Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

 

Fertig geschmückte Weihnachtsbäume per Mausklick

In Zeiten des Online-Shoppings kann man vieles bequem im Internet bestellen - auch Christbäume. Erste Händler gehen einen Schritt weiter und liefern ihre Tannen direkt mit Dekoration. Ein neuer Trend oder doch eher ein Nischenphänomen?



Gianni Kunstmann
Gianni Kunstmann, Tannenbaumhändler, bereitet einen Weihnachtsbaum für den Versand vor. Im Internet bestellte Weihnachtsbäume sind in Zeiten des Online-Shoppings keine Seltenheit mehr.   Foto: Daniel Bockwoldt

Wer Gianni Kunstmann beim Schmücken eines Weihnachtsbaums zusieht, merkt, dass hier ein Profi am Werk ist: Flink umwickelt der Hamburger Tannenhändler den kleinen Baum vor ihm mit einer Lichterkette, dann hängt er in gleichmäßigem Abstand mehr als 60 kleine Kugeln an die Zweige.

In Rot und Silber soll der Baum schimmern, so hat es sich die Kundin gewünscht. Die Kundin - das ist die Krankenschwester Petra Steuber. Nach einer Knie-Operation ist sie noch nicht wieder ganz fit und hat sich ihren Baum deshalb online bestellt - Dekoration inklusive. Nun sitzt die 52-Jährige in ihrem Reihenhaus in Hamburg-Rahlstedt auf dem Sofa, hält Hundedame Fiby auf dem Schoß und sieht zu, wie die gelieferte Tanne in ihrem Wohnzimmer eine weihnachtliche Gestalt annimmt.

Viele Menschen setzen auf eine persönliche Note an ihrem Weihnachtsbaum - ob das ein selbstgebastelter Strohstern ist oder eine Kugel, die das Enkelkind bemalt hat. Nicht so Petra Steuber: Ihre drei Kinder durften den Baumschmuck nie aussuchen. «Da hatte ich immer Angst, dass es nicht gut aussieht am Ende», sagt sie lachend. Nun soll es also der perfekte Baum werden. Die anderthalb Meter hohe Nordmanntanne aus dem Internet hat Steuber sich 230 Euro kosten lassen - im Preis inbegriffen sind Lieferung, Dekoration sowie die Entsorgung nach den Feiertagen.

Wunschbaum in den virtuellen Warenkorb legen, klick, fertig - das Geschäft mit Online-Bäumen lohnt sich für Kunstmanns Firma, die er vom Vater übernommen hat. Pro Saison verkauft er laut eigener Aussage mehrere Tausend Weihnachtsbäume, rund ein Drittel davon über den Internet-Shop, den er vor acht Jahren eröffnet hat.

Auch das Geschäft mit den fertig geschmückten Bäumen floriert: Um die 300 Stück hat er in diesem Jahr verkauft, erzählt der Händler. Den Großteil machten Firmen aus, doch der Anteil der Privatkunden steige stetig. Viele der Käufer seien ältere Menschen oder Berufstätige - und «wohlhabende, gut situierte Kunden», die sich ihr Auto nicht mit Tannennadeln verschmutzen wollen.

Das Angebot ist längst keine Seltenheit mehr, auch zahlreiche Gartencenter und Baumärkte haben den Weihnachtsbaum per Mausklick in ihrem Programm. Tannen, die fertig geschmückt beim Kunden ankommen, sind hingegen eher eine Nische.

Auch ein kleines Familienunternehmen im bayerischen Kröning bei Landshut hat diese für sich entdeckt: Auf ihrer Homepage «geschmueckte-tanne.de» verkaufen Daniela und Franz Schiederer in diesem Winter zum ersten Mal dekorierte Bäume - in den Varianten «elegant», «traditionell» und «modern». Anders als Kunstmann verschicken die Schiederers ihre Bäume samt Schmuck in gepolsterten Kartons per Post. Auch sie sind zufrieden: Die rund 150 Bäume, die sie in ihrem ersten Sortiment hatten, sind ausverkauft.

«Wir gewöhnen uns an eine Zuwendungsindustrie», erklärt Trendforscher Peter Wippermann die All-Inclusive-Pakete der Weihnachtsbaum-Verkäufer. ««Coffee to Go» war der Anfang, Mittagessen wird heute immer weniger gekocht, sondern vom Kurier gebracht. Der geschmückte Tannenbaum ist ein vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung.» Das habe wenig mit Bequemlichkeit zu tun, sondern sei der Versuch, die eigene Zeit zu optimieren. Der Baum aus dem Internet hat in den Augen des Forschers deshalb gute Chancen, irgendwann zur Normalität zu werden.

Der Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger ist da skeptischer: Von den rund 27 Millionen Bäumen, die in Deutschland jährlich verkauft werden, seien 2015 nur drei Prozent online bestellt worden, sagt Sprecherin Saskia Blümel. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor.

Blümel schätzt, dass es derzeit rund fünf Prozent sein dürften. Dass sich die Online-Bäume langfristig durchsetzen werden, glaubt sie nicht: «Unser Eindruck ist, dass es eher zurückgeht zum selber übers Feld laufen und selbst einen Baum aussuchen», sagt Blümel. Auch das Selbst-Schmücken sei vielen Menschen wichtig.

Ob neuer Kult oder nicht - Petra Steuber ist zufrieden mit ihrem online gekauftem Baum, den Händler Kunstmann nach gut einer halben Stunde fertig dekoriert hat. «Ich find' den total schön», sagt die 52-Jährige. Mit ihrer Vorliebe für rot-silbernen Christbaumschmuck sei sie in guter Gesellschaft, meint Kunstmann. Noch gefragter sei nur die Farb-Kombination Rot-Gold. Man erfülle aber auch ausgefallenere Wünsche. Nur an einer Stelle sei dem Geschmack der Kunden eine Grenze gesetzt: «Wir machen alles - nur kein Lametta.»

Veröffentlicht am:
20. 12. 2018
10:08 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesverbände Bäume Händler Internetshops Kunden Online-Shopping Peter Wippermann Tannen Trendforscher Verkäufe Weihnachtsbäume
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Georg Tryba

16.01.2019

Was bei Lieferdiensten zu beachten ist

Keine schweren Tüten schleppen, keine langen Warteschlangen an der Supermarktkasse: Sich Lebensmittel nach Hause bringen zu lassen, ist zeitsparend und bequem. Doch ein paar Haken kann die Sache haben. » mehr

Online-Handel

12.07.2018

Wenn Hersteller zu Online-Händlern werden

Für Adidas, Lego und Co. wird der eigene Online-Shop als Verkaufskanal immer wichtiger. Doch längst nicht alle Markenhersteller trauen sich, im Internet wirklich aggressiv um Kunden zu werben - zum Leidwesen der Verbrauc... » mehr

Süßes aus England

15.03.2019

Was der Brexit für Naschkatzen bedeutet

Winegums, Shortbread, Pralinen aus der achteckigen Metallbox: Noch liegen britische Süßigkeiten wie selbstverständlich neben deutschen Gummibären in den Regalen. Doch was passiert auf dem deutschen Süßwarenmarkt nach ein... » mehr

Geldausgeben

05.12.2018

Typische Fehler im Umgang mit Geld

Ständig stehen wir im Alltag vor finanziellen Entscheidungen. Häufig stolpern wir dabei über die gleichen Fallstricke - ohne, dass uns das bewusst ist. Doch daran kann man arbeiten. » mehr

Second Hand

01.11.2018

Megatrend Second Hand? Der Handel mit Gebrauchtwaren

Nachhaltig, individuell und günstig: Second Hand ist auf dem Vormarsch - heißt es seit Jahren. Entsprechende Kaufhäuser, Flohmärkte und Online-Plattformen gibt es wie Sand am Meer. Doch hält der Trend, was er verspricht? » mehr

Georg Tryba

12.04.2017

Beim Einkauf feilschen - Wie Kunden Preisnachlässe bekommen

Den Preis stellen hierzulande nur wenige infrage. Beim Einkaufen kommt kaum jemand auf die Idee, den Händler nach einem Rabatt zu fragen. Allerdings kann sich das lohnen. Wer geschickt verhandelt, bekommt oft einen Preis... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
20. 12. 2018
10:08 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".