Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

 

Blinde Frau bekommt recht: Führhund darf mit in Arztpraxis

Führhunde sind für Blinde oft notwendige Begleiter. Doch haben Sehbehinderte deswegen das Recht, das Tier mit in eine Arztpraxis zu nehmen? Ein Urteil des Bundesverfassungsgericht schafft Klarheit.



Blindenhund Logo
Untersagt eine Arztpraxis die Begleitung eines Führhundes, sind blinde Menschen in besonderem Maße benachteiligt. Ein solches Verbot ist daher nicht zulässig.   Foto: picture alliance / dpa

Eine Arztpraxis darf einer blinden Frau nicht aus hygienischen Gründen verbieten, mit ihrem Führhund durchs Wartezimmer zu gehen. So ein Verbot benachteilige die Frau wegen ihrer Behinderung, entschied das Bundesverfassungsgericht.

Die Richter gaben einer Verfassungsbeschwerde der Berlinerin statt, wie das Gericht in Karlsruhe mitteilte. (Az. 2 BvR 1005/18)

Die Frau war 2014 bei einem Physiotherapeuten in Behandlung. Die Praxis war entweder durch den Hof über eine offene Stahlgittertreppe zu erreichen. Oder die Patienten gingen ebenerdig durch das Wartezimmer einer Orthopädiepraxis im selben Gebäude. Die Frau hatte mit ihrer Hündin schon mehrmals die Praxis durchquert - bis ihr die Ärzte das verboten und sie auf den Weg über den Hof verwiesen. Dieser Weg kommt für die Frau nach ihrer Darstellung aber nicht infrage: Das Tier habe Angst vor der Treppe, weil es sich schon einmal mit den Krallen im Gitter verfangen und verletzt habe.

Berliner Gerichte hatten die Klage der Frau abgewiesen - zu Unrecht, entschieden nun die Verfassungsrichter. Das Verbot, Hunde in die Praxis mitzunehmen, sei zwar scheinbar neutral formuliert. Tatsächlich benachteilige es die blinde Frau aber in besonderem Maße.

Ohne ihren Hund müsse sich die Frau Unbekannten anvertrauen, sich anfassen und führen lassen. Dies komme einer Bevormundung gleich. Das Benachteiligungsverbot solle es Menschen mit Behinderung aber ermöglichen, so weit wie möglich ein selbstbestimmtes und selbstständiges Leben zu führen, so die Richter. Weder das Robert-Koch-Institut noch die Deutsche Krankenhausgesellschaft hätten hygienische Bedenken bei Blindenhunden in Praxen und Krankenhäusern.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 02. 2020
16:17 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arztpraxen Behinderte Blinde Bundesverfassungsgericht Deutsche Krankenhausgesellschaft Krankenhäuser und Kliniken Robert-Koch-Institut Sehbehinderte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Manfred Scharbach

23.06.2020

Smartphone und Mini-Kamera: Wie Technik Blinden hilft

Farblich passende Kleidung zusammenstellen. Den Weg durch die Stadt finden. Dinge, die für Sehende selbstverständlich sind, waren für Blinde und Sehbehinderte lange nur schwierig machbar. Inzwischen erleichtern Smartphon... » mehr

Krankenhäuser rüsten sich für Corona-Krise

16.03.2020

Was die Corona-Pandemie für deutsche Krankenhäuser bedeutet

Das Coronavirus stellt die Gesundheitssysteme vieler Länder auf den Prüfstand. Krankenhäuser im Norden Italiens arbeiten an den Grenzen ihrer Kapazität. Was bedeutet die Pandemie für deutsche Kliniken? » mehr

Abstandsmarkierungen

04.06.2020

Blinden und sehbehinderten Menschen gerne Hilfe anbieten

Der Alltag stellt blinde und sehbehinderte Menschen vor besondere Herausforderungen, gerade jetzt in Corona-Zeiten. Unterstützung von sehenden Mitmenschen kann da sehr hilfreich sein. » mehr

Coronavirus

12.03.2020

Warum das Ausbreitungstempo bei Corona so entscheidend ist

Im Kampf gegen das Coronavirus drückt die Politik aufs Tempo. Veranstaltungen werden untersagt, Fußballfans ausgeschlossen und Schulen gesperrt. Zu viel des Guten? Keineswegs, sagen Experten. » mehr

Medizinischer Mundschutz

02.04.2020

Robert Koch-Institut ändert Einschätzung zu Mundschutz

Knappes Gut, hilfreiches Accessoire oder Pflichtkleidungsstück - über Masken wird in der Corona-Krise immer wieder diskutiert. Aber was nutzen die einzelnen Maskentypen? » mehr

Corona-Test

24.09.2020

Corona-Schnelltests: Was können sie wirklich?

Schnelltests erlauben einen Corona-Nachweis mit relativ wenig Aufwand. Erste Produkte werden erprobt und bereits eingesetzt. Was können die Tests leisten - und was nicht? » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 02. 2020
16:17 Uhr



^