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In welcher Höhe zahlt die Versicherung im Schadensfall?

Ist ein Schadensfall eingetreten und die Versicherung haftet, zahlt sie entweder den Zeit-, den Neu- oder den Wiederbeschaffungswert. Wann gilt was? Und warum sollten Verbraucher den Wert ihrer Gegenstände belegen können?



Im Brandfall
Nach dem Löschen eines Brandes kommt meist die Bestandaufnahme der Schäden. Welchen Wert ein Versicherer für beschädigte Gegenstände zahlt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab.   Foto: Jens Büttner » zu den Bildern

Ob Auto, Handy oder Fernsehen - im Alltag geht immer mal etwas kaputt. Wer für die Reparatur oder den Ersatz des Gegenstandes eine Versicherung abgeschlossen hat, bekommt meist entweder den Zeit-, Neu- oder Wiederbeschaffungswert wieder.

«Das hängt letztlich vom Versicherungsvertrag ab», sagt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Neuwert und Wiederbeschaffungswert

Der Neuwert ist der Wiederbeschaffungswert von Sachen gleicher Art und Güte. «Der Neuwert ist also der Preis, der gezahlt werden muss, um Gegenstände mit den gleichen Qualitätsmerkmalen und Eigenschaften in neuwertigem Zustand wiederzubeschaffen», erklärt Weidenbach. Er kann niedriger, aber auch höher als der ursprüngliche Kaufpreis sein.

Ein Beispiel: Bei einem Brand wird ein vor Jahren gekaufter Röhrenfernseher mit einer Bildschirmdiagonale von 90 Zentimeter zerstört. Der ursprüngliche Kaufpreis lag bei 1000 Euro. Das TV-Gerät, das einst super-modern war, wird heute nicht mehr produziert. Ein Flachbildschirm gleicher Größe kostet aktuell 600 Euro. Die Hausratversicherung ersetzt die 600 Euro.

Ein weiteres Beispiel: Ein Brand zerstört eine Lampe. Diese wird heute noch vom Hersteller produziert, kostet aber 30 Prozent mehr als damals. Die Hausratversicherung zahlt den heutigen Wiederbeschaffungswert. Schmeißt jemand bei Freunden versehentlich die Lampe runter, übernimmt dessen Haftpflichtversicherer die Reparaturkosten. Hier wird der Zeitwert ersetzt.

Und was ist der Zeitwert?

«Das ist der Wert, den der Gegenstand zum Schadens-Zeitpunkt hat», erläutert Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Dabei erfolgt vom Neuwert ein Abzug aufgrund des Alters und der Abnutzung. Oft steht im Versicherungsvertrag mehr zum Zeitwert - bei Handy-Policen wird oft in den ersten zwei Jahren 100 Prozent des Kaufpreises erstattet, im dritten Jahr minus 20 Prozent, im vierten Jahr minus 40 Prozent und ab dem fünften Jahr minus 60 Prozent des Kaufpreises.

Kfz-Haftpflichtversicherung

In der Kfz-Haftpflicht werden meist die Reparaturkosten oder bei Totalschaden der Wiederbeschaffungswert ersetzt. «Hier gilt die Besonderheit, dass bei einem wirtschaftlichen Totalschaden der Versicherer sogar Reparaturkosten bis zu 130 Prozent des Wiederbeschaffungswertes bezahlt, um das Auto wiederherzustellen», sagt Mathias Zunk vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Der Wiederbeschaffungswert entspricht dem Händlerverkaufspreis - also was ein genauso altes Fahrzeug gleicher Bauart aktuell beim Händler kosten würde.

Wohngebäudeversicherung

In der Wohngebäudeversicherung wird meist der gleitende Neuwert versichert. Also der Betrag, der nötig ist, um ein Haus nach den heute geltenden Vorschriften wiederherzustellen. «Das bedeutet zum Beispiel, dass die Wohngebäudeversicherung mit Elementarschadenschutz nach einem verheerenden Starkregen mit irreparablen Schäden ein komplett neues, gleichartiges, aber nach neuesten energetischen Standards gebautes und damit höherwertiges Haus bezahlt», sagt Zunk.

Hausratversicherung

Auch bei der Hausratversicherung - ähnlich wie bei der Haftpflicht - wird der Wiederbeschaffungswert zugrunde gelegt, wenn der Gegenstand nicht reparierbar oder die Reparatur teurer wäre. «Die Versicherungsleistung für ein 20 Jahre altes Regal bemisst sich dann daran, was ein Regal gleicher Machart heute kosten würde», sagt Zunk. Auch bei antiken Möbeln wird der Versicherer recherchieren, was ein Möbelstück gleicher Art und Güte heute beim Händler kosten würde.

Belege aufheben!

Damit gegenüber Versicherern der Nachweis gelingt, müssten Kunden theoretisch alle Einkaufsbelege für ihre Wertgegenstände aufheben. «Wenigstens von teuren Sachen sollten die Belege aufgehoben werden», empfiehlt Weidenbach. Sie rät auch dazu, in regelmäßigen Abständen von Wertgegenständen Fotos zu machen. Diese Dokumente sollten außerhalb der Wohnung aufbewahrt werden, zum Beispiel bei einem Verwandten. Die Praxis sieht oft anders aus - mit der Folge, dass Experten den Wert der Gegenstände schätzen.

Wird der Wert eines Gegenstandes aus Sicht des Versicherten zu gering eingeschätzt, empfiehlt Boss: «Zunächst sollten Kunden den für sie zuständigen Sachbearbeiter bei der Versicherung kontaktieren, einen Gegenbeweis vorlegen und versuchen, sich mit ihm zu einigen». Kommt so keine Lösung zustande, gibt es den Ombudsmann für Versicherungen. Das Verfahren ist für Versicherte vergleichsweise unbürokratisch und kostenlos. Lässt sich der Streit so nicht belegen, können Versicherte immer noch vor Gericht ziehen.

Veröffentlicht am:
27. 09. 2018
14:42 Uhr

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dpa

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27. 09. 2018
14:42 Uhr



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