Lade Login-Box.
Gemeinsam handeln zum Digital-Abo
Topthemen: #GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilft

 

Die richtigen Schuhe fürs Joggen

Wer ein bisschen durch den Park rennen möchte, braucht nicht viel. Doch dieser eine Ausrüstungsgegenstand muss passen. Warum Laufschuhe so wichtig sind und wie man das perfekte Paar findet.



Alles eine Frage des Werkzeugs
Wer regelmäßig joggen geht, braucht richtige Laufschuhe.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn » zu den Bildern

Frische Luft und Bewegung: Diese Kombination reizt viele Menschen am Laufen. Damit die Muskeln und Sehnen eine Joggingrunde gut überstehen, spielt das Schuhwerk eine zentrale Rolle. Anders gesagt: Ohne Laufschuhe läuft nichts. Warum das so ist und worauf es bei den Modellen ankommt:

Reicht für den Start nicht der alte Hallenschuh?

Nein. «Ein Hallenschuh ist sicher nicht geeignet, um einen etwa auf Waldboden weit zu tragen», erklärt der Orthopäde Patrik Reize. Beim Laufen würden andere Fußteile belastet als bei anderen Sportarten - und müssten entsprechend gedämpft und stabilisiert werden.

Sonst drohen Probleme, etwa im Vorfußbereich, an der Achillessehne oder in den Knien. Gerade im Frühjahr, wenn viele Menschen wieder mit dem Laufen anfangen, kommen immer wieder Läufer mit Beschwerden zu Reize und seinem Team ins Klinikum Stuttgart und klagen etwa über Rückenschmerzen. «Oft sind sie untrainiert oder probieren es mit irgendwelchen ungeeigneten Schuhen», erzählt der Mediziner.

Auch Urs Weber vom Fachmagazin «Runner's World» betont: «Der Schuh ist für Läufer der wichtigste Ausrüstungsgegenstand.» Er verdeutlicht das mit einem Vergleich: «Ich kann auch mit einem Tennisschuh Fußball spielen, aber mit einem Fußballschuh geht es deutlich besser.»

Worauf kommt es bei der Auswahl an?

Sprengung, Härtegrad, Dämpfung. Rund um das Schuhwerk kursieren etliche Fachbegriffe. Doch gerade Einsteiger sollten sich von denen nicht beirren lassen, rät Weber. Am besten gehe man «unbescholten und mit viel Gefühl» an die Sache heran. Am wichtigsten ist, dass die Schuhe richtig sitzen. «Das spürt man am Fuß», sagt Weber. Technische Eigenschaften und Ausstattung kommen danach.

Wichtig ist, sich selbst und seine Ansprüche zu kennen: Das eigene Gewicht, der Trainingsgrad (Anfänger, Fortgeschrittener oder ambitionierter Läufer), der Untergrund, auf dem man läuft (harter Fußweg oder weicher Waldboden), die Länge der Laufstrecke und eventuelle Fehlstellungen des Fußes - diese Faktoren spielen bei der Wahl des Schuhes eine wichtige Rolle, erklärt Reize.

Beispiel Laufstrecke: «Bei längeren Strecken brauche ich mehr Unterstützung durch den Schuh», sagt Reize. Dann kommt es auf die Stabilität und die Dämpfung an. Wer schon geübt ist, kann sich auf kurzen Strecken dagegen auch einen ganz flexiblen Schuh suchen, um etwa die Muskeln und Sehnen im Fußbereich mehr zu fordern und zu trainieren, erklärt der Experte.

Laufanfänger sollten aus seiner Sicht eher auf mehr Unterstützung durch den Schuh setzen. Sobald sich Muskeln, Bänder und Knochen an die neue Belastung gewöhnt haben, könne man das reduzieren - das sei vom Laufstil und Leistungsvermögen abhängig.

Welche Rolle spielt der Laufstil?

Die meisten Menschen sind Fersenläufer, sagt Urs Weber. Das heißt: Sie landen nach jedem Laufschritt mit dem Fersenaufsatzpunkt zuerst und rollen mit dem ganzen Fuß ab. «Aus der Erfahrung heraus brauchen diese Läufer relativ gut gedämpfte Schuhe.»

Es gibt noch zwei weitere Lauftypen: Vorfußläufer und Mittelfußläufer. Weber betont jedoch: «Es gibt kein Ideal, dass man anstreben sollte. Jeder läuft halt so, wie es im angeboren wurde, es gibt kein Richtig oder Falsch.» Es konnte seinen Angaben nach bislang auch noch nicht biomechanisch nachgewiesen werden, dass ein Laufstil verletzungsanfälliger oder generell schlechter sei als ein anderer.

Lohnt sich eine Laufberatung im Laden?

Viele Fachgeschäfte bieten das an. Weber würde das grundsätzlich immer empfehlen. Die Menge an einfachen Laufschuhen sei sehr groß, sagt er. «Es ist schwierig, sich da zu orientieren und das passende Modell zu finden. Vor allem als Laufanfänger.»

Welche Trends gibt es aktuell?

Längere Zeit war das Schlagwort «Natural Running» in aller Munde: also möglichst keine Dämpfung und wenig Unterstützung für den Fuß, hohe Flexibilität, Barfußlaufen mit Sohle quasi. Inzwischen sei das Pendel aber zurückgeschlagen, beobachtet Weber. Im Trend seien wieder die «gut gedämpften, superkomfortablen Laufschuhe».

Wie lange hält ein Laufschuh?

Das hängt stark von der Nutzerin oder dem Nutzer ab, wie Weber erläutert. «Es macht einen großen Unterschied, ob es sich um eine 50 Kilogramm schwere Läuferin mit perfektem Laufstil handelt oder einen 100 Kilogramm schweren Läufer mit einem biomechanisch aufwendigen Laufstil», führt der Experte aus.

Allgemein habe die Lebensdauer der Schuhe in den vergangenen Jahren zugenommen. Gerade das Mittelsohlenmaterial sei viel besser geworden. Dennoch härtet es mit der Zeit aus und verliert an Elastizität. Damit lässt die Leistung des Schuhs nach, der Körper wird beim Laufen mehr gefordert. «Das merkt man nicht», sagt Weber. Was auch daran liegt, dass dieser Verschleiß sich eben nicht offensichtlich zeigt - zum Beispiel durch Löcher im Schuh.

Der Experte rät, einen acht bis zehn Jahre alten Laufschuh lieber auszutauschen oder nur noch im Alltag zu nutzen. Aber nicht mehr zum Joggen im Park oder auf der Laufbahn.

Zu den Personen:

Patrik Reize ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Stuttgart. Urs Weber ist Redakteur bei «Runner's World» und hat mehrere Bücher übers Laufen geschrieben.

Veröffentlicht am:
29. 01. 2020
10:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bänder Krankenhäuser und Kliniken Orthopädie Orthopädinnen und Orthopäden Orthopädische Kliniken Schuhe Tennisschuhe Unfallchirurgie Verschleiß Ärztliche Direktoren
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Bernd Kladny

17.07.2019

Gibt es das ideale Kopfkissen?

Nachts tanken wir Kraft für den nächsten Tag. Doch das gelingt nur, wenn Körper und Geist wirklich zur Ruhe kommen. Und dafür braucht es ein gutes Kissen. Das zu finden, ist gar nicht so schwer - wenn man auf seinen Körp... » mehr

Schwierige Diagnose

28.02.2019

Wenn die Krankheit keiner kennt

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland vier Millionen Menschen unter einer seltenen Krankheit. Ärzte sind oft überfordert und stellen falsche Diagnosen. Auch Ursula Heinisch-Teike musste jahrelang warten. » mehr

Harald Gündel

22.01.2020

So beugen Sie dem Hexenschuss vor

Der Schmerz sticht ins Kreuz, an jede weitere Bewegung ist nicht zu denken: Ein Hexenschuss ist oft sehr schmerzhaft, aber meist nicht gefährlich. Wer das Problem öfter hat, muss jedoch zum Arzt. » mehr

Krankenhaus

22.04.2020

Ärzte sind über fehlende Patienten besorgt

Die Krankenhäuser sollen wieder in den Regelbetrieb wechseln, aber werden auch die Patienten kommen? Mediziner sind alarmiert, weil auch schwer kranke Menschen mit akutem Behandlungsbedarf fernbleiben. » mehr

Beatmungsmaschine auf einer Intensivstation

17.04.2020

Das Für und Wider der Beatmungstherapie

Beatmungsgeräte gelten in der Corona-Krise als essenziell für die Behandlung von Patienten. Gleichzeitig birgt die Therapieform eine Reihe von Nebenwirkungen. Was bedeutet das für Patienten und Ärzte? » mehr

Joachim Hüttmann

08.04.2020

Wissenswertes rund um die Weisheitszähne

Nicht immer machen Weisheitszähne Probleme - doch wenn Ärger droht, reagiert man besser früh. Wie entscheidet der Arzt, ob ein Weisheitszahn raus muss? Und warum gibt es die Störenfriede überhaupt? » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
29. 01. 2020
10:32 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.