Topthemen: Der NSU-ProzessMobilität und EnergieGebietsreformFußball-Tabellen

 

«Marathon ist harte Arbeit»: Ärzte warnen Untrainierte

In Werbefilmen sieht es so einfach aus: Den Laufschuh geschnürt und drauflos gerannt. Einen Marathon sollte man jedoch nicht so locker angehen, mahnen Experten zum Auftakt der Saison.



Marathon-Läufer
Marathonläufer sollten sich gut vorbereiten und einen Gesundheitscheck machen. Andernfalls wird das Knochen- und Muskelsystems schnell überbeansprucht. Foto: Christoph Schmidt/dpa  

Alle Jahre wieder: Mit dem Frühling kommt der Bewegungsdrang - und die nächste Marathonsaison. In Deutschland schlüpft mittlerweile jeder Dritte in die Laufschuhe. Zehntausende laufen bei den rund 200 Marathonveranstaltungen im Land mit.

Zum Topevent in New York, dem Traumziel vieler Langstreckler, melden sich regelmäßig 50 000 Läufer an. Doch sowohl im Laufland USA, wo mehr als eine halbe Million Menschen pro Jahr Marathon laufen, als auch in Deutschland warnen Mediziner vor Schäden, die durch unzureichendes Training drohen können.

Nun legten Ärzte der Yale Universität (US-Bundesstaat Connecticut) eine Studie vor, wonach bei vier von fünf Läufern nach dem Hartford Marathon (US-Bundesstaat Connecticut) von 2015 Anzeichen für sogenanntes Akutes Nierenversagen diagnostiziert wurden. Blut und Urin, vor und nach dem Lauf verglichen, hatten hinterher erhöhte Kreatinin- und Proteinwerte aufgewiesen. Allerdings erholten sich die Nieren innerhalb von zwei Tagen komplett wieder.

«Die Niere reagiert auf den physischen Stress durch den Marathonlauf genauso, als ob sie verletzt sei - ähnlich wie bei Krankenhauspatienten, deren Niere durch Medikamenten- oder Operations-Komplikationen beeinträchtigt ist», erläutert Chirag Parikh, Hauptautor der im «American Journal of Kidney Diseases» veröffentlichten Studie. Dies müsse weiter untersucht werden.

Den Sportmediziner Thorsten Schiffer überrascht das Ergebnis nicht. «Jedes Organ im Körper, das dauerhaft hoch belastet wird, zeigt Anpassungserscheinungen - das gilt für die Niere ebenso wie für das Herz oder die Muskeln», betont der Leiter der Ambulanz für Sporttraumatologie der Deutschen Sporthochschule in Köln. «Das ist per se aber nichts Gefährliches, solange die Läufer gut vorbereitet sind und keine Vorerkrankungen bestehen.» Problematisch werde es möglicherweise dann, wenn Marathonläufer vorsorglich größere Mengen Schmerzmittel wie Ibuprofen einnähmen - denn diese schädigen die Nieren zusätzlich.

Grundsätzlich biete Langstreckenlauf sehr viele gesundheitliche Vorteile, betont Schiffer. «Der Mensch ist aus evolutionsbiologischer Sicht wie kaum eine andere Spezies zum Langstreckenlauf prädestiniert. Nicht umsonst heißt es: Wer lange läuft, lebt lange. Man muss es aber richtig angehen.» So sei ein Gesundheitscheck vorab wichtig, ebenso ein langfristig angelegtes, professionelles Trainingsprogramm - am besten an der Seite eines Lauftrainers. «Marathonlauf ist kein Spaß, sondern ernsthafte Arbeit.»

Die meisten Verletzungen stammten daher, dass Neu- oder Wiedereinsteiger ihre Kräfte überschätzten, sich unstrukturiert oder schlicht zu wenig vorbereiteten. Einen Unterschied zwischen Männer und Frauen, jüngeren und älteren Läufern stellte Schiffer dabei nicht fest.

Was kann den Drauflos-Läufern blühen? Vor allem Überlastungen des Knochen- und Muskelsystems an den Beinen und Füßen - von simplen Blasen über Sehnenreizungen bis zu Ermüdungsbrüchen. Auch das Herz-Kreislaufsystem kommt an Belastungsgrenzen. Im schlimmsten - und sehr seltenen - Fall kann das zu Herzinfarkt oder plötzlichem Herztod führen, etwa wenn ein unerkannter Herzfehler oder eine Arteriosklerose vorlag, und sich durch den erhöhten Blutdurchlauf Arterienkalk ablöste. Auch Störungen im Elektrolythaushalt bereiten häufiger Probleme.

Schwierigkeiten haben jedoch manchmal auch Spitzensportler, die es übertreiben. «Zu mir kam ein Triathlet, der auf Marathon umsatteln wollte, mit einen Ermüdungsbruch am Schenkelhals. Warum? Er machte morgens und abends einen 30 Kilometerlauf», berichtet der Sportmediziner.

Großer Ehrgeiz kann auch langfristig trainierenden Hobbyläufern gefährlich werden - wenn sie kurz vor dem Lauf eine Infektion bekommen, die sich aufs Herz verlagern könnte.

Viele Orthopäden raten beim Marathon zum Motto «Der Weg dahin ist das Ziel», sprich: Die Vorbereitung auf den Lauf ist gesünder als der Marathon selbst. Auch Schiffer sieht das so und freut sich über einen gewissen Trend hin zu kürzeren Langstrecken: «Der gesundheitliche Nutzen des Trainings ist dabei genauso groß.»

Veröffentlicht am:
05. 05. 2017
04:55 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Gesundheitsgefahren Marathonlauf Sportmediziner Werbefilme
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Ingalena Schömburg-Heuck

18.04.2018

Richtig trainieren für den Marathon

Einmal einen Marathon laufen - für viele ein großes Ziel. Aber wie bereitet man sich am besten darauf vor? Wann sollte man anfangen zu trainieren? Für wen ist ein Marathon überhaupt geeignet? Und ist das eigentlich gesun... » mehr

Spaziergang im Grünen

07.09.2018

Mit kleinen Tricks den Stress meistern

Stress ist eine der größten Gesundheitsgefahren. Doch wodurch entsteht er, und wie lässt er sich verringern? Ein wichtiger Schritt ist, seine Einstellungen zu ändern. » mehr

Jogger

04.05.2018

Zu viel Sport an der Leistungsgrenze könnte dem Herz schaden

Zu intensiver Sport kann ungesund sein. Laut einer Studie weisen besonders männliche Athleten oft Herzschäden auf. Möglicher Grund ist eine Überlastung des Organs. » mehr

Joggerin

01.12.2017

Sportler ab 50 sollten besonders auf ihren Kreislauf achten

Auch wer über 50 Jahre alt ist, sollte sich mit Sport fit halten. Jedoch gibt es für Menschen im mittleren Alter größere Risiken - etwa ein Überforderung des Herz-Kreislauf-Systems. Wichtig sind daher regelmäßige Belastu... » mehr

EMS-Training

07.02.2018

Mit EMS maximal zweimal pro Woche trainieren

Für Menschen mit wenig Zeit bietet die Elektro-Muskel-Stimulation einen wichtigen Vorteil. Denn das Training ist enorm effektiv. Mehr als zwei Einheiten pro Woche können jedoch der Gesundheit schaden. » mehr

Ein paar blaue Flecken

24.05.2017

Poledance sorgt für durchtrainierte Figur

Beim Poledance denken viele an Stripperinnen in Nachtclubs. Dabei hat sich die Stange längst als Trainingsgerät etabliert. Wer mit Polesport beginnen möchte, kräftigt vorher am besten seine Arme - und allzu zimperlich so... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
05. 05. 2017
04:55 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".