Lade Login-Box.
Topthemen: Ministerpräsidentenwahl ThüringenFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Von ungeliebten Lebensversicherungen trennen

Im Notfall lässt sich eine Lebensversicherung immer kündigen. Versicherte kommen so meist schnell an ihr Geld. Doch es gibt bessere Methoden. Worauf Sie dabei achten sollten.



Lebensversicherung verkaufen
Wer mit seiner Lebensversicherung nicht mehr zufrieden ist, muss sie nicht gleich kündigen. Ein Verkauf kann auch eine Option sein.   Foto: Kai Remmers/dpa-tmn » zu den Bildern

Die Lebensversicherung war einst ein Klassiker, um für das Alter vorzusorgen. Noch immer besitzen die Deutschen nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherer (GDV) rund 82 Millionen Verträge. Allerdings sind die Zahlen rückläufig.

Viele Kunden kündigen ihren Vertrag, sei es aus Enttäuschung über die letzte Standmitteilung, die der Versicherer jedes Jahr verschickt oder Geldmangel. Doch die Kündigung ist nicht immer die beste Lösung.

«Wer seine Lebensversicherung kündigt, wird dafür bestraft, die Vertragslaufzeit nicht durchzuhalten», erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. «Die Versicherung zahlt dann nur den geringen Rückkaufswert aus.» Gerade bei neueren Verträgen kann es sein, dass der Versicherte aber mehr eingezahlt hat, als er dann herausbekommt.

Verkaufen statt kündigen

Eine bessere Option kann sein, die Lebensversicherung zu verkaufen. Spezielle Anbieter führen den Vertrag weiter, zahlen also bis zum Ende der Laufzeit die Beiträge. Dafür erhalten sie dann am Ende die Auszahlung, von der sie sich einen Gewinn erhoffen.

Dafür zahlen sie dem Versicherten etwas mehr als den Rückkaufswert. Bis zu 5 Prozent Aufschlag sind drin, sagt Kerstin Becker-Eiselen, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg. «Das hängt aber sehr vom Vertrag ab. Über den Preis bestimmen unter anderem die Garantieverzinsung, die Restlaufzeit des Vertrags und von welchem Versicherer er ist.»

Nicht für jede Police findet sich ein Käufer

In der heutigen Zeit der niedrigen Zinsen sollten Verbraucher beim Verkauf keine Wunder erwarten, warnt die Expertin. Es sei schwierig, mit den Policen derzeit noch Geld zu verdienen. «Es kann sogar sein, dass sich niemand findet, der die Lebensversicherung abkaufen möchte. Verträge, die nicht lukrativ sind, die erst eine kurze Laufzeit haben oder die fondsgebunden sind, lassen sich nur schwer verkaufen.»

Viele Aufkäufer haben Grundvoraussetzungen, die eine Lebensversicherung erfüllen muss. Zum Beispiel verlangen sie einen Mindestrückkaufswert, der meist 10 000 Euro, manchmal auch 5000 Euro beträgt. Außerdem sollen die Verträge in der Regel noch eine gewisse Zeit laufen.

Ältere Verträge lohnen sich oft noch

Doch auch wenn der Verkauf eine bessere Option ist, sollte sich niemand leichtfertig von seiner Lebensversicherung trennen. Vor allem, wenn es um größere Summen geht, sollten Versicherte unbedingt durchrechnen, ob es sich nicht doch lohnt, den Vertrag durchzuhalten, betont Boss. «Verträge, die noch gekauft werden, haben oft eine gute Verzinsung. Daher sollten diese grundsätzlich eher behalten werden, außer der Besitzer braucht wirklich das Geld.»

Becker-Eiselen warnt davor, mit der Lebensversicherung auch eine wichtige Zusatzversicherung zu verlieren: «Oft hängt an der Police als Zusatz eine Berufsunfähigkeitsversicherung dran. Die lässt sich in der Regel nicht alleine fortführen und geht dann verloren, weil der Aufkäufer die Zusatzversicherung kündigt.» Ein neuer BU-Vertrag ist aber meist viel teurer.

Versicherte, die ihre Lebensversicherung vor 2008 abgeschlossen haben, haben möglicherweise sogar noch eine bessere Alternative, als zu verkaufen, erklärt Becker-Eiselen: «Sofern die Widerspruchserklärung der Lebensversicherung fehlerhaft war, können Verbraucher ihrer Police noch heute widersprechen.» Dann erhalten sie ihre Beiträge zurück und womöglich zusätzlich Zinsen.

Mehrere Angebote einholen lohnt sich

Steht einmal die Entscheidung, die Versicherung zu verkaufen, sollten Verbraucher darauf achten, einen seriösen Aufkäufer zu finden. «Es gibt dubiöse Unternehmen, die zum Beispiel einen höheren Kaufpreis versprechen, die Zahlung aber in die Zukunft verschieben», berichtet Becker-Eiselen. Darauf sollte sich niemand einlassen. Seriöse Anbieter zahlen sofort. Boss empfiehlt, nur Aufkäufer zu wählen, die im Bundesverband Zweitmärkte Lebensversicherungen (BVZL) Mitglied sind. Der Verband verpflichtet sich zu Mindeststandards.

Es ist außerdem sinnvoll, bei mehreren Unternehmen Angebote einzuholen und zu vergleichen. Schließlich ist es möglich, dass der Aktuar eines Aufkäufers die Renditechancen der Lebensversicherung ein bisschen anders einschätzt, als ein anderer und so noch etwas mehr beim Kaufpreis drauflegt.

Mit dem Verkauf der Lebensversicherung ist der Versicherte nicht alle Pflichten los. Denn er bleibt weiterhin der Versicherte - der Todesfallschutz der Police besteht zumindest bei guten Anbietern weiterhin. «Nach dem Verkauf sollte er seine Unterlagen deshalb auf jeden Fall aufheben. Stirbt der Versicherte, müssen seine Erben die Versicherung davon unterrichten», rät Becker-Eiselen. Die Todesfallsumme bekommt dann zwar der Aufkäufer ausgezahlt, er überweist es aber an die Erben, abzüglich des Kaufpreises.

Gewinn muss unter Umständen versteuert werden

Außerdem sind auf den Verkaufspreis Steuern fällig, zumindest wenn die Lebensversicherung ab 2005 abgeschlossen wurde, weiß Erich Nöll, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine. «Der Versicherer informiert das Finanzamt über den Verkauf, führt aber keine Steuer ab. Der Verbraucher muss den Verkauf selbst in seiner Steuererklärung in der Anlage KAP angeben.»

Steuern sind nur auf den Gewinn fällig, also die Verkaufssumme minus der eingezahlten Beiträge. Der Verbraucher zahlt darauf 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.

«Vor dem Verkauf sollten die Versicherten deshalb mal durchrechnen, was am Ende vom Verkaufspreis übrigbleibt», rät Nöll. Bei einem sehr schlechten Geschäft lässt sich immerhin auch der Verlust steuerlich geltend machen.

Veröffentlicht am:
12. 02. 2020
04:23 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abgeltungssteuer Kaufpreise Kunden Lohnsteuerhilfevereine Steuern und staatliche Abgaben Verkaufspreise Versicherungen Versicherungskunden Versicherungsmathematiker Versicherungsunternehmen Zusatzversicherung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Julia Alice Böhne

19.02.2020

Ist die Risikolebensversicherung sinnvoll oder überflüssig?

An den Tod denkt niemand gerne. Vor allem Familien sollten sich damit aber beschäftigen. Denn stirbt ein Elternteil, stehen Hinterbliebene oft vor finanziellen Problemen. Doch es gibt eine Lösung. » mehr

Neujahr

19.12.2019

Mit fünf Tipps vor Jahresende Steuern sparen

Belege sortieren und den Taschenrechner zücken? In der Vorweihnachtszeit können sich die meisten Schöneres vorstellen. Doch mit etwas Planung lassen sich so Steuern sparen. Die Uhr tickt. » mehr

BU-Versicherung für Kinder

22.01.2020

Lohnt eine BU-Versicherung für Kinder?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist wichtig. Verträge sind aber oft teuer. Lohnen kann sich daher ein früher Abschluss. Verträge gibt es sogar schon für Kinder. Lohnt sich das? » mehr

Geld von der Versicherung

14.08.2019

Wie Versicherer die Gliedertaxe berechnen

Wie sehr beeinträchtigt es einen Menschen, ein Bein zu verlieren? Oder ein Auge? Die Versicherungen berechnen den Invaliditätsgrad eines Unfallopfers mit der Gliedertaxe. » mehr

Anlage Kind mit Schnuller

22.01.2020

Woran Unverheiratete vor Geburt ihres Kindes denken müssen

Was früher selten war, ist inzwischen normal: ohne Trauschein Eltern werden. Rechtlich haben unverheiratete Paare im Prinzip keine Nachteile. Sie müssen aber einige Formalitäten erledigen. » mehr

Bargeld im Verein

15.01.2020

Schatzmeister hüten im Verein das Geld

Abrechnen, Erstatten und noch einiges mehr: Alles, was mit Finanzen zu tun hat, läuft im Verein über den Schatzmeister. Er trägt damit eine große Verantwortung. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
12. 02. 2020
04:23 Uhr



^