Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Besonderes Kirchgeld: Die Steuer nach dem Kirchenaustritt

Mit dem Austritt aus der Kirche entfällt die Kirchensteuer. Einen Schlussstrich bedeutet das aber nicht immer: Wenn der Ehepartner weiter Mitglied ist, kann sich sein Beitrag sogar erhöhen.



Besonderes Kirchgeld
Tritt nur ein Partner aus der Kirche aus, kann sich das auf die Steuerzahlungen des anderen auswirken.   Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Wer aus der Kirche austritt, zahlt anschließend keine Kirchensteuer mehr. Dennoch kann ein Teil des Einkommens an die Glaubensgemeinschaft fließen, wenn der Ehepartner weiter Mitglied ist.

In manchen Teilen Deutschlands muss er das besondere Kirchgeld zahlen, wenn das sogenannte glaubensverschiedene Ehepaar eine gemeinsame Steuererklärung abgibt.

Das Finanzamt berechnet diesen Beitrag auf der Grundlage des gemeinsam zu versteuernden Einkommens. Diese Praxis hat das Bundesverfassungsgericht mehrmals bestätigt (Az.: 2 BvR 816/10). Gestaffelt nach Einkommen werden nach Angaben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz jährlich zwischen 96 und 3600 Euro fällig, die das Kirchenmitglied anstelle der Kirchensteuer zahlt.

Einer zahlt für zwei

Das besondere Kirchgeld wird nur dann erhoben, wenn es die Kircheneinkommensteuer übersteigt. Dies kann dazu führen, dass ein Mitglied nun mehr Geld an die Kirche zahlt, weil der Partner ausgetreten ist.

Ein Beispiel: Eine gut verdienende Ingenieurin ist aus der Kirche ausgetreten. Ihr Ehemann, der als Friseur ein geringeres Gehalt bekommt, ist weiter Mitglied. Die beiden lassen sich steuerlich gemeinsam veranlagen. Da zur Berechnung des Beitrags an die Kirche das gemeinsame zu versteuernde Einkommen berücksichtigt wird, zahlt der Friseur mehr als zuvor. Denn zuvor wurde die Hälfte der Kirchensteuer seiner Partnerin zugerechnet.

Dies gilt allerdings nicht in allen Regionen Deutschlands: Das besondere Kirchgeld verlangen die römisch-katholischen Bistümer außerhalb Bayerns, Baden-Württembergs und Nordrhein-Westfalens sowie alle evangelischen Landeskirchen bis auf die bayerische.

Wie der Austritt problemlos funktioniert

Mit dem Austritt aus der Kirche endet dagegen die Pflicht, Kirchensteuer zu zahlen, erklärt Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine. Er rät: «Beim nächsten Steuerbescheid sollte man genau schauen, dass die Kirchensteuer nur für diesen Teil des Jahres, in dem man noch in der Kirche war, berechnet wird.»

Der Austritt ist nur persönlich bei der zuständigen Stelle möglich. Je nach Bundesland ist dies das Amtsgericht oder das Standesamt. Einen Grund muss niemand angeben, der austreten möchte. «In der Regel kostet das eine einmalige Gebühr», so Nöll.

Wer aus der Kirche ausgetreten ist, sollte dann prüfen, dass die Änderung auf der Lohnsteuerkarte vermerkt ist. Sonst wird weiter die Kirchensteuer erhoben. Mit der Bescheinigung des Austritts können dies ehemalige Mitglieder im Zweifel nachweisen.

Kirchensteuern können als Sonderausgaben geltend gemacht werden

Die Belastung durch die Kirchensteuer ist aber auch für Mitglieder geringer als die veranschlagte Kirchensteuer, erklärt Nöll. «Kirchensteuer ist wie Spenden in voller Höhe steuerlich absetzbar. Sie wird bei den Sonderausgaben geltend gemacht und entsprechend des Steuersatzes gibt es eine Steuererstattung.»

Ausgenommen ist allerdings die Kapitalertragsteuer, die Banken automatisch einbehalten, sobald der jährliche Freibetrag auf Zins- und Dividendeneinkünfte (801 Euro, für Ehepaare 1602 Euro) überschritten ist. Bei der Berechnung berücksichtigt das Geldinstitut die Kirchensteuer bereits.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 09. 2019
04:23 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bischofskonferenzen Bundesverfassungsgericht Deutsche Bischofskonferenz Ehepartner Evangelische Kirche Evangelische Kirche in Deutschland Kapitalertragsteuer Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Kirchenaustritte Kirchensteuer Lohnsteuerhilfevereine Römisch-katholische Kirche Steuer-Rückerstattungen Steuern und staatliche Abgaben Steuersätze
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Steuerersparnis

11.09.2019

Mit Modernisierungen Steuern sparen

Neue Fenster in der Wohnung einsetzen, Wärmedämmung am Haus anbringen: Modernisierungen sind meist mit hohen Kosten verbunden. Ein Teil davon kann in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Worauf müssen Eigentümer a... » mehr

Für die Steuererklärung

27.08.2019

So beteiligen Eltern den Fiskus am Schulgeld

Eltern können Ausgaben für Privatschulen steuerlich geltend machen und von der Steuer absetzen. Darunter zählen allerlei Kosten, wie zum Beispiel Beherbergung und Verpflegung. » mehr

Geldscheine

22.05.2019

Ein Aktiensplit ist steuerfrei

Erhalten Anleger wegen einer Unternehmensspaltung neue Aktien, müssen sie darauf keine Kapitalertragssteuer zahlen. Das zeigt ein Fall im Zusammenhang mit einem Spin-off-Geschäft vor dem Finanzgericht Düsseldorf. » mehr

Steuererklärung

07.08.2019

Was Vermieter bei der Steuererklärung alles absetzen können

Maklerhonorare, Müllabfuhr, Fahrten zur Wohnung: Wer vermietet, hat Ausgaben. Doch welche Posten können von der Steuer abgesetzt werden? » mehr

Einspruch beim Finanzamt

05.08.2019

Einspruch beim Finanzamt hat einen Monat Zeit

Wenn der Steuerbescheid eine unerfreuliche Überraschung ist, können Steuerpflichtige Einspruch einlegen. Lange zögern sollten sie aber nicht - und Nachteile darf der Protest ihnen auch nicht bringen. » mehr

Lebensversicherung

12.07.2018

Auszahlung von Lebensversicherung in Steuererklärung angeben

Bestimmte Lebensversicherungen sind steuerlich begünstigt. Versicherungen müssen auf die Erträge allerdings zunächst die volle Kapitalertragsteuer abführen. Für den Vorteil ist deshalb unter Umständen eine Steuererklärun... » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 09. 2019
04:23 Uhr



^