Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Wie man Husten und Co. am besten vorbeugt

Husten ist nervig und oft langwierig. Gefährlich ist er aber nur selten. Woran man selbst erkennt, dass ein Arztbesuch ratsam ist und wie man einem Erkältungshusten vorbeugen kann, erklärt ein Facharzt für Lungenheilkunde.



Husten
Husten ist lästig und unangenehm. Meist verzieht er sich aber von selbst wieder. Nur geduldig müssen Betroffene sein.   Foto: Christin Klose » zu den Bildern

Mitten im klassischen Konzert, in der Kirche oder nachts im Schlaf: Husten kommt irgendwie immer zur Unzeit. Aber warum ist das eigentlich so? Und stimmt es, dass die Farbe des Auswurfs Rückschlüsse auf die Ursache des Hustens zulässt?

Der Lungenfacharzt Kai-Michael Beeh hat gerade ein Buch über sein Lieblingsorgan geschrieben: «Die atemberaubende Welt der Lunge». Mit dem dpa-Themendienst sprach der Facharzt über unpassenden Husten, grünen Schleim und effektive Erkältungsvorbeugung.

Warum müssen in Konzerten so viele Leute husten?

Beeh: Viele Leute fühlen sich da beobachtet, meistens ist die Luft trocken und die Atmosphäre angespannt. Das macht die Menschen nervös. Wenn wir nervös sind, wird ein Teil unseres Nervensystems aktiviert - die Fluchtreflexe. Nur: Wir können nicht fliehen. Wir können die Nervosität also nicht körperlich abbauen.

Was macht der Körper also? Er reguliert das gegenteilige Nervensystem hoch, das bremsende System. Während das eine die Schleimhäute austrocknet, sorgt das andere für eine vermehrte Speichelproduktion, und es reizt die Bronchien. Die Hustenfühler in den Bronchien werden so «scharf» gemacht. Irgendwann kann man nicht mehr anders - und muss husten.

Und wie kriegt man diesen Hustenreiz in den Griff?

Beeh: Sitzend lässt er sich nicht unterdrücken. Bewegung hilft. Also im Zweifelsfall kurz mal raus aus dem Saal und ein bisschen herumlaufen.

Wann ist Husten ein Fall für den Arzt?

Beeh: Husten im Rahmen einer Erkältung ist bei ansonsten gesunden Menschen nicht gefährlich. Das geht in der Regel nach drei oder vier Wochen vorbei. Dauert es länger als vier Wochen, sollte man zum Arzt gehen.

Es ist ekelig, aber wir müssen auch über Auswurf reden. Stimmt es denn: Grüner Auswurf ist bakteriell, gelber viral?

Beeh: Auswurf ist schon ein bisschen verräterisch. Auf der Harmlosigkeitsskala ganz oben steht klarer Auswurf. Da dürfte keine bakterielle Infektion vorliegen. Gelb gibt es bei allergischem Asthma oder auch bei Erkältungskrankheiten. Dass grüner Auswurf immer bakteriell bedingt ist und mit Antibiotika behandelt werden müsste, ist dagegen ein Mythos.

Erkältungen werden in der Regel durch Viren verursacht - und jeder weiß, am Ende kann da auch der Schleim aus der Nase schon mal zäh und grün werden. Die grüne Farbe wird von weißen Blutkörperchen verursacht, die zugrunde gehen, wenn eine Entzündung abheilt. Grüner Auswurf ist nur bedenklich, wenn er länger als ein paar Tage auftritt und Fieber oder Brustschmerzen dazukommen. Blutiger Auswurf muss immer abgeklärt werden. Meist ist auch das harmlos, aber dahinter können sich auch schwerwiegende Erkrankungen verbergen.

Das Beste ist natürlich gar kein Auswurf. Aber wie schafft man es, sich in der Übergangszeit nicht zu erkälten?

Beeh: Gelassen bleiben. Dieses zwanghafte «Ich darf nicht krank werden» führt in der Regel dazu, dass wir uns stressen und dann infektanfälliger werden. Wer sich schützen will, sollte seine Hände regelmäßig mit Seife waschen. Erkältungsviren werden nämlich meistens übers Händeschütteln oder Anfassen von Türgriffen übertragen. Sich ausgewogen und gesund ernähren hilft ebenfalls. Und regelmäßig rausgehen ins Licht, Vitamin D tanken. Das ist auch fürs Immunsystem wichtig, genauso wie Bewegung, zum Beispiel regelmäßige Spaziergänge.

Und ganz wichtig: eine positive Einstellung! Wer eine lebensbejahende Einstellung hat, erkältet sich einer Studie zufolge seltener.

ZUR PERSON: Privatdozent Dr. med. Kai-Michael Beeh ist Internist und Pneumologe. 2004 gründete er das insaf Institut für Atemwegsforschung in Wiesbaden.

Literatur: Dr. med. Kai-Michael Beeh: Die atemberaubende Welt der Lunge. Heyne. 288 S., 17 Euro, ISBN 9783453207073.

Veröffentlicht am:
11. 10. 2018
14:39 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arztbesuche Bakterien Erkältungsviren Fachärzte Husten Lunge Lungenkrankheiten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Internetarzt hilft auf der Hallig

08.07.2019

Was ist geplant und wie funktioniert Telemedizin?

Langwierige Terminsuche, Warten beim Arzt, dann oft der Gang in die nächste Praxis: Die Beratung per Video oder Telefon soll Patienten das Leben leichter machen, versprechen Krankenhausbetreiber. Doch die Hürden für Tele... » mehr

Patienten meistens zufrieden

14.06.2019

Wie zufrieden sind Patienten nach Klinik- und Arztbesuch?

Laut einer Umfrage sind die meisten aller Befragten, mit ihrer Behandlung und den damit verbundenen Gepflogenheiten, wie Terminwartezeiten bei Fachärzten oder längeren Wartezeiten in der Praxis, weites gehend zufrieden. » mehr

E-Zigaretten

26.08.2019

Werden Menschen durch E-Zigaretten lungenkrank?

Statt zum Tabak greifen viele Raucher inzwischen zur E-Zigarette, weil sie sie für weniger schädlich halten. Doch ist die Dampf-Variante wirklich harmloser? Ein Todesfall in den USA lässt nun Zweifel aufkommen. » mehr

Mehr Schein, als sein

27.08.2019

Aphthen im Mund heilen meist von selbst

Beim Essen können kleine Entzündungen im Mund extrem unangenehm sein. Die gute Nachricht: In der Regel sind Aphthen harmlos. Dennoch ist in manchen Fällen ein Arztbesuch ratsam. » mehr

Warze am Fuß

09.08.2019

Wie man Warzen richtig behandelt

Warzen sind unangenehm und ansteckend. Deswegen sollten Betroffene sie behandeln. Eines dürfen sie aber auf keinen Fall machen. » mehr

Hyalomma-Zecke

15.08.2019

Riesenzecke überträgt Fleckfieber in Deutschland

Forscher hatten es bereits befürchtet: Nach der ersten Überwinterung in Deutschland soll die sogenannte Hyalomma-Zecke nun erstmals das Zecken-Fleckfieber übertragen haben. Ein Pferdehalter erkrankte. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
11. 10. 2018
14:39 Uhr



^