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Mit Therapiehunden traumatisierten Soldaten helfen

Ein geplantes Projekt in Mecklenburg-Vorpommern soll traumatisierten Soldaten dabei helfen, den Alltag zu bewältigen. Was Menschen mit anderen Behandlungsmethoden zuvor nicht geschafft haben, könnten dann Hunde erreichen.



Pilotprojekt mit Therapie-Hunden
Labrador Retriever "Amilia" soll im Rahmen eines Pilotprojekts traumatisierten Bundeswehrsoldaten helfen.   Foto: Danny Gohlke

Therapiehunde könnten bald traumatisierten Soldaten in Mecklenburg-Vorpommern helfen, indem sie die Betroffenen vom Welpenalter an begleiten. In Steffenshagen (Landkreis Rostock) ist ein entsprechendes Pilotprojekt geplant.

Ein Sprecher des Vereins Rehahunde Deutschland zeigte sich zuversichtlich, dass ein Start noch in diesem Jahr möglich sei. Die Finanzierung sei allerdings noch nicht abschließend geklärt. Allein im vergangenen Jahr wurde nach Angaben der Bundeswehr bei 170 Soldaten nach Auslandseinsätzen eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert.

Für manche Patienten sei das Projekt die letzte Chance, wieder ein geregeltes Leben zu führen, sagt Vereinsmitglied Hartmut Retzlass. «Wir schließen eine Lücke, die bisher kaum beachtet wurde, da wir dort ansetzen, wo die Schulmedizin nicht mehr weiterkommt.»

Das Pilotprojekt sei auf sechs bis acht Soldaten ausgelegt. Sie sollen innerhalb einer Wohngruppe in Einzelwohnungen untergebracht werden. Ziel sei es, Betroffenen, bei denen andere Behandlungsmethoden nicht geholfen hätten, in die Gesellschaft zu integrieren. «Therapiehunde können eine wertvolle Ergänzung zu diesen Therapieverfahren darstellen», erläutert Ulrike Schmidt, Oberärztin der Trauma-Ambulanz der Universitätsmedizin Göttingen.

Der Verein hat bereits mit Soldaten zusammengearbeitet. Einer von ihnen würde zum Beispiel das Haus nicht ohne Notfallrucksack mit Vorräten für eine Woche verlassen. Damit wieder ein einigermaßen normales Leben möglich ist, sollen die Hunde den Angaben des Vereins zufolge darauf geschult werden, Angstzustände des Besitzers zu erkennen und beispielsweise Flashbacks zu unterbrechen, indem der Hund seine Pfote auf das Bein des Besitzers legt.

Gerade für Patienten, die durch andere Menschen traumatisiert worden seien, sei emotionale Wärme durch die Tiere wichtig, erläutert Oberärztin Schmidt. Die Betroffenen hätten vor zwischenmenschlichen Beziehungen so große Angst, dass sie die damit verbundenen Wärme und Zuwendung nicht genießen könnten. «Therapiehunde können eine wertvolle Ergänzung zu diesen Therapieverfahren darstellen», sagte die Medizinerin.

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dpa

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Veröffentlicht am:
18. 07. 2018
11:18 Uhr

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