Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

 

Wie man mit Inkassoforderungen umgehen sollte

Ein Schreiben von einem Inkassounternehmen verursacht erst einmal einen Schreck. Doch nicht immer ist die Forderung berechtigt. Verbraucher können das an bestimmten Merkmalen sogar selbst erkennen.



Post vom Inkassobüro
Wer Post von einem Inkassobüro bekommt, bekommt erst einmal einen Schreck. Die gute Nachricht: Nicht immer ist die Forderung auch berechtigt.   Foto: Jens Büttner/dpa » zu den Bildern

Eine Rechnung nicht bezahlt, auf Mahnungen nicht reagiert - und auf einmal liegt Post von einer Inkassofirma im Briefkasten. Nicht jedes Schreiben, das Verbraucher erhalten, stammt von einem seriösen Unternehmen.

Und viele Forderungen, die verschickt werden, sind nicht berechtigt, wie Erfahrungen der Verbraucherzentrale Brandenburg zeigen.

Von Februar bis November 2018 sammelten die Verbraucherschützer über die Internetseite inkasso-check.de die Erfahrungen von mehr als 40.000 Nutzern ein. Das Ergebnis: Mehr als 20 Prozent der Forderungen wurden auf Basis der Nutzerangaben als unberechtigt eingestuft.

Das Problem: Zahlungsaufforderungen durch Inkassounternehmen setzen die Empfänger oft unter großen Druck. Wichtig deshalb aus Sicht von Michèle Scherer von der Verbraucherzentrale Brandenburg: «Immer erst einmal Ruhe bewahren» und das Schreiben unter die Lupe nehmen.

Denn die Inkassofirma muss Angaben sowohl zur Forderung als auch zum Gläubiger machen - also welche Firma sie beauftragt und welchen Grund die Sache hat. «Verbraucher erkennen so schnell, ob die Forderung berechtigt ist», sagt Marco Weber vom Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) in Berlin.

Forderung überprüfen und gegebenenfalls widersprechen

Auf den Internetseiten der Verbraucherschützer können Empfänger ihre Forderungen im Zweifel überprüfen. Gegebenenfalls bekommen sie einen Musterbrief, den sie direkt an die Inkassofirma senden können - zum Beispiel, um der Forderung zu widersprechen.

Generell gilt: «Inkassounternehmen müssen bei Gerichten zugelassen und registriert sein», erklärt Eugénie Zobel von der Stiftung Warentest in Berlin. Entsprechend sind Inkassounternehmen im Internet im Rechtsdienstleistungsregister gelistet.

«Auch die Mitgliedschaft im BDIU ist ein Indiz für Seriosität», betont Weber. Bei dem Verband gibt es eine Beschwerdestelle, an die sich Verbraucher bei Problemen mit Inkassofirmen wenden können. In kniffligen Angelegenheiten kann der BDIU schlichten und das Mitgliedsunternehmen muss sich an den Schlichtungsspruch halten.

In der Branche tummeln sich aber viele schwarze Schafe. Vermeintliche Inkassofirmen verschicken Zahlungsaufforderungen auch oft per Mail, die mit Drohungen wie weiteren Mahnungen, Gerichtsvollzieher und Lohnpfändung gespickt sind. «Mit solchen Mails wird reine Abzocke versucht», warnt Zobel.

Darauf weist auch Weber hin: «Im Moment kursieren wieder frei erfundene Forderungen angeblicher Inkassounternehmen, etwa über Gewinnspiele oder für die Inanspruchnahme von Erotikdiensten», erklärt der Verbandsvertreter. Das Geld dafür sollen die Empfänger von Zahlungsaufforderungen auf ausländische Konten überweisen - was Betroffene an der IBAN leicht erkennen.

MAhnungen per Mail ignorieren

Weber rät, auf betrügerische Mahnungen per Mail gar nicht zu reagieren und sie umgehend zu löschen. Betroffene sollten am besten die Polizei informieren. Kommt die betrügerische Mahnung per Brief, sollte dem schriftlich widersprochen werden.

Aber auch bei berechtigten Forderungen darf nicht alles abgerechnet werden. «Betroffene sollten jede Position hinterfragen», rät Verbraucherschützerin Scherer. «Die Inkassoforderungen sind unserer Ansicht nach oft überhöht.» Stellt das Unternehmen etwa Zinsen in Rechnung, dann muss es detailliert aufschlüsseln, wie diese berechnet werden. Zinsforderungen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszins sind zulässig.

Kosten für die Ermittlung einer Adresse oder Nachfragen beim Einwohnermeldeamt dürfen nur dann erhoben werden, wenn der säumige Zahler umgezogen ist und dies nicht dem ursprünglichen Vertragspartner mitgeteilt hat. «Die Kosten werden durch die Stadt- oder Gemeindeverwaltung festgelegt und können insofern variieren», erklärt Scherer.

Keine Kosten fallen an, wenn das Inkassounternehmen die Forderung gekauft hat. Dann nämlich betreibt es das Inkasso in eigener Sache. Massives Unter-Druck-setzen mit einem Eintrag bei der Schufa oder einer anderen Auskunftei sind ebenfalls nicht rechtens.

Veröffentlicht am:
23. 01. 2019
10:57 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Betrug Marco Weber Musterbriefe Polizei Schufa Stiftung Warentest Verbraucherschützer Verbraucherzentralen Zahlungsaufforderungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Niels Nauhauser

26.08.2020

Suchportal für Girokonten mit Tüv-Zertifikat

Kostenlos oder nicht, nur online oder mit Beratung in der Filiale? Wer ein Girokonto sucht, hat viele Fragen. Bei der Auswahl helfen soll nun ein Tüv-zertifiziertes Vergleichsportal. Was bringt das? » mehr

Bei Geldanlage nicht auf Sicherheit vertrauen

22.07.2020

Sparer dürfen nicht auf Sicherheit vertrauen

Absolute Sicherheit, hohe Zinsen, garantierter Ertrag: Wird mit diesen Versprechungen für eine Geldanlage geworben, sollten Sparer abwinken. Das Risiko ist oft unkalkulierbar. » mehr

Schufa

23.09.2020

Scoring soll Hinweise über Kreditwürdigkeit geben

Auskunfteien wie die Schufa und Co. bewerten die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern. Nicht immer sind an die Auskunfteien übermittelte Daten richtig - Verbraucher sollten auf Korrektur drängen. » mehr

Sparen

25.11.2020

Was bringen verzinste Sparprodukte?

Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld oder Anleihen - sind sicher. Zumindest gegen Kursverluste. Aber sind die Produkte auch alle gleichermaßen geeignet für die Geldanlage? » mehr

Immobilienanlage

16.09.2020

Genossenschaften sind keine Anlageobjekte

Gemeinsam geht es besser - das ist das Motto von Genossenschaften. Die Idee, dass viele Mitglieder gemeinsam an einem Ziel Arbeiten, ist beliebt. Dubiose Anbieter nutzen das gute Image aus. » mehr

Finanzberatung

07.10.2020

Kann ich einem Finanzberater beim Vermögensaufbau vertrauen?

Finanzberatung ist Vertrauenssache. Doch denken Berater wirklich stets nur an die Bedürfnisse ihrer Kunden? Klar ist: Nicht immer zahlen sich Empfehlungen aus. Als Kunde muss man daher kritisch sein. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
23. 01. 2019
10:57 Uhr



^