Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

 

Pfeiffersches Drüsenfieber erfordert Geduld

«Kissing Fever», «Studentenkrankheit» oder Pfeiffersches Drüsenfieber: Die Infektiöse Mononukleose hat im Volksmund viele Namen. Die meisten zielen auf den Ansteckungsweg ab. Mit dem Virus infiziert man sich über den Speichel.



Pfeiffersches Drüsenfieber
Bei Pfeifferschem Drüsenfieber ist Schonung das A und O. Auch wenn die Patienten nicht mehr das Bett hüten müssen, dürfen sie sich keinesfalls überanstrengen.   Foto: Christin Klose

Am Anfang habe es sich angefühlt wie eine Grippe, nur ohne Schnupfen und Husten. Die Hausärztin vermutete eine Sommergrippe. Thomas Fischer bekam Antibiotika, doch die Symptome wurden eher stärker.

Als er nach einer Woche wiederkam, «eigentlich nur zum Kontrolltermin», schickte man ihn sofort ins Krankenhaus. «Weil ich so gelb war, am ganzen Körper.» Die Ärzte dachten an eine Leberentzündung. Doch tatsächlich steckte eine Erkrankung dahinter, von der die meisten wohl schon mal gehört haben, von der aber die wenigsten wissen, was dahintersteckt: Pfeiffersches Drüsenfieber.

Das Drüsenfieber - in der Fachsprache Infektiöse Mononukleose - ist eine Infektionskrankheit, ausgelöst durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) aus der Herpesviren-Familie. Das Virus befällt die für die Immunabwehr wichtigen B-Lymphozyten und bleibt - typisch Herpes - ein Leben lang im Körper.

In Stresssituationen kann es immer wieder aktiv werden. Das ist meist weder sichtbar noch spürbar. Dennoch ist man in dieser Phase für andere ansteckend. Dass das Drüsenfieber auch als «Kissing Fever» oder «Studentenkrankheit» bezeichnet wird, ist insofern kein Zufall. Es wird ausschließlich über Speichel von Mensch zu Mensch übertragen - zum Beispiel beim Küssen.

Neben geschwollenen Lymphknoten zeigt sich das Drüsenfieber häufig durch Fieber, Halsschmerzen, extreme Müdigkeit und einen weißlich-grauen Belag auf den entzündeten Rachenmandeln. Charakteristisch sind auch erhöhte Leberwerte, eine vergrößerte Milz und eine erhöhte Anzahl von Lymphozyten im Blut, ein Zeichen der Immunabwehr.

Weltweit infizieren sich etwa 95 Prozent der Menschen bis zum 30. Lebensjahr mit dem Virus. Die Folgen sind ganz unterschiedlich: Mal gehen Virus und Wirt eine lebenslange Symbiose ein - der Mensch merkt überhaupt nicht, dass er infiziert ist. Bei anderen wiederum tobt ein Krieg kleinen, mittleren oder schweren Ausmaße. So wie bei Thomas Fischer.

Warum der eine schwer erkrankt, der andere gar nicht und der Dritte nur sehr schwach, ist bisher noch nicht abschließend geklärt. «Ein bedeutender Faktor ist das Lebensalter. Je früher man mit dem Virus in Kontakt kommt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, schwer zu erkranken», erklärt Prof. Hartmut Hengel, Präsident der Gesellschaft für Virologie. Bei kleinen Kindern etwa verläuft die EBV-Infektion oft ohne Symptome.

Prof. Andreas Podbielski, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene an der Universität Rostock, erklärt das durch die Evolution: Früher lebten die Urmenschen in Sippen. «Damals haben schon die kleinsten Kinder alles abbekommen, was da so an Keimen auf den Sippenmitgliedern zu finden war.» Unter den deutlich hygienischeren Bedingungen heute kommt es immer häufiger vor, dass sich jemand erst später ansteckt.

Fischer durfte nach einer Woche Krankenhausaufenthalt wieder nach Hause, blieb aber weitere sechs Wochen krankgeschrieben. «Man muss sich in Geduld üben», sagt der Berliner Allgemeinmediziner Wilhelm Breitenbürger. «Der Patient kann sich nur ausreichend schonen, mindestens vier Wochen lang.»

Die gute Nachricht lautet: Wer einmal Drüsenfieber hatte, bekommt es nicht mehr. Eine Impfung gibt es bisher nicht. Man kann aber durch gesunde Ernährung und Bewegung sein Immunsystem so weit stärken, dass es gut mit dem Virus fertig wird. Das Küssen zu vermeiden, da sind sich alle einig, ist jedenfalls kein probates Rezept.

Veröffentlicht am:
09. 05. 2018
11:27 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Infektionskrankheiten Thomas Fischer Universität Rostock Virologie Wilhelm
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Immunität gegen Covid-19

25.08.2020

Schützt überstandene Corona-Infektion vor Neuansteckung?

Anders als etwa bei Masern ist man nach einer Coronavirus-Infektion offenbar nicht völlig immun. Neue Ansteckungen sind möglich. Wie schlimm ist das? Maskentragen und Abstandhalten auf ewig? » mehr

Virus SARS-CoV-2

24.06.2020

Machen Mutationen Sars-CoV-2 gefährlicher?

Eine Analyse aus den USA lässt aufhorchen: Sars-CoV-2 könnte zu einer noch gefährlicheren Variante mutiert sein, heißt es da. Experten haben daran große Zweifel. So wirklich nötig habe das Coronavirus Veränderungen auch ... » mehr

Kampf gegen den Coronavirus

18.03.2020

Wie lange könnte der Ausnahmezustand noch andauern?

Der Coronavirus schafft eine Situation, in der so einige Selbstverständlichkeiten ins Wanken geraten. Wie lang müssen Menschen in Deutschland mit den Einschränkungen leben? » mehr

Kind beim Zahnarzt

25.09.2020

Kreidezähne: Eine Krankheit mit noch vielen Rätseln

Bei manchen Kindern zerbröseln die Zähne regelrecht im Mund. Die Ursachen für die Krankheit MIH sind noch immer nicht bekannt. Eltern können trotzdem etwas tun. » mehr

Corona-Test

24.09.2020

Corona-Schnelltests: Was können sie wirklich?

Schnelltests erlauben einen Corona-Nachweis mit relativ wenig Aufwand. Erste Produkte werden erprobt und bereits eingesetzt. Was können die Tests leisten - und was nicht? » mehr

Kind gegen Grippe impfen?

07.09.2020

Soll ich mein Kind diesen Winter gegen Grippe impfen?

Corona beeinflusst schon seit Monaten unseren Alltag. Im Winter kommt dann die Grippewelle hinzu. Was die Frage nach einer Impfung in diesem Jahr drängender macht - auch für Kinder. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
09. 05. 2018
11:27 Uhr



^