Lade Login-Box.
Corona Newsletter
Topthemen: Coronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf Instagram

 

Sensoren in Kleidung können Puls und Blutdruck messen

Gibt es akute Probleme mit dem Herzen oder der Atmung? Gerade bei älteren Menschen und Kranken kann die Antwort Leben retten. Ein neuer Sensor kann die Köperfunktionen ganz unauffällig überwachen.



Pflegeeinrichtung
Kleidung mit Sensoren könnte helfen, bei Menschen im Pflegeheim Puls und Blutdruck zu überwachen. Forscher aus Ithaca haben nun solche Verfahren vorgestellt.   Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild

In die Kleidung eingenähte Sensoren könnten künftig Puls oder auch Blutdruck längerfristig überwachen. Forscher um Xiaonan Hui von der Cornell Universität in Ithaca (US-Bundesstaat New York) stellten im Fachmagazin «Nature Electronics» ein solches Verfahren vor.

Die Wissenschaftler verwenden dabei sogenannte RFID-Chips, die in anderen Bereichen schon millionenfach eingesetzt werden. Waschmaschinen sollen den Chips nichts anhaben können.

Die neue Technik könnte beispielsweise in Krankenhäusern oder Pflegeheimen genutzt werden. In den jeweiligen Zimmern müssten Antennen angebracht werden, die die Signale der Funkchips empfangen. «Unser System ist in der Lage, die Werte von mehreren Personen gleichzeitig zu überwachen», schreiben die Forscher.

In die Brusttasche eingenäht können die batterielosen Chips helfen, die Atemfrequenz zu messen. Gleichzeitig konnten die Forscher die Chips nutzen, um wie mit einem Radar Bewegungen des Herzens nachzuverfolgen. Über einen weiteren Chip am Handgelenk, der in eine Manschette eingenäht werden kann, lässt sich der Puls bestimmen. Durch Kombination der beiden Sensoren kann man den Blutdruck abschätzen.

Herkömmliche Messgeräte seien durch den nötigen Hautkontakt unkomfortabel, sie störten teils den Schlaf und schränkten die Bewegungsfreiheit von Patienten ein, betonen die Wissenschaftler. Ihr Ansatz sei hingegen unauffällig und vergleichsweise günstig.

«Wenn man Geld in die Entwicklung steckt, hat der Ansatz durchaus Potenzial», sagt der Physiker Wilhelm Stork vom Karlsruher Institut für Technologie, der nicht an der Studie beteiligt war. Er forscht an ähnlichen Möglichkeiten: Sein Team entwickelt Software, die nur über Bilder einer Videokamera Farbänderungen der Haut analysiert und darüber den Puls bestimmt. Ein Vorteil der komplizierteren Methode der US-amerikanischen Kollegen ist, dass sie auch Informationen über den Blutdruck liefern kann.

Viele Datenschützer und Ethiker sehen es allerdings kritisch, wenn immer mehr Gesundheitsdaten von kranken wie auch gesunden Menschen gemessen werden.

Wichtig sei, dass Betroffene von der Überwachung ihrer Vitalparameter wissen, betont der Theologe und Ethiker Andreas Lob-Hüdepohl von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin. In Pflegeheimen etwa dürften nicht ohne Einwilligung die Daten erhoben werden. Ohne umfassende Aufklärung und Zustimmung liege ein «fundamentaler Widerspruch zum Recht auf informationelle Selbstbestimmung» vor, betont Lob-Hüdepohl.

Noch ist unklar, wie zuverlässig die mit den Funkchips gewonnenen Daten sind. Bislang wurden die Systeme nur an einzelnen Probanden getestet. Somit ist die Methodik für medizinische Anwendungen alles andere als ausreichend erprobt.

Doch der Karlsruher Wissenschaftler Stork sieht weitere Einsatzmöglichkeiten. «Die Autoindustrie ist an derartigen Verfahren interessiert», erklärt er. Denn wenn der Bordcomputer feststellt, wie wach oder angespannt ein Fahrer ist, kann er womöglich durch Hinweise an den müden Lenker Unfälle vorbeugen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 11. 2017
10:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Blutdruck Blutdruckmessung Chips Ethiker Karlsruher Institut für Technologie Kleidung Medizintechnik Nature Pflegeheime Sensoren Wilhelm
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Krankenhaus

13.02.2020

Ärzte warnen vor Gesundheitsgefahren durch Klimaerwärmung

Gerade für ältere und kranke Menschen kann Hitze schnell zum Risiko werden - etwa indem die Blutdruckregulation erschwert wird. Mediziner warnen aber auch vor weiteren Auswirkungen des Klimawandels. » mehr

Herzpatient in der Sauna

31.01.2020

Dürfen Herzpatienten in die Sauna?

Schwitzen als Wellness: Gerade im Winter ist der Saunagang für viele Menschen liebgewonnene Gewohnheit. Auch für Herzpatienten ist die Sauna nicht tabu - die Eisdusche danach aber schon. » mehr

Battle Rope

31.01.2020

So funktioniert der Fitness-Trend HIIT

Wenig Zeit investieren, viel Gewicht verlieren. Das verspricht die Trainingsform HIIT. Kann das tatsächlich klappen? Ja, sagen Experten - teilweise. » mehr

Zu Hause Blutdruck messen

28.01.2020

Blutdruck-Werte aus der Arztpraxis oft zu hoch

Wenn man angespannt ist, steigt der Blutdruck. Das ist ganz normal, bei der Blutdruck-Messung beim Arzt aber schlecht. Denn das Ergebnis ist falsch - und damit oft die Dosis der Medikamente. » mehr

Hormon-Probleme bei Männern

06.01.2020

Wann lohnt sich ein Hormon-Check für Männer?

Das Hormon Testosteron spielt im Stoffwechsel von Männern eine entscheidende Rolle. Doch die Produktion lässt mit dem Alter oft nach. Dagegen gibt es Mittel - doch allein damit ist es nicht getan. » mehr

Hausarztbehandlung

22.10.2019

Erwartung des Arztes beeinflusst Patienten-Schmerzempfinden

Ist der Arzt überzeugt von der Behandlung oder zweifelt er selbst am Erfolg? An der Mimik des Mediziners können Patienten das einer Studie zufolge in bestimmten Fällen ablesen. Das kann die Wahrnehmung der tatsächlichen ... » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 11. 2017
10:00 Uhr



^