Lade Login-Box.
Topthemen: Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Gewinn aus Enteignung muss nicht versteuert werden

Wird ein Grundstück enteignet, erzielen Eigentümer aus dem Veräußerungsgeschäft manchmal einen Gewinn. Ob das Finanzamt dafür Steuern verlangen darf, hatte das Finanzgericht Münster zu klären. Hier das Urteil:



Finanzgericht Münster
Eine Enteignung ist nicht als freiwilliges Veräußerungsgeschäft anzusehen, so das Finanzgericht Münster. Daher sind Steuern auf den Gewinn nicht zulässig.   Foto: Friso Gentsch

Wird ein Grundstück oder Haus von der Stadt enteignet, müssen Eigentümer einen hieraus erzielten Gewinn nicht versteuern. Dies hat das Finanzgericht Münster entschieden (Az.: 1 K 71/16 E).

«Das Urteil ist für alle Immobilieneigentümer wichtig, die innerhalb von zehn Jahren nach Anschaffung des Grundstücks enteignet werden», sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler.

Sonst lautet eine Grundregel: Wer eine Immobilie innerhalb von zehn Jahren nach dem Kauf mit Gewinn verkauft, muss dafür Einkommensteuer zahlen, die oft auch als Spekulationssteuer bezeichnet wird. Das gilt nicht, wenn das Grundstück nur selbst bewohnt wurde oder es zwar unbewohnt war, aber nicht verkauft, sondern enteignet wurde.

So war es im verhandelten Fall. Der Kläger hatte ein unbebautes Grundstück für 425.000 Euro erworben. Drei Jahre nach diesem Kauf enteignete es die Stadt im Rahmen eines Bodensonderungsverfahrens. Als Entschädigung zahlte sie dem Eigentümer 600.000 Euro. Das Finanzamt stufte das als privates Veräußerungsgeschäft ein. Da zwischen Kauf und Enteignung weniger als zehn Jahre vergangen waren, stellte es einen steuerpflichtigen Gewinn von rund 175.000 Euro fest.

Zu Unrecht, entschied das Finanzgericht Münster . Demnach ist eine Enteignung nicht als freiwilliges Veräußerungsgeschäft anzusehen: Es fehle dem Verkäufer an einem rechtsgeschäftlichen Verkaufswillen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig - das Finanzgericht hat Revision gegen das Urteil zugelassen. Das Verfahren ist jetzt vor dem Bundesfinanzhof anhängig (Az.: IX R 28/18).

«Dennoch profitieren auch andere Steuerzahler von dem Gerichtsverfahren», sagt Klocke. Verlangt das Finanzamt für den Gewinn aus einer angeordneten Enteignung Spekulationssteuer, kann man Einspruch gegen den Einkommensteuerbescheid einlegen und beantragen, das Verfahren ruhen zu lassen. Dann bleibt der eigene Steuerfall bis zu einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs in dem Präzedenzfall offen und kann später noch geändert werden. «Der Vorteil liegt darin, dass man nicht selbst klagen muss, es genügt ein Einspruch», so Klocke. Zur Begründung des Einspruchs sollte das Aktenzeichen beim Bundesfinanzhof genannt werden.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
27. 03. 2019
04:27 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bund der Steuerzahler Bundesfinanzhof Enteignung Finanzgericht Münster Finanzämter Grundstücke
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Steuern für Überstunden

10.07.2019

Für nachgezahlte Überstunden gilt ermäßigter Steuersatz

Für nachträglich vergütete Überstunden fallen nur ermäßigte Steuern an. Warum ist das so? Und welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein? » mehr

Zweitwohnung steuerlich absetzen

14.08.2019

Finanzamt muss zweiten Wohnsitz während Jobsuche anerkennen

Kosten für den Zweitwohnsitz können bei der Steuer berücksichtigt werden. Das gilt auch, wenn der Arbeitnehmer seine Stelle verliert, wie ein Gerichtsurteil aus Münster zeigt. » mehr

Steuererklärung

16.08.2019

Reisekosten der Ehefrau vom Finanzamt nicht anerkannt

Die berufliche Reise mit der privaten zu verbinden, könnte zu einer Steuerersparnis führen. Das dachte zumindest eine Steuerberater, der die Reisekosten seiner Ehefrau ebenfalls dem Finanzamt vorlegte. » mehr

Steuerformular und Tabletten

12.06.2019

Krankheitskosten von der Steuer absetzen

Krankheitskosten können nur dann steuerlich geltend gemacht werden, wenn ein Eigenanteil überschritten ist. Laut Experten lohnt es sich dennoch, alle Kosten steuerlich anzugeben - denn die Reglung könnte bald hinfällig s... » mehr

Erbschaftsteuer ohne Stufenregelung

06.06.2019

Beim Erben und Schenken an die Steuer denken

Wer erbt oder beschenkt wird, muss Steuern zahlen. Durch eine Schenkung können jedoch auch Abgaben ans Finanzamt gespart werden, denn alle 10 Jahre greifen die Steuerfreibeträge neu. » mehr

Wohnungen

01.05.2019

Hausverkauf bleibt trotz Kurzzeit-Vermietung steuerfrei

Wenn Immobilienbesitzer ein Haus oder eine Wohnung verkaufen, müssen sie den Gewinn nicht immer versteuern. Welche Kriterien dafür erfüllt sein müssen, zeigt ein Urteil aus Baden-Württemberg. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
27. 03. 2019
04:27 Uhr



^