Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Viele Regeln, wenig Kilos? Was hinter Trennkost steckt

Obwohl das über 100 Jahre alte Trennkost-Konzept mit Low Carb, Paleo und Clean Eating konkurriert, erfreut es sich immer noch einer breiten Anhängerschaft. Liegt das am Erfolg?



Eine Frau und ein Mann kochen
Obwohl das über 100 Jahre alte Trennkost-Konzept mit Low Carb, Paleo und Clean Eating konkurriert, erfreut es sich immer noch einer breiten Anhängerschaft. Foto: Rainer Berg  

Bei der Trennkost ist der Name Programm: Strikte Trennung ist der Kern des Konzepts. Es wurde vom US-amerikanischen Mediziner William Howard Hay entwickelt. Er teilte Nahrungsmittel in eiweißbasierte, kohlenhydratbasierte und neutrale Speisen.

Oberstes Gebot ist die Trennung von überwiegend kohlenhydrathaltigen und überwiegend eiweißhaltigen Lebensmitteln innerhalb einer Mahlzeit. Morgens und abends stehen Kohlenhydrate und mittags Eiweiße auf dem Speiseplan. Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, die viele Proteine und viele Kohlenhydrate enthalten, strich Hay komplett vom Ernährungsplan. Zur neutralen Gruppe gehören sehr fetthaltige Nahrungsmittel und wasserreiches Obst und Gemüse. Sie dürfen entweder mit Eiweißen oder mit Kohlenhydraten kombiniert werden.

Seine Aufteilung begründete er damit, dass der menschliche Körper Eiweiße und Kohlenhydrate zusammen nicht gut genug verdauen könne und schädliche Säuren entstünden, die Gärungsprozesse im Darm hervorriefen. Die Trennkost-Ernährung entgifte und entsäuere den Körper und soll zudem eine heilende Wirkung haben. Der Umkehrschluss, Mischkost begünstige Stoffwechselerkrankungen eher, ist aber nicht haltbar, erklärt Prof. Andreas Pfeiffer, Direktor der Endokrinologie der Charité Berlin. «Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebs werden allen voran durch Übergewicht gefördert.» Ob man Nahrungsmittel zusammen oder getrennt isst, sei dafür völlig egal.

«Ein ausgewogener Säure-Basen-Haushalt ist wichtig», findet Stefan Kabisch vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. «Für seine Steuerung ist allerdings keine Trennkost-Ernährung nötig.» Der Körper sei dazu imstande, Störungen zu regulieren und den pH-Wert des Gewebes und Blutes stabil zu halten. «Dass sich Kohlenhydrate und Eiweiße im Verdauungstrakt negativ beeinflussen, wurde wissenschaftlich längst widerlegt», bemerkt Pfeiffer.

Nichtsdestotrotz purzeln bei vielen Menschen durch die Umstellung auf Trennkost überschüssige Pfunde. Pfeiffer führt das auf die konkrete Auseinandersetzung mit der eigenen Ernährungsweise zurück. Ein «In-sich-hineinfuttern» sei nicht möglich. «Die gemüsebetonte, basische Kost, kombiniert mit vollwertigen Lebensmitteln ist definitiv ein Pluspunkt des Konzepts», bestätigt Heike Dethardt vom Verband der Diätassistenten - Deutscher Bundesverband. Dennoch rät sie aus ernährungsphysiologischer Sicht von einem langfristigen, strikten Einhalten der Hayschen Trennkost ab. Vor allem, weil unzählige Lebensmittel beide Stoffe in etwa gleicher Menge enthalten und eine völlige Trennung im Alltag daher sehr schwierig sei. «Zudem könnte aufgrund der reduzierten Eiweißaufnahme ein Mangel an Kalzium, bestimmten B-Vitaminen und Aminosäuren auftreten», sagt Kabisch.

Dass das Trennkost-Konzept lediglich vorgibt, wann man welche Nahrungsmittel zu sich nehmen soll, die Menge jedoch völlig außer Acht lässt, sieht er sehr kritisch: «Die Gewichtsreduktion liegt nicht an der Nahrungszusammensetzung, sondern an ihrer Menge.» Entscheidend sei die Bilanz zwischen Kalorienaufnahme und -verbrauch.

Den anhaltenden Erfolg des Trennkost-Konzepts spricht Dethardt seinem stringenten Leitfaden zu: «Besonders Menschen mit undiszipliniertem Essverhalten brauchen eine strukturierte Anleitung, an der sie sich jeden Tag entlang hangeln können.» Wer sich aber grundsätzlich kalorien- und fettbewusst ernährt, wenig Fleisch, dafür viel Obst und Gemüse zu sich nimmt, könne seinen gesundheitlichen Zustand auch ohne Trennkost positiv beeinflussen.

Veröffentlicht am:
10. 02. 2017
05:10 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Diät Kohlenhydrate Trennkost
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Eiweiß für Sportler

08.11.2019

Was bewirkt der Nachbrenneffekt?

Beim Sport werden meist jede Menge Kalorien verbrannt. Doch auch hinterher ist der Energiebedarf noch einige Zeit erhöht. Was es mit dem Nachbrenneffekt auf sich hat. » mehr

Mann beim Fitnesstraining

09.10.2019

Mit diesen 5 Tipps bleiben Sie dauerhaft schlank

Überflüssige Pfunde braucht sich niemand abzuhungern. Denn am besten klappt es mit dem Abnehmen, wenn der Stoffwechsel auf Hochtouren läuft. Was Sie dafür tun müssen. » mehr

Innere Uhr

28.08.2019

Warum Sie im Takt mit der inneren Uhr essen sollten

Morgens essen wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettler - so lautet ein Sprichwort. Aber hilft diese Regel wirklich? Welche Nahrung braucht der Körper über den Tag verteilt? » mehr

Erfolgreich abnehmen

21.02.2018

Low-Fat-Diät genauso gut wie Low-Carb-Diät

uf welche Weise nehme ich am besten ab? Und entscheiden meine Gene mit über den Diäterfolg? Eine Studie gibt Antworten - und wirft neue Fragen auf. » mehr

Essen mit Genuss

03.01.2018

Die neue Freiheit auf dem Teller - Essen ohne Regeln?

Nach dem Schlemmen an den Feiertagen nehmen sich manche für das neue Jahr Besserung vor. Sie zählen Kalorien oder meiden je nach Überzeugung Kohlenhydrate oder Fett. Es gibt aber Stimmen, die für mehr Verlass auf die Int... » mehr

Weizenvollkorn-Brote

30.01.2019

Woher kommt die Angst vor Weizen?

Was macht ein Weizenbrot zum guten Weizenbrot? Forscher der Universität Hohenheim sowie Bäcker und Müller wollen das herausfinden - während andere es lieber ganz von ihrer Einkaufsliste verbannen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
10. 02. 2017
05:10 Uhr



^