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Nicht nichts, nur weniger

Fasten wäre schon wieder ein Vorsatz. Dabei haben wir die alten noch gar nicht erfüllt. Also besser nicht übertreiben.



Foto: AdobeStock
 

Schöner Mist. Da ist 2018 gerade mal sechs Wochen alt, schon sind die ersten guten Vorsätze auf der Strecke geblieben. Für Sport, auch unregelmäßig, hat irgendwie das Wetter nicht recht getaugt, der Abstinenz-Plan liegt längst unter Bierkästen begraben und für weniger Stress war bis jetzt schlicht keine Zeit. Und was haben wir uns stets gesagt bislang? Dass morgen ja auch noch ein Tag ist. Dass im Februar ganz viele weitere kommen. Und erst im März …

Dabei schaut die nächste große Herausforderung quasi schon ums Eck. Bei Nachbars bereiten sie sich akribisch auf die Fastenzeit vor, unter Freunden und Kollegen predigen ebenfalls viele nicht nur Verzicht, sie halten sich, wie man hört, sogar daran. Bestenfalls 40 Tage lang. Und wir? Wir haben noch nicht mal damit angefangen, uns generell ein bisschen gesünder zu ernähren. Wie soll es bei so viel Druck mit dem Vorsatz von mehr Optimismus und besserer Laune klappen?

Vielleicht haben wir ja einfach nur den üblichsten aller Fehler begangen und die Latte – wie schon in all den Jahren zuvor – wieder ein bisschen sehr hoch gelegt. Hoch genug jedenfalls, um hinterher wieder ein ganz schlechtes Versager-Gewissen zu haben. Einfach so mit dem Rauchen aufzuhören klappt nun mal nicht bei jedem im ersten Versuch. Abnehmen genauso wenig. Zehn Kilo in vier Wochen hören sich verdammt gut an; dummerweise raubt einem die Waage schon nach kürzester Zeit diese Illusion.

Warum bloß stets die hehren Ziele und dann grandios scheitern? Womöglich ist es anders herum klüger. Etwas weniger ambitioniert zu Werke gehen und dafür öfter mal erfolgreich. Die ganz persönliche Politik der kleinen Schritte. Sich auch mal freuen, wenn was nicht perfekt geraten ist, aber wenigstens gut. Sich überhaupt freuen. Selbst über Kleinigkeiten.

Eventuell wäre das auch mal der richtige Ansatz für die Fastenzeit. Schon klar: Maskerade, Spektakel, Ausgelassenheit – alles vorbei am Aschermittwoch. Auch Kölsch, Krapfen und Kamellen. Aber was unmittelbar danach folgt, muss nicht unbedingt nichts sein, schon etwas weniger kann als Erfolg gelten. Jedenfalls dann, wenn man sich redlich bemüht. Bloß Dingen zu entsagen, die man sowieso nicht mag, wäre dann doch ein bisschen wenig.

Also keine rituelle Askese, sondern einfach mal ein bisschen echter Verzicht. Und Möglichkeiten gibt es reichlich, weil so vieles über die Jahre zur Gewohnheit oder gar zum Laster geworden sein kann: Alkohol vielleicht, Süßigkeiten, Bewegungsmangel, Internet, Fernsehen oder Autofahren. Es lassen sich im Dutzend Dinge finden, bei denen nicht ganz so viel kein Schaden wäre. Und es müssen ja noch nicht exakt die 40 Tage sein, die Jesus nach der Überlieferung fastend in der Wüste verbracht hat. Aber mehr als nur ein paar Stunden Enthaltsamkeit könnte man sich ja mal vornehmen.

Den nicht ganz so Fast-Festen sei Schlaues aus alten Tagen anempfohlen. Denn wie stets bei strengen Regeln sind vor allem die Ausnahmen interessant. Schließlich war schon immer das Fleisch meist schwächer als der Geist willig. Vor allem Benediktinermönche galten als besonders kreativ. Getreu der Regel "Flüssiges bricht das Fasten nicht" brauten sie kurzerhand süffiges Starkbier, mit dem sie sich über die Zeit der Entbehrung hinwegtrösteten.

Manchmal hilft eben auch ein kleiner Trick . . .


 

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
09. 02. 2018
12:00 Uhr

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Benediktinermönche Fasten Fastenzeit Mit dem Rauchen aufhören
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09. 02. 2018
12:00 Uhr



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