Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

«Magic Mushrooms» als nächstes großes Geschäft?

Erst Cannabis, jetzt «Magic Mushrooms»: Psychedelische Pilze werden bei manchen Investoren schon als nächstes großes Ding gehandelt. Von einer Legalisierung sind die USA weit entfernt, doch erste Schritte zu laxeren Regeln sind gemacht. Es gibt indes auch warnende Stimmen.



Halluzinogene Pilze
Psychedelische Pilze werden bei manchen Investoren schon als nächstes großes Ding gehandelt.   Foto: Georg Müller/Pilzepilze.de/dpa

Achtung, jetzt wirds psychedelisch: Nachdem die Legalisierung von Cannabis in Nordamerika bereits weit fortgeschritten ist, könnte mit «Magic Mushrooms» eine weitere Droge in Stellung gebracht werden.

Die halluzinogenen Pilze mit dem Wirkstoff Psilocybin sind vor allem als Rauschmittel bekannt, gelten jedoch als große medizinische und therapeutische Hoffnungsträger. Helfen sollen sie laut Fürsprechern etwa bei der Behandlung von Depressionen sowie anderen Stress-Syndromen oder Suchtproblemen.

In den USA gibt es bereits erste Schritte zur Entkriminalisierung. Im Juni stimmte der Stadtrat der kalifornischen Metropole Oakland dafür, die Strafverfolgung von Menschen einzustellen, die psilocybinhaltige Pilze konsumieren oder besitzen. Einen Monat zuvor war dies schon in Colorados Hauptstadt Denver geschehen, die auch eine Vorreiterrolle bei der Legalisierung von Marihuana als Genussmittel hatte. Im Herbst 2020 könnte mit Oregon der erste ganze US-Bundesstaat hinzukommen.

Großanleger mischen mit

Ähnlich wie es bei Cannabis schon lange der Fall ist, wird die Entwicklung inzwischen auch am Kapitalmarkt genauestens verfolgt. Einige Großanleger wie der in Frankfurt geborene US-Tech-Investor Peter Thiel mischen bereits mit. Thiel - zuletzt häufiger als Unterstützer von US-Präsident Donald Trump in den Schlagzeilen, aber eigentlich bekannt als Paypal-Mitgründer und früher Geldgeber von Facebook - setzt mit dem Start-up Compass Pathways auf Psilocybin.

Das bereits 2016 gegründete und in London ansässige Unternehmen forscht an einer Psilocybin-Therapie für Menschen, die an Depressionen leiden und bei denen herkömmliche Behandlungsmethoden nicht wirken. Compass hat bereits in großem Stil Pillen mit dem Wirkstoff am Start, die in klinischen Studien in Europa und den USA getestet werden. «Wir bauen auf der erheblichen Arbeit auf, die in diesem Bereich bereits gemacht wurde, indem wir Anhaltspunkte bei einer größeren Gruppe von Menschen sammeln», erklärt die Firma.

Fürsprecher von «Magic Mushrooms» verweisen darauf, dass die Droge in bestimmten Kulturkreisen schon seit Jahrhunderten als Heilmittel angewendet wird. Aber gesetzlich haben die Pilze, die Sittenwächtern neben anderen psychedelischen Rauschmitteln wie LSD schon während der Hippiezeit ein Dorn im Auge waren, einen schweren Stand. Seit 1970 sind sie unter dem US-Bundesgesetz verboten. Auch die UN stufen sie als Droge der Kategorie 1 ein - hier wird das Missbrauchspotenzial deutlich höher bewertet als der mögliche medizinische Nutzen.

Nur an wenigen Orten weltweit ist Psilocybin frei erhältlich.

Die in Drogenfragen liberalen Niederlande erlauben zwar keine «Magic Mushrooms», aber sogenannte magische Trüffel, die zwar rein technisch etwas anderes sind, aber den gleichen Wirkstoff enthalten. Das hat zu einer florierenden Tourismus-Nische geführt, die spirituelle Zeremonien und «bewusstseinserweiternde» Events anbietet. Ganz legal sind die Pilze in Jamaika. Psychedelische Trips werden aber auch in Mexiko angeboten, wo «Magic Mushrooms» entkriminalisiert sind.

In den USA stehen die Zeichen zwar nicht auf Legalisierung, aber zumindest auf Lockerung. Die Aufsichtsbehörde FDA genehmigte die Studien von Compass im Oktober 2018. Das Start-up wird nicht nur von Tech-Investor Thiel gestützt, sondern auch von dem einst als Wunderkind der deutschen Investmentszene gefeierten Unternehmer Christian Angermayer und dem US-Hedgefonds-Milliardär Mike Novogratz. Der US-Finanzdienst Bloomberg verkündete bereits im «alternativen Anlageführer» für 2019: «Innovative Investoren werden psychedelisch».

Der Imagewandel der Droge hat gute Gründe. Zum einen stehen psychedelische Drogen nicht mehr symbolisch für Hippie-Exzesse, sie sind bei der Tech-Elite aus dem Silicon Valley angesagt - und die wiederum gilt heute als modern und fortschrittlich. Der legendäre Apple-Chef Steve Jobs etwa soll LSD einst als «eines der wichtigsten Dinge in meinem Leben» bezeichnet haben. Schwerer wiegen dürften indes Erkenntnisse der Wissenschaft. Forscher der New York University und anderer renommierter US-Institutionen kamen in den vergangenen Jahren etwa zu dem Schluss, dass Psilocybin Depressionen von Krebspatienten lindern und bei Tabak- und Alkoholsucht helfen kann.

Parallelen zu Cannabis

Die Parallelen zu Cannabis, das es über einen langen Zeitraum von der Entkriminalisierung zur weitgehenden Legalisierung schaffte, machen Freunden magischer Pilze Hoffnung. Doch verglichen mit Marihuana - das unter dem US-Bundesgesetz im Übrigen noch immer illegal ist - handelt es sich bei Psilocybin um ein deutlich schwereres Kaliber. Einige Experten sehen die Aussicht auf laxere Regulierung daher kritisch. Der Unterschied zwischen Cannabis und psychedelischen Drogen sei in etwa wie der zwischen «konventionellen und nuklearen Waffen», warnte der Psychotherapeut Bruce Tobin gegenüber Bloomberg.

Tobin setzt sich selbst für Psilocybin zu medizinischen Zwecken ein und hat eine entsprechende Sondergenehmigung in Kanada beantragt. Doch dass die Droge einen ähnlichen Weg in Richtung Legalisierung gehen könnte wie Cannabis, bereitet ihm durchaus Sorgen. «Mir ist etwas unbehaglich, dass es so viele Unternehmer in Kanada gibt, die Psilocybin als das nächste große Ding sehen.» Manche Menschen sollten besser überhaupt keine psychedelischen Drogen nehmen, findet Tobin.

Veröffentlicht am:
14. 08. 2019
10:38 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alkoholsucht Apple-Chefs Aufsichtsbehörden Donald Trump Drogen und Rauschgifte FDA Facebook Finanzinvestoren und Anleger Klinische Medizin Klinische Studien New York University Nordamerika Silicon Valley Steve Jobs Unternehmer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Fluorid muss sein

04.11.2019

Ab wie viel Zahnpasta droht Gefahr?

Giftiges Teufelszeug oder heilsamer Karies-Killer: Beim Thema Fluorid gehen die Meinungen weit auseinander. Wie viel sollte der Mensch davon aufnehmen? Und wann ist es zu viel? Ein Faktencheck. » mehr

Tattoo-Entfernung

21.08.2019

Tattoo-Entfernung bald ein echter Luxus?

Der Name vom Ex muss weg oder das Arschgeweih ist peinlich: Es gibt viele Gründe, ein Tattoo entfernen zu lassen. Die Prozedur ist schon jetzt teuer und langwierig. Doch das Entfernen könnte bald zum echten Luxus werden. » mehr

Kind mit Leukämie

15.08.2017

Immunzellen gegen Krebs: Erste Gentherapie vor der Zulassung

In den USA steht die erste Gentherapie zur Behandlung von Krebs vor der Zulassung. Auch in Deutschland dürfte es nicht mehr allzu lange dauern, bis es soweit ist. » mehr

Apple Watch

27.02.2019

Was können Medizin-Wearables?

Die Uhr misst den Puls, das Blutdruck-Messgerät funkt Daten ans Smartphone. Immer mehr vernetzte medizinische Geräte kommen auf den Markt - teils mit konkretem Nutzen, andere mit fantastischen Versprechungen. Aber woran ... » mehr

Partydroge Lachgas

12.08.2019

Wie gefährlich ist die Partydroge Lachgas?

Legal, günstig, vermeintlich ungefährlich - Lachgas gilt als Droge mit vielen Vorzügen. In den Niederlanden nimmt der Konsum zu. Jetzt eröffnete sogar der erste Lachgas-Laden. Doch die Risiken sind groß. » mehr

E-Zigarette Juul

19.12.2018

Umstrittene E-Zigarette Juul kommt nach Deutschland

Juul ist in den USA extrem erfolgreich - und hoch umstritten: Auch unter Schülern ist die E-Zigarette, die an einen USB-Stick erinnert, immens beliebt. Nun kommt sie auf den deutschen Markt. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
14. 08. 2019
10:38 Uhr



^