Lade Login-Box.
Topthemen: Südthüringen kocht 2020Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Der Doktor wird digitaler

Per Mausklick zum Arzt, statt im Wartezimmer zu sitzen: Das soll bald für mehr Patienten möglich werden. Die Ärzte entscheiden über mehr Spielraum im Berufsrecht. Erste digitale Sprechstunden gibt es schon.



Christine Zollmann am Bildschirm
Mithilfe eines Videochats sollen Ärzte Diagnosen treffen. Die Dermatologin Christine Zollmann übt dieses Verfahren bereits aus.   Foto: Christoph Soeder » zu den Bildern

Mit ein paar Klicks loggt sich Hautärztin Christine Zollmann am Computer in ein Videoprogramm ein. Dann sieht sie einen jungen Mann auf dem Bildschirm. «Zeigen Sie mir bitte Ihre Hand», sagt sie freundlich.

In ihrer Gemeinschaftspraxis in Jena empfängt die 60-Jährige Patienten virtuell. Die Dermatologin und Venenspezialistin nutzt Videosprechstunden, um den Behandlungsverlauf bei Hauterkrankungen und chronischen Wunden zu kontrollieren.

Bisher sind solche Behandlungen aus der Ferne nur erlaubt, wenn Ärzte Patienten schon kennen. Allein online oder am Telefon dürfen sie das nicht. Der 121. Ärztetag (8. bis 11. Mai) soll wohl eine - behutsame - Freigabe beschließen. Das soll Patienten Wartezeiten ersparen und auch neue Versorgungsangebote auf dem Land ermöglichen. Total digital werden wollen die Ärzte aber nicht.

«Neue Methoden mit Kamera und Videoübertragung können vieles deutlich erleichtern», sagt Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. Für eine schnellere Kommunikation sollten daher jetzt Möglichkeiten eröffnet werden. Konkret geht es um mehr «ausschließliche» Fernbehandlungen, die das Berufsrecht bisher untersagt - also wenn Ärzte den Patienten nicht zumindest einmal persönlich vor sich gehabt haben. Nach einer Vorlage der Bundesärztekammer, über die der Ärztetag abstimmt, sollen reine Fernbehandlungen künftig «im Einzelfall» erlaubt sein - aber nur, wenn es «ärztlich vertretbar» und die Sorgfalt gewahrt ist.

Unumstritten ist eine solche Lockerung nicht. Vielen Ärzten ist der persönliche Kontakt schlicht unverzichtbar. An diesem «Goldstandard» ärztlichen Handelns solle auch nichts geändert werden, versichert Montgomery. «Schließlich steckt in «Behandlung» ja schon das Wort Hand. Das zeigt, dass es ohne direkten Kontakt in den allermeisten Fällen nicht geht.» Auch Christine Zollmann sieht das so. «Es wird nie so sein, dass die Patienten nicht kommen müssen.» Gerade der Erstkontakt sei wichtig. «Ich muss die Patienten anfassen, Hautveränderungen mit einem Vergrößerungsgerät anschauen und bei Schmerzen im Bein eine Ultraschalluntersuchung machen.»

Für die Verlaufskontrolle seien Videosprechstunden jedoch sinnvoll, findet die Medizinerin. «Obwohl die gesetzlichen Krankenkassen das eher schlecht vergüten.» Zwei- bis dreimal wöchentlich hat sie Videokontakt mit Patienten - meist abends nach 18.00 Uhr. «Sie benötigen nur einen PC oder Laptop mit Kamera und eine vernünftige Internetverbindung.» Mit einem Code können sie sich in die virtuelle Sprechstunde einloggen. Für Ärzte sei inzwischen zertifizierte Software für Videozuschaltungen, die den hohen Datenschutz-Anforderungen für Praxen entspreche, auf dem Markt.  

Wenn der Deutsche Ärztetag grünes Licht gibt, müssen noch die Landesärztekammern eine stärkere Freigabe in den verbindlichen Berufsordnungen umsetzen. Schleswig-Holstein ist schon vorgeprescht. Einiges verbessern könnten mehr Online-Behandlungen schon, glaubt auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU): Weniger Wege und Wartezeiten für Patienten in großen Städten und mehr schnelle Arztkontakte in dünn besiedelten Regionen.

Die vermeintliche Bequemlichkeit sei aber nicht für jeden Patienten etwas, hat die Jenaer Hautärztin Zollmann beobachtet. «Es gibt Hemmschwellen.» Die hätten nicht unbedingt nur etwas mit Technikängsten zu tun. «Vor allem die Älteren wollen den Arzt persönlich sehen.» Und im ländlichen Raum müsse zudem auch das Internet gut funktionieren, damit Anfahrtswege für Patienten durch die Videosprechstunde wegfallen könnten.

Veröffentlicht am:
07. 05. 2018
10:39 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Berufsrecht Bundesärztekammer CDU Dermatologen Deutscher Ärztetag Digitaltechnik Frank Ulrich Montgomery Jens Spahn Landesärztekammern Patienten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Organspende-Ausweis

13.01.2020

Wie lässt sich die Zahl der Organspenden erhöhen?

In Deutschland ist die Zahl der Patienten, denen eine Organspende helfen könnte, deutlich größer als die Zahl der transplantierten Organe. Die Politik hat bereits ein Gesetz geändert. Nun steht eine weitere wichtige Ents... » mehr

Internetarzt hilft auf der Hallig

08.07.2019

Was ist geplant und wie funktioniert Telemedizin?

Langwierige Terminsuche, Warten beim Arzt, dann oft der Gang in die nächste Praxis: Die Beratung per Video oder Telefon soll Patienten das Leben leichter machen, versprechen Krankenhausbetreiber. Doch die Hürden für Tele... » mehr

Organspendeausweis

02.06.2018

Zahl der Organspender in Deutschland weiter gesunken

Wenn ein Mensch stirbt, kann er anderen das Leben retten: als Organspender. Die meisten Deutschen finden das gut, trotzdem wird kaum einer Spender. Woran liegt das? Und wieso ändert sich nichts? » mehr

3D-Ganzkörperscanner

21.10.2019

Neuer 3D-Körperscanner für Brust-OPs und Hautärzte

Bildgebende Verfahren sind in der Medizin nicht neu. Aber ein dreidimensionales Modell des Körpers, aus Bildern von 92 Kameras, schon. Manche Ärzte erhoffen sich viel davon, andere sind skeptisch. » mehr

Telefonnummer für Kassenpatienten

22.08.2019

Was bringt die neue Elfer-Nummer für Kassenpatienten?

Im Gesundheitswesen ist vieles ziemlich kompliziert. Das soll bei einer Hotline der Kassenärzte, die bei Anruf bald direkte Orientierung verspricht, anders sein. Doch noch kennen viele die bereits existente Hotline überh... » mehr

Telemedizinische Sprechstunde

12.07.2018

Sprechstunde beim Arzt per Handy oder Laptop

Der Deutsche Ärztetag hat den Weg frei gemacht für eine ausschließlich telemedizinische Behandlung. Die Mainzer Kinderchirurgie sammelt als Vorreiter in Deutschland schon heute Erfahrungen mit Videosprechstunden. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
07. 05. 2018
10:39 Uhr



^