Topthemen: Der NSU-ProzessMobilität und EnergieGebietsreformFußball-Tabellen

 

Von Light-Zigarette bis Heat Stick: Geht «gesünder» rauchen?

Light-Zigaretten, E-Zigaretten und Heat Sticks versprechen weniger gesundheitsschädlich zu sein als herkömmliche Zigaretten. Manche der Produkte schaden tatsächlich etwas weniger als die Tabak-Klassiker. Unbedenklich sind sie Experten zufolge aber ganz und gar nicht.



Geht Rauchen auch «gesünder»?
Das Dampfen von E-Zigaretten ist zwar weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten zu rauchen. Langzeitfolgen sind aber bisher nicht ausreichend untersucht.   Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn

Sie sehen schick aus und sollen gesünder sein als klassische Zigaretten: Heat Sticks gibt es seit einiger Zeit in Deutschland zu kaufen. Es ist nicht das erste Mal, dass Tabakkonzerne «gesündere» Alternativen für Raucher auf den Markt bringen. Aber sind die wirklich weniger schädlich? 

- Light-Zigaretten

Als die ersten Studien einen Zusammenhang zwischen Rauchen und Krebs belegten, suchte die Industrie nach einer Antwort. Sie lautete: Light-Zigaretten. Diese Produkte enthalten weniger Teer und weniger Nikotin. Das klingt erstmal irgendwie gesünder - ist es aber nicht, sagt Martina Pötschke-Langer, Vorstandsvorsitzende des Aktionsbündnis Nichtrauchen (ABNR). In diesem Bündnis haben sich mehrere ärztliche Fachgesellschaften und Gesundheitsorganisationen zusammengeschlossen.

«Light-Zigaretten enthalten zwar weniger Nikotin und Teer, der Rauch lässt sich aber leichter inhalieren», erklärt die Expertin. Dadurch könne er noch tiefer eingeatmet werden. «Die Schadstoffe werden tiefer inhaliert und die Sucht noch weiter angefeuert.»

- E-Zigaretten

E-Zigaretten enthalten in der Regel ein Gemisch aus Propylenglykol, Glyzerin, Aromen und Nikotin. Die Flüssigkeit wird verdampft. Dem Verband des eZigarettenhandels zufolge sind E-Zigaretten deutlich weniger schädlich als Zigaretten. «Diese Produkte sind zweifelsfrei weniger gefährlich als Zigaretten», sagt auch Pötschke-Langer vom ABNR. Gesundheitlich bedenklich seien sie aber dennoch.

So wisse man heute, dass Nikotin nicht nur süchtig macht, es fördere auch die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Neuere Studien gäben zudem Hinweise, dass es krebserregend sein könnte, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in einem Positionspapier. Die enthaltenen Aromen könnten Allergien auslösen, fügt Pötschke-Langer hinzu.

Hinzu komme, dass sich beim Inhalieren des Dampfs winzige Partikel in den Atemwegen ablagerten. Sie könnten auch in den Blutkreislauf gelangen, erklärt Pötschke-Langer: «Tatsächlich weiß noch gar keiner, welche Folgen dies für die Gesundheit hat.» Über Langzeiteffekte sei zu wenig bekannt, um Entwarnung zu geben, erklärt auch die DGP.

- Heat Sticks

Verhältnismäßig neu auf dem deutschen Markt sind die Heat Sticks. Statt einer Flüssigkeit wird in den Geräten echter Tabak auf rund 300 Grad erhitzt, aber nicht verbrannt. In Deutschland ist das Produkt IQOS von Philip Morris erhältlich. Dem Hersteller zufolge verringert die neue Methode die Konzentration schädlicher Substanzen im Vergleich zu einer Zigarette um 90 Prozent. «IQOS ist jedoch keinesfalls unschädlich oder ohne Risiko», sagt Stacey Kennedy, Vorsitzende der Geschäftsführung der Philip Morris GmbH.

Pötschke-Langer zufolge dürfte die gesundheitliche Belastung durch Heat Sticks irgendwo zwischen Zigarette und E-Zigarette angesiedelt sein. «Studien zu diesen Produkten liegen nur von Herstellern vor», erklärt sie. Unabhängige Untersuchungen gebe es bisher nicht. Da die neuen Produkte Nikotin enthalten, könne man aber eine Sucht auslösende Wirkung ähnlich wie bei der Tabakzigarette erwarten.

Manche Raucher versuchen, ihre Sucht mithilfe von E-Zigaretten oder Heat Sticks zu besiegen. Die DGP weist aber darauf hin, dass der Effekt herkömmlicher Entwöhnungsprogramme deutlich besser nachgewiesen sei.

Veröffentlicht am:
16. 08. 2017
04:40 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Carcinogenität E-Zigaretten Einrichtungen und Organisationen des Bereichs Gesundheit Gesundheitsschäden Nikotin Philip Morris GmbH Pneumologie Raucher Tabakkonzerne Verbände Zigaretten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Tabakerhitzsystem Iqos

05.10.2018

WHO: E-Zigaretten und Tabakerhitzer verführen zum Rauchen

Nikotin ist schädlich und macht süchtig, aber sind Geräte wie E-Zigaretten oder Tabakerhitzer nicht gesünder als Zigaretten? Sollen Regierungen sie deshalb fördern? Die Tabakindustrie und die Weltgesundheitsorganisation ... » mehr

E-Zigarette

31.05.2018

Wie schädlich sind E-Zigaretten und Tabakerhitzer?

Zum Weltnichtrauchertag könnte der Streit wieder aufflammen: Sind Tabakerhitzer und E-Zigaretten ein guter Ersatz für herkömmliche Glimmstängel? Auch in Deutschland sind die Dampfgeräte beliebt. Krebsforscher sind skepti... » mehr

Gaststätte »Willi Mangler«

12.07.2018

10 Jahre qualmfreie Kneipen und die Gesundheit

2008 konnte sich kaum jemand vorstellen, dass Gastronomie trotz Rauchverboten funktionieren kann. Heute können sich viele Gäste und Wirte kaum noch vorstellen, sich einnebeln zu lassen. Über einen rasanten Wandel - für G... » mehr

PD Dr. Klaus J. Walgenbach

05.09.2018

Wann eine Haartransplantation infrage kommt

Fußballtrainer Jürgen Klopp hat es gemacht - und außer ihm machen es pro Jahr Tausende andere in Deutschland auch: eine Haartransplantation. Der Eingriff ist allerdings komplex und sollte nur von spezialisierten Ärzten v... » mehr

Oecotrophologin Sonja Lämmel

29.03.2017

Kleine Asthmatiker: Wenn dem Kind die Luft wegbleibt

An Asthma bronchiale können schon Babys erkranken. Heilbar ist die Krankheit nicht. Bei vielen verschwinden die Beschwerden aber im Erwachsenenalter. Bis dahin kann man sie mit Sprays gut in Schach halten. Übergewichtige... » mehr

Computerspieler beim NRW-Games-Gipfel

12.07.2018

Kontroverse um Online-Spielsucht

Fast jeder zweite Deutsche spielt auf Handy, Tablet oder Computer. Doch wenn das Gedaddel überhand nimmt, wird es problematisch. Gibt es die Krankheit Online-Spielsucht? Die WHO löst eine Kontroverse aus. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
16. 08. 2017
04:40 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".