Lade Login-Box.
Gemeinsam handeln zum Digital-Abo
Topthemen: #GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilft

 

Coronavirus befällt auch Nieren und andere Organe

Zunächst galt Covid-19 nur als Erkrankung der Atemwege. Das Virus verbreitet sich jedoch nicht nur dort. Besonders stark schadet der Erreger auch den Nieren.



Covid-19-Studie
Tobias Huber, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik im UKE, stellt das Ergebnis seiner Studie vor. Demnach greift Covid-19 nicht nur die Lunge an. Auch andere Organe können betroffen sein.   Foto: Christian Charisius/dpa/Pool/dpa

Das neue Coronavirus befällt laut einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) neben der Lunge auch zahlreiche andere Organe. «Sars-CoV-2, das neuartige Coronavirus, ist nicht nur ein Lungenvirus, sondern ein Multiorganvirus», sagte der Leiter der Studie, Tobias Huber.

Das hätten Untersuchungen von 27 an Covid-19 gestorbenen Patienten gezeigt. In einer weiteren Studie sollen am UKE Häufigkeit und Schwere von Infektionen bei Kindern untersucht werden.

Nieren am zweithäufigsten betroffen

Das bei Erkrankten nach der Lunge am zweithäufigsten betroffene Organ seien die Nieren, «nicht selten bis hin zum totalen Organausfall», sagte Huber, Direktor der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik am UKE. Außerdem habe man den Erreger in Herz, Leber, Gehirn und Blut der Patienten nachweisen können. Die höchsten Konzentrationen hätten sich aber in den Zellen der Atemwege gefunden.

Der Befall der Nieren sei vermutlich die Ursache dafür, dass Covid-19-Erkrankte häufig Auffälligkeiten im Urin aufwiesen, sagte Huber. «Zudem könnte dies die extrem hohe Rate von bis zu 50 Prozent an akuten Nierenversagen bei Covid-19-Patienten erklären.»

Der mögliche Befall weiterer Organe müsse bei der Behandlung von Corona-Patienten berücksichtigt werden. «Wir müssen alle Symptome im Blick haben, nicht nur die Luftknappheit», sagte Huber. In weiteren Studien solle auch geklärt werden, inwieweit Veränderungen im Urin als Frühwarnsystem für schwere Covid-19-Verläufe dienen könnten.

In Berlin wurden bislang mindestens elf Covid-19-Tote obduziert. Das geht aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Gesundheit auf eine parlamentarische Anfrage des Linke-Abgeordneten Wolfgang Albers hervor. Als Todesursachen wurden demnach am häufigsten Blutvergiftung bei Lungenentzündungen (vier Fälle), Lungenversagen (drei Fälle) und Herzversagen (zwei Fälle) festgestellt. In allen elf Fällen habe das Pathologie-Institut der Charité festgestellt, dass die Todesursachen «kausal durch Covid-19 bedingt» gewesen seien, hieß es.

Neue Studie erforscht Covid-19 bei Kindern

Wie häufig sich Kinder und Jugendliche infizieren und wie anfällig sie für einen schweren Verlauf der Infektion sind, soll die neue Studie C19.Child Hamburg zeigen, an der sich neben dem Kinder-UKE auch alle anderen Hamburger Kinderkliniken beteiligen. Die Mediziner wollen Daten von rund 6000 gesunden und chronisch kranken Kindern und Jugendlichen mit und ohne Covid-19-Symptome einbeziehen.

Zugleich solle erforscht werden, «wie groß das Risiko einer Verbreitung des neuartigen Coronavirus durch asymptomatische Kinder ist und ob chronisch kranke Kinder ein größeres Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Infektion haben als gesunde Kinder», sagte die Direktorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKE, Ania C. Muntau.

Die in der Öffentlichkeit häufig mit großer Sicherheit vertretene Meinung, dass Kinder nicht oder nicht schwer an Covid-19 erkranken, habe sie verwundert, sagte Muntau, «weil wir einfach keine Evidenz dazu haben». Es sei bisher gar nicht umfassend untersucht worden. «Insofern ist das eine absolut offene Frage, ob Kinder und wie häufig und wie schwer sie erkranken.»

Kinder seien auch nur sehr restriktiv getestet worden. «Und möglicherweise haben wir dort eine sehr hohe Dunkelziffer und haben einen sehr hohen prozentualen Anteil von positiven Kindern ohne Symptome, die für das Geschehen in der Bevölkerung, die Ausbreitung der Pandemie, eine ganz wichtige Rolle spielen.» Für Hamburg könne sie jedenfalls sagen: «Wir haben keine schwer erkrankten Fälle gesehen. Und ich glaube, die wären uns aufgefallen.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 05. 2020
17:42 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Kinder und Jugendliche Kinder- und Jugendmedizin Kinderkliniken Krankheitserreger Lungenentzündungen Lungenversagen Nierensystem Nierenversagen Patienten Universitätskliniken Wolfgang Albers
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Insulin

02.10.2019

Mein Kind hat Typ-1-Diabetes - was tun?

Wenn das Kind Diabetes Typ 1 hat, ändert sich für Familien alles. Jetzt heißt es Zuckerwerte messen und Schulungen besuchen. Trotzdem sollte alsbald Normalität einkehren, raten Experten. » mehr

Symptome bei Covid-19

26.03.2020

Was über die Symptome von Covid-19 bekannt ist

Der große Teil der Infizierten spürt nichts oder nur wenig. Andere Betroffene sterben. Beim neuen Coronavirus variieren die Krankheitsverläufe stark. Über Anhaltspunkte und Warnsignale. » mehr

Corona-Risiko für Raucher

09.03.2020

Ist die Corona-Gefahr für Raucher größer?

Händewaschen, Abstand halten - mehr kann man gegen das Coronavirus kaum tun, oder? Doch: Man kann mit dem Rauchen aufhören. Denn Experten gehen davon aus, dass die Qualmerei das Risiko verschärft. » mehr

Rötelmaus

10.06.2019

2019 viele Hantavirus-Infektionen erwartet

Staubige Schuppen, Garagen oder Waldhütten - dort kann man sich in mehreren Regionen Deutschlands mit dem sogenannten Hantavirus anstecken. Das Risiko ist dieses Jahr höher - aber warum? » mehr

Antikörpertest Elecsys

04.05.2020

Wie sicher sind Corona-Tests?

Wie viele Menschen in Deutschland haben sich schon mit dem Coronavirus infiziert und sind - sehr wahrscheinlich zumindest - immun? Diese Frage ist spannend. Aber nicht leicht zu beantworten: Die Analysen dazu haben Tücke... » mehr

Blutzucker stabil einstellen

02.03.2020

Keine Angst wegen Halskratzen

Hustet man im Beisein anderer, kommt derzeit oft die Frage: «Corona?» Zwar kann die Infektion mit dem neuartigen Virus sich so äußern. Doch das ist erstmal kein übermäßiger Grund zur Sorge, so ein Experte. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 05. 2020
17:42 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.