überall lauern Wurzeln, Steine und dorniges Buschwerk. Da wird der Grat zwischen flotter Fahrt und bösem Sturz schnell schmal. Nicht ohne Grund trägt man außer Helm noch Nackenstütze, Brille, Handschuhe und spezielle Schützer für Ellbogen, Knie und Schienbeine. Mindestens. Hilfreich ist auf wie neben der Spur die alte Weisheit, wonach es kühne Piloten gibt – und alte.

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
12. 04. 2019
09:45 Uhr

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12. 04. 2019
09:45 Uhr



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