Lade Login-Box.
Corona Newsletter
Topthemen: Coronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf Instagram

 

Ist die Angst vor dem neuen Coronavirus berechtigt?

China stellt Millionenstädte unter Quarantäne, Anrainerstaaten riegeln ihre Grenzen ab. Gleichzeitig scheint das neue Coronavirus kaum schlimmer als die Grippe. Wie passt das zusammen?



Angst vor dem Coronavirus
Ein Mitarbeiter desinfiziert einen Zug in der im Bahnhof der Hauptstadt der Provinz Gansu.   Foto: Chen Bin/XinHua/dpa

Die Grippe in Deutschland ist eine tödliche Seuche. Mehrere Zehntausend Tote und mehrere Millionen Erkrankte kann es nach Schätzungen bei heftigen Wellen geben. Daneben wirkt das neue Coronavirus schon fast harmlos. Trotzdem ist die Welt in Aufregung, drastische Maßnahmen sind die Folge. Dem liegen begründete Sorgen zugrunde - aber auch Emotionen.

Experten hätten am liebsten, dass das neue Virus wieder völlig verschwindet. Sie wollen mit allen zur Verfügung stehen Maßnahmen verhindern, dass ein neuer, für einige Patienten tödlicher Erreger sich in der Weltbevölkerung einnistet. Auch nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts ist es entscheidend, zu verhindern, dass das Virus sich in den Menschen festsetzt. Ansonsten gebe es dauerhaft ein weiteres Virus, das schwere Atemwegserkrankungen verursachen könne, sagt eine Sprecherin.

Hinzu kommt, dass das Virus neu ist und noch nicht ausführlich erforscht. «Solange man eben nicht abschließend etwas weiß über ein solches Virus, ist immer größtmögliche Vorsicht angesagt», sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag im ARD-Morgenmagazin mit Blick auf Bilder von Klinikpersonal in Sicherheitsanzügen.

Die Maßnahmen zur Eindämmung - China riegelt Millionenstädte ab, Staaten schließen Grenzen, Infizierte werden isoliert - zielten darauf ab, möglichst viele weitere Krankheitsfälle zu verhindern, sagt Bernd Salzberger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. Es gehe auch darum, Zeit zu gewinnen: «Je langsamer das geht, umso mehr wissen wir über Gegenmaßnahmen wie zum Beispiel antivirale Medikamente - die in China auch eingesetzt werden - und schaffen vielleicht auch die Entwicklung einer Impfung.»

Neben diesen wissenschaftlichen Gründen, gibt es bei den Sorgen auch eine emotionale Komponente. Die Bilder aus China, wo das neue Coronavirus zuerst aufgetreten ist, wirken drastisch. Städte sind wie leer gefegt, Millionen Menschen von der Außenwelt abgeschottet. Dass man nur wenig über das Virus wisse und zudem Menschen gestorben seien, begünstige eine hohe Risikowahrnehmung, sagt Michael Siegrist, Experte für Risikowahrnehmung an der ETH Zürich.

Der psychologische Effekt durch Angst und die Wahrnehmung von Bedrohung sei nicht zu unterschätzten - das gelte auch für Behörden, ergänzt Sonia Lippke, Gesundheitspsychologin an der Jacobs University Bremen. Die chinesischen Behörden scheinen Lippke zufolge Bedenken zu haben, dass die Bevölkerung das Vertrauen verliert - und dass andere Länder die chinesische Regierung für inkompetent halten. So komme es zu Maßnahmen, die «in Deutschland nicht üblich wären». Die WHO hatte die Reaktion Chinas auf das Virus ausdrücklich gelobt.

Bislang haben sich mehr als 17 000 Menschen mit dem neuen Virus infiziert. Die allermeisten davon in China. Mehr als 360 sind gestorben. Was macht das mit den Menschen? «Die Zunahme der Fälle, vor allem in China, wirkt erst einmal so, als ob die Situation nicht unter Kontrolle ist», sagt Infektiologe Salzberger. Man hat etwas nicht unter Kontrolle - vielen Menschen macht diese Vorstellung Angst.

Zugleich wirkten sich die Bilder aus dem abgeriegelten Wuhan aus, sagt der Göttinger Angstforscher Professor Borwin Bandelow. Die Menschen sagten sich: «Die machen das ja nicht ohne Grund». Dabei kann Angst entstehen, die aber nicht begründet sein muss. Bandelow sagt: «Angst ist nicht gut in Statistik.»

Um die Grippe wird im Allgemeinen weniger Gewese gemacht als um das Coronavirus. «Daran haben wir uns gewöhnt», erklärt Salzberger. Bandelow sagt: «Die meisten Menschen kriegen eine Grippe und wissen, dass sie nach 14 Tagen vorbei ist. Sie denken nicht daran, dass man an der Grippe sterben kann.»

Veröffentlicht am:
03. 02. 2020
12:08 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesgesundheitsminister CDU Chinesische Behörden Chinesische Regierungen Epidemien Infektiologen Infektionskrankheiten Infektionspatienten Jacobs University Jens Spahn Kranke Krankheitserreger Patienten Robert-Koch-Institut Weltgesundheitsorganisation Ärzte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Kampf gegen den Coronavirus

18.03.2020

Wie lange könnte der Ausnahmezustand noch andauern?

Der Coronavirus schafft eine Situation, in der so einige Selbstverständlichkeiten ins Wanken geraten. Wie lang müssen Menschen in Deutschland mit den Einschränkungen leben? » mehr

Symptome bei Covid-19

26.03.2020

Was über die Symptome von Covid-19 bekannt ist

Der große Teil der Infizierten spürt nichts oder nur wenig. Andere Betroffene sterben. Beim neuen Coronavirus variieren die Krankheitsverläufe stark. Über Anhaltspunkte und Warnsignale. » mehr

Coronavirus

12.03.2020

Warum das Ausbreitungstempo bei Corona so entscheidend ist

Im Kampf gegen das Coronavirus drückt die Politik aufs Tempo. Veranstaltungen werden untersagt, Fußballfans ausgeschlossen und Schulen gesperrt. Zu viel des Guten? Keineswegs, sagen Experten. » mehr

Röhrchen für einen Test auf das Virus SARS-CoV-2

04.03.2020

Wichtige Informationen zum Coronavirus

Die Zahl der Infektionen mit dem neuen Coronavirus steigt, fast alle Bundesländer haben inzwischen Nachweise gemeldet. » mehr

Krankenhäuser rüsten sich für Corona-Krise

16.03.2020

Was die Corona-Pandemie für deutsche Krankenhäuser bedeutet

Das Coronavirus stellt die Gesundheitssysteme vieler Länder auf den Prüfstand. Krankenhäuser im Norden Italiens arbeiten an den Grenzen ihrer Kapazität. Was bedeutet die Pandemie für deutsche Kliniken? » mehr

Coronavirus

13.03.2020

Wuhan-Shake und Ebola-Gruß - Virus ändert Etikette

«Gib schön die Hand» - das war der ungeliebte Spruch der Erwachsenen, und man hasste es als Kind: Mancher drückte zu fest, andere fühlten sich eklig an. Jetzt ist der Händedruck offiziell ausgesetzt. Das Coronavirus hat ... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
03. 02. 2020
12:08 Uhr



^