Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagtCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFolgen Sie uns auf Instagram

 

Händler verzichten auf Silvesterböller

Erste Supermärkte verbannen Feuerwerk aus dem Sortiment. Marktleiter sprechen von Umweltschutz, Hersteller von einer Scheindebatte. Ob der Böller-Boykott zum Trend wird, entscheidet sich wohl nächstes Jahr.



Feuerwerk
Umweltsünder Rakete: Einzelhändler verbannen Feuerwerk aus ihrem Sortiment.   Foto: Christophe Gateau/dpa

Böllern oder nicht Böllern: Kurz vor dem Jahresende erreicht die Klimadiskussion auch den Handel mit Silvesterfeuerwerk. Eine ganze Reihe von Einzelhändlern verzichtet in diesem Jahr erstmals auf das lukrative Geschäft mit Krachern und Raketen, um einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.

«Die Knallerei dauert eine Stunde, aber Tierschutz und saubere Luft wollen wir 365 Tage im Jahr. Das passt nicht zusammen», sagt etwa Uli Budnik. Seine Rewe-Märkte im Dortmunder Süden macht er in diesem Jahr zur böllerfreien Zone.

Deutsche Umwelthilfe

Vielen Umweltschützern ist die Böllerei an Silvester schon seit Jahren ein Dorn im Auge, weil sie Feinstaub verursache und gefährlich für Kinder und Tiere sei. Die der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sieht nun die Zeit für Veränderungen gekommen, da die Konsumenten so umweltbewusst sind wie lange nicht. «Wir hoffen, dass ein Ruck durch die Gesellschaft geht und die Menschen in diesem Jahr weniger Böller und Raketen kaufen», sagt DUH-Chef Jürgen Resch. Anfang 2020 wolle man die Händler auffordern, den Feuerwerks-Verkauf komplett einzustellen.

Die Forderung nach einem Böller-Verzicht stößt inzwischen bei immer mehr Händlern auf offene Ohren. Als prominentester Vertreter kündigte die Baumarktkette Hornbach jüngst an, von 2020 an in Deutschland kein Feuerwerk mehr ins Sortiment zu nehmen. Für dieses Jahr war es zu spät, die Ware war schon geliefert. Einige Kaufleute bei Rewe und Edeka verzichteten aber auch in diesem Jahr schon auf das Geschäft mit Silvesterböllern.

Der Bochumer Edeka-Händler Alexander Elskamp etwa bietet kein Feuerwerk mehr an. Er beklagt eine «Doppelmoral in der Bevölkerung». Das Thema Feinstaub sei in aller Munde, nur an Silvester nicht. Aber Elskamp sagt auch: «Wir erheben nicht den Zeigefinger und wollen niemanden maßregeln, der gerne Feuerwerk zündet.» Die Baumarktkette Bauhaus kündigte an, im kommenden Jahr «das Sortiment an Feuerwerk und Böllern in Hinblick auf Nachhaltigkeit komplett zu überarbeiten». Das könne auch einen kompletten Verzicht bedeuten.

Händler, die die Silvesterknaller aus Umweltschutzgründen aus dem Angebot nehmen, gehen durchaus ein gewisses Risiko ein. «Wir verzichten auf den Umsatz, und wir wissen nicht, wie die Kunden reagieren», sagt Christoph Windges, der einen der größten Edeka-Märkte Nordrhein-Westfalens betreibt und in diesem Jahr ebenfalls keine Silvesterknaller im Angebot hat. Schließlich könne der Kunde einfach in den nächsten Supermarkt gehen und dort seine Einkäufe erledigen.

Rund 133 Millionen Umsatz

Deutschlandweit hat die Branche im vergangenen Jahr rund 133 Millionen Euro Umsatz mit Böllern und Raketen gemacht, und geht von ähnlichen Werten in diesem Jahr aus. Angesichts der Zahl gibt sich der Verband der pyrotechnischen Industrie weiter selbstbewusst. Man habe es mit einer «Scheindebatte» zu tun, heißt es. Feuerwerk sei deutlich weniger schädlich als oft behauptet. Hornbachs Böller-Boykott nennt der Verband einen «Marketing-Gag». Von den 33 000 Outlets in Deutschland verzichteten ohnehin nur wenige auf den Verkauf.

Auch Branchenkenner Uwe Krüger vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) geht davon aus, dass die Nachfrage weiter hoch bleibt. «Ich glaube nicht, dass die Konsumenten dieses Jahr weniger Geld für Feuerwerk ausgeben werden», sagt er. «Die Nachfrage ist ungebrochen und der Handel wäre schlecht beraten, diese nicht zu bedienen.» So haben Aldi, Lidl, Kaufland und Real angekündigt, an dem Geschäft mit der Knallerei festhalten zu wollen, weil es die Kunden so wünschen.

Was machen große Ketten?

Für Firmen wie Weco könnte es an die Existenz gehen, sollten sich im kommenden Jahr auch die großen Ketten dem Boykott anschließen. Doch beim deutschen Branchenführer gibt man sich gelassen. Hornbach habe zuletzt ohnehin «keine nennenswerten Silvesterumsätze» gemacht. Mit den Großkunden dagegen stehe man schon in Verhandlungen für Silvester 2020 und sehe dort «noch keinerlei Anzeichen für Verzichtsabsichten».

«Solange die großen Discounterketten nicht mitziehen, wird sich wenig tun», glaubt auch der Experte Krüger. Und wenn doch, könnten viele Böller ohne Sicherheitsabzeichen in den Umlauf kommen, warnt er. «Die Erfahrung zeigt: Je stärker die Kunden eingeschränkt werden, desto eher wandern sie ins Internet ab. Und da gibt es auch gefährliche Waren.»

Der Dortmunder Rewe-Marktleiter Uli Budnik hat die georderten Kartons mit Silvesterfeuerwerk dennoch abbestellt, seine Entscheidung über Facebook kundgetan - und fast nur positives Echo bekommen, wie er sagt. Und er klingt entschlossen, wenn er ankündigt: «Wir werden das auch im nächsten Jahr beibehalten. Geld verbrennen kann jeder, wie er will. Aber wir machen da nicht mit.»

Veröffentlicht am:
17. 12. 2019
09:59 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aldi Gruppe Deutsche Umwelthilfe Edeka-Gruppe Einzelhändler Facebook Feinstaub Handel und Vertrieb Händler Kaufland Kunden Lidl Produktionsunternehmen und Zulieferer Rewe Gruppe Supermärkte Umweltschutz Umweltschützer Verbraucherinnen und Verbraucher
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Ware mit dem Smartphone scannen

21.07.2020

Wenn das Handy die Ladenkasse ersetzt

Vor der Kasse in der Schlange zu stehen, macht keinen Spaß. Das gilt besonders in Corona-Zeiten. Immer mehr Händler testen deshalb Möglichkeiten, wie der Kunde die Ware mit dem eigenen Handy selbst erfassen und ohne lang... » mehr

Kassenbonpflicht

30.12.2019

Was ändert sich für Verbraucher 2020?

Egal, ob es um den Erwerb von Autos, E-Books oder Tampons geht, ums Reisen oder den Lebensmitteleinkauf: Für Verbraucher ändert sich 2020 Einiges. Ein Überblick über die wichtigsten Neuerungen. » mehr

Einkaufen im Supermarkt

03.05.2019

Deutsche kaufen Lebensmittel lieber im Supermarkt

Selbst der US-Gigant Amazon konnte die Machtverhältnisse im Lebensmittelhandel bislang nicht verändern. Bei Fleisch, Obst und Gemüse bleiben die Verbraucher Edeka, Rewe, Aldi und Lidl treu. Aber wird das immer so bleiben... » mehr

Bonpflicht

06.02.2020

Verbraucher bei Bonpflicht gespalten

Quittungen für Kleckerbeträge beim Bäcker oder in der Apotheke? Viele Bundesbürger lehnen die Bonpflicht ab - vor allem aus Umweltgründen. Doch auch die Gruppe der Befürworter ist relativ groß. Und digitale Alternativen ... » mehr

Online-Shop

13.01.2020

Warum im Netz immer mehr Marktplätze entstehen

Online-Marktplätze wie Amazon oder Ebay sind für die Verbraucher wegen des großen Angebots attraktiv. Deshalb öffnen inzwischen auch immer mehr Handelsketten ihre Online-Shops für Drittanbieter. Doch die Hürden für einen... » mehr

Black-Friday-Rummel

26.11.2019

Black-Friday-Rummel zieht sich in die Länge

Noch hat das Weihnachtsgeschäft gar nicht richtig begonnen, da lockt der Handel schon mit Sonderangeboten. Zahllose Rotstiftaktionen sollen am Black Friday die Kauflust der Verbraucher wecken. Doch die Sache hat ein paar... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
17. 12. 2019
09:59 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.