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Ab in die Pedale

200 Jahre Fahrrad? Da ist ein Ausflug einfach Pflicht. Und wer auf sich hält, macht ihn ohne Elektro-Doping.



 

Wie wir es auch drehen und wenden – an Treten und Lenken kommen wir dieser Tage einfach nicht vorbei. Ein paar flotte Pedalumwälzungen wenigstens müssen sein. Als kleine Hommage an Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn. Hätte der wackere Forstmeister aus dem Badischen sich nicht vor genau 200 Jahren mit seiner Draisine öffentlich zum Gespött gemacht – womöglich gäbe es bis zum heutigen Tag kein Mountainbike, kein Holland-Rad und auch keine superschnittigen Zeitfahr-Maschinen aus Carbon. Wer weiß, worauf wir stattdessen überhaupt unterwegs wären?

So aber bleibt uns der 12. Juni 1817 im Gedächtnis. Der Freiherr setzte sich auf ein selbst gebautes Gefährt mit zwei Rädern und lief – wahlweise: rollte – von Mannheim zum etwa sieben Kilometer entfernten Schwetzinger Relaishaus und wieder zurück. Knapp eine Stunde brauchte er für die Strecke – ein Schnitt von etwa 15 Stundenkilometern. Damit war er schneller unterwegs als die Postkutsche.

Heißt für uns: Ab in den Sattel und feste treten. Genau: Denn wer auf seine Pedal-Ritter-Ehre hält, sorgt immer noch selbst für Vortrieb. Auch wenn das unterstützte Fahren im Trend liegt – oder genauer: fährt. Und natürlich könnte man ein bisschen elektrische Hilfe gerade da besonders gut gebrauchen, wo Ungeübten traditionell die Puste ausgeht: am Berg. Dort also, wo die Waden brennen und die Lunge pfeift. Aber nix da mit dem neumodischen Kram: Wir bewahren Sportsgeist und lassen die mit dem kurbelnden Mittelmotor gönnerhaft vorbeiziehen. Dafür dürfen wir am Ende auch mit Recht stolz sein, weil wir unsere Tour eben ganz alleine geschafft haben. Ganz ohne Strom-Doping.

Der große Vorteil eigenen Schaffens: Radfahren kurbelt nicht nur den Kreislauf an und strafft Beine, Po und ein klitzekleines bisschen auch den Bauch – es verbindet obendrein das Gefühl von Freiheit mit frischer Luft und der Freude an Geschwindigkeit. Bereits zehn Minuten sind gesund, sagen die Experten. Schon die Mini-Tour zum Bäcker lohnt sich also. Der große Vorteil längerer Ausflüge: Man sieht deutlich mehr von der Umgebung als beim gemütlichen Spaziergang. Selbst Hobbyfahrer schaffen bei gemütlichem Tempo locker 30 oder 40 Kilometer. Und: Läufer oder Schwimmer müssen ständig in Bewegung bleiben, sonst hapert’s am Vorwärtskommen. Auf dem Rad dagegen kann man es auch einfach mal gemütlich rollen lassen.

Oder auch ganz wild. Beim Downhill zum Beispiel. Klingt nach einfachem Bergab-Düsen, ist aber harter Sport. Und nicht ganz ungefährlich. Überall lauern lose Steine, Bodenwellen, Wurzeln oder Stufen. Ein ganz schmaler Grat zwischen flotter Fahrt und bösem Sturz. Ohne Fitness und ein gutes Stück Erfahrung nicht wirklich gut zu schaffen. Nicht ohne Grund trägt man außer Helm noch Nackenstütze, Brille, Handschuhe und spezielle Schützer für Ellbogen, Knie und Schienbeine. Mindestens. Hilfreich ist es auch, den alten Grundsatz zu beherzigen, wonach man sich dem Grenzbereich besser von unten nähert.

Klüger ist es für Rad-Novizen ganz sicher, sich eher langsam an Fahrten im Gelände heranzutasten. Denn schon eine gepflegte Mountainbike-Tour auf verschlungenen Pfaden geht gehörig an die Muskeln. Aber auch an die Konzentration. Gerade beim schnellen Wechsel von steilen Anstiegen und anspruchsvollen Abfahrten. So mancher ist nach einem Nachmittag abseits des Asphalts wieder reumütig auf Straße oder Radweg zurückgekehrt.

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
08. 06. 2017
17:45 Uhr

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