Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

 

Viele Menschen sind offen für Gesundheits-Apps

Zum Arzt per Video, die Krankschreibung für den Chef digital und Pillen-Rezepte elektronisch: Viele Deutsche begrüßen Innovationen im Gesundheitswesen. Doch was den Alltagsgebrauch angeht, sind sie oft noch skeptisch - auch aus Datenschutzgründen.



Digitale Gesundheitsakte «Vivy»
Viele Menschen in Deutschland begrüßen digitale Angebote im Gesundheitsbereich.   Foto: Michael Kappeler/dpa

Viele Menschen in Deutschland stehen digitalen Gesundheitsdiensten offen gegenüber. Vor allem junge Leute begrüßen Angebote wie elektronische Rezepte und Krankschreibungen, zeigt eine Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC.

Die Skepsis gegenüber der konkreten Nutzung im Alltag und die Angst vor Datenmissbrauch sind aber groß. Und ältere Bürger ab 55 Jahren können sich mit elektronischen Diensten, die die Bundesregierung ausbauen will, weniger anfreunden.

Gesundheits-Apps und Telemedizin kommen gut an

Konkret finden in der Umfrage , an der 1000 Menschen teilnahmen, rund drei Viertel digitalisierte Verwaltungsprozesse «sehr gut» oder «gut» - und ebenso Gesundheits-Apps auf Kosten der Krankenkasse. Diese können Patienten bei der Einnahme von Arzneien unterstützen oder Blutzuckerwerte für Diabetiker dokumentieren. 60 Prozent begrüßen prinzipiell die Stärkung von Telemedizin, heißt es in der repräsentativen Umfrage, die der dpa vorliegt. Ebenso groß ist die Zustimmung für die Idee, eine zentrale Gesundheitsdatenbank zu schaffen, auf die Forscher etwa zur Analyse von Therapien zugreifen könnten.

Gefragt, ob sie Dienste im Alltag nutzen würden, fällt die Zustimmung der Befragten aber nicht mehr so eindeutig aus. Eine Mehrheit gibt es noch für elektronisch übermittelte Krankschreibungen - 56 Prozent befürworten diese klar, 31 Prozent würden «vielleicht» umsteigen.

Bei elektronischen Rezepten aufs Smartphone sagen 41 Prozent, sie könnten sich vorstellen, diese «auf jeden Fall» zu nutzen, 35 Prozent antworten mit «vielleicht». Während bei den 18- bis 34-Jährigen eine knappe Mehrheit für digitale statt Papier-Rezepte ist, halten sich über 55-Jährige zurück (33 Prozent). Noch skeptischer sind Patienten bei Videosprechstunden: Nur 16 Prozent befürworten sie klar, 38 Prozent sind unentschieden. Auch hier ist bei den Älteren die Ablehnung groß. Und 46 Prozent aller Befragten können sich «nicht» oder «eher nicht» vorstellen, Telemedizin zu nutzen.

Groß sind zudem die Sorgen um Datenschutz. 93 Prozent der Befragten finden, persönliche Daten sollten nicht ohne Zustimmung weitergegeben werden. 77 Prozent fürchten, dass ihre Daten an kommerzielle Anbieter gehen könnten. «Der Schutz von Patientendaten muss daher beim Ausbau der Telematik-Infrastruktur im deutschen Gesundheitswesen an oberster Stellen stehen», sagt PwC-Gesundheitsexperte Michael Burkhart.

Ärztevertreter Datenschutz

Die Bundesregierung will die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorantreiben. Seit dem das Fernbehandlungsverbot für Ärzte gelockert wurde, tüfteln auch Klinikbetreiber wie Rhön-Klinikum und Fresenius Helios an Telemedizin-Angeboten. Diagnosen per Video, App oder Telefon könnten manchen Besuch in der Arztpraxis überflüssig machen, Patienten Zeit sparen und auch gegen den Medizinermangel auf dem Land helfen. Ärztevertreter mahnen aber, Datenschutz und die Einwilligung von Patienten müssten höchste Priorität haben.

Bestimmte Apps fürs Handy können Patienten zudem nach einem Gesetz von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) künftig von der Kasse bezahlt bekommen, wenn ihr Arzt sie verschreibt. Ein Jahr tragen die Kassen die Kosten, in dieser Frist müssen App-Anbieter den Nachweis einer besseren Versorgung liefern.

Kassenärzte erwarten zunächst eine begrenzte Nachfrage nach neuen digitalen Angeboten für Patienten. «Bei manchen Krankheiten werden Apps sinnvoll und hilfreich sein und einen tatsächlichen Mehrwert bringen», sagte jüngst der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen. «Dass es einen Hype gibt, glaube ich eher nicht.» Bei elektronischen Patientenakten sei der Nutzen für Ärzte begrenzt. «Patienten haben das Recht, Daten für einen Arzt unsichtbar zu stellen, was völlig in Ordnung ist.» Aus der Akte könne daher aber auch keine Haftung für den Arzt entstehen.

Mit Blick auf elektronische Akten, die Patienten ab 2021 zur freiwilligen Nutzung angeboten werden sollen, sagte Gassen: «Es wird junge EDV-affine Patienten geben, die die digitale Akte in größerem Umfang nutzen - und andere, die sagen, das interessiert mich nicht.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
09. 03. 2020
11:02 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arztpraxen CDU Daten und Datentechnik Datenschutz Deutsche Presseagentur Gesundheitsminister Gesundheitssystem Gesundheitssystem in Deutschland Jens Spahn Kassenärzte Kassenärztliche Bundesvereinigung Patienten Patientenakten PricewaterhouseCoopers International RHÖN-KLINIKUM Bad Neustadt Telemedizin
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Elektronische Patientenakte

03.07.2020

E-Patientenakte soll ab 1. Januar 2021 starten

Röntgenbilder, Befunde, Impfungen: Wichtige Daten für den nächsten Praxisbesuch sollen Patienten bald auch digital parat haben können. Weitere Details sind nun besiegelt - manche stoßen aber auf Protest. » mehr

Telemedizin

07.01.2020

Arztpraxen sollen digitaler werden

Bei größeren Beschwerden gehen die meisten wohl lieber direkt ins Behandlungszimmer. Viele andere Fragen könnten Patienten aber auch über neue Technologien mit ihrem Arzt klären. Wie kommt das voran? » mehr

Impfpass

23.01.2020

Wie Impfungen in E-Patientenakten kommen sollen

Bei digitalen Gesundheits-Angeboten soll mehr Tempo her, so will es der Minister. Doch was genau hätten die Patienten zum Beispiel von E-Akten? Konkret wird das nun als Erstes beim wichtigen Thema Impfen. » mehr

Gesundheits-Apps

08.11.2019

Gesundheits-Apps kommen bald auf Rezept

Beim Arztbesuch läuft oft noch viel auf Papier. Die große Koalition will deswegen Tempo machen, um endlich einen Durchbruch für die Digitalisierung zu schaffen. Geht das für manche auch zu schnell? » mehr

Elektronische Patientenakte

31.01.2020

Impfausweis in der Patienten-App

Ab 2021 soll jeder gesetzlich Versicherte per App Zugriff auf die eigenen Patientendaten bekommen. Wie genau diese «elektronische Patientenakte» funktionieren soll, wird nun immer klarer. » mehr

E-Patientenakte

01.04.2020

Nächster Schritt zur E-Patientenakte

Röntgenbilder oder Impfungen: Wichtige eigene Daten für den nächsten Arztbesuch sollen Patienten bald auch digital zur Hand haben können. Die Regierung macht Tempo - Kritiker warnen vor «Hau-Ruck-Verfahren». » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
09. 03. 2020
11:02 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.