Lade Login-Box.
Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

 

Wissenswertes zur Erbschaftsteuer

Wer erbt, muss darüber das Finanzamt informieren. Denn der Fiskus kann Erbschaftsteuer verlangen. Doch deren Höhe hängt von einigen Faktoren ab. Oft lässt sie sich auch ganz sparen. Aber wie?



Schenken oder vererben?
Frühzeitig Vermögen zu verschenken, kann Erben später Steuern sparen. Denn bei Schenkungen können Steuerfreibeträge alle zehn Jahre aufs Neue genutzt werden.   Foto: Christin Klose » zu den Bildern

Nach dem Tod eines Menschen bekommen die Hinterbliebenen sein Hab und Gut. Erbschaftsteuer wird dabei nicht immer fällig. Wichtige Fragen und Antworten zum Thema:

Was verbirgt sich hinter der Erbschaftsteuer?

Erben und Vererben ist in Deutschland keine reine Privatsache. Der Gesetzgeber gibt die Regeln vor - und zwar mit dem Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG). Erbschaft definieren Juristen als «einen Erwerb von Todes wegen». Wer als gesetzlicher Erbe erbt oder per Testament als Begünstigter eingesetzt wird, muss auf das geerbte Vermögen grundsätzlich Erbschaftsteuer zahlen. Das setzt voraus, dass der Betroffene die Erbschaft auch annimmt.

«Steuerrechtlich spielt es keine Rolle, ob etwas durch Erbschaft, durch Vermächtnis, aufgrund eines Pflichtteilsrechts oder durch Schenkung erworben wird», sagt Anton Steiner, Fachanwalt für Erbrecht in München.

Gibt es Freibeträge?

Ja. Erst wenn der Betrag eine bestimmte Höhe überschreitet, sind überhaupt Steuern fällig. «Der Steuerfreibetrag ist umso höher, je enger die verwandtschaftliche Beziehung ist», sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler Deutschland. Ehepartner können bis zu 500.000 Euro abgabefrei erben, Kinder von jedem Elternteil 400.000 Euro, Enkel von ihren Großeltern 200.000 Euro. Geschwistern, Nichten, Neffen und Lebensgefährten steht ein Freibetrag von 20.000 Euro zu.

Wann wird die Erbschaftsteuer fällig?

Ob Erb-, Vermächtnis-, Pflichtteilsfall oder Schenkung: Erben haben drei Monate ab dem Todestag Zeit, das geerbte Vermögen dem Finanzamt zu melden. In vielen Fällen ist der Fiskus auch schon informiert, zum Beispiel über das Standesamt. Liegt das Vermögen über dem jeweiligen Freibetrag, fordert das Finanzamt eine Erbschaftsteuererklärung. Die Steuer sei erst zu dem im Steuerbescheid genannten Termin zu zahlen, sagt der Bonner Fachanwalt für Erb- und Steuerrecht, Eberhard Rott.

Wie wird die Höhe der Erbschaftsteuer ermittelt?

Nach Abzug des jeweiligen Freibetrags muss der Wert des Erbes versteuert werden. Auch hier gilt: Je enger die verwandtschaftliche Beziehung ist, desto weniger Steuern werden fällig. Am günstigsten ist der Steuersatz in Steuerklasse eins, zu der Eheleute und eingetragene Lebenspartner, Eltern, Kinder und deren direkte Nachkommen zählen. Der beträgt sieben Prozent bei einer zu versteuernden Summe bis 75.000 Euro und kann sich danach auf maximal 30 Prozent steigern.

Geschwister, deren Kinder, Schwiegerkinder und -eltern sowie geschiedene Partner gehören zur Steuerklasse zwei. Hier liegt der niedrigste Steuersatz bei 15 Prozent und erhöht sich bis auf 43 Prozent. Zur Steuerklasse drei zählen alle übrigen Personen. Der niedrigste Steuersatz beträgt 30 Prozent und klettert je nach Vermögenswert bis auf 50 Prozent.

Welche steuerlichen Besonderheiten gelten bei Immobilien?

Keine Erbschaftsteuer für Wohneigentum fällt an, wenn der Erbe die Nachlassimmobilie zehn Jahre lang nicht verkauft, vermietet oder verpachtet - sondern selbst bewohnt. «Vollumfänglich gilt dies jedoch nur für erbende Ehe- oder eingetragene Lebenspartner», sagt Steiner, der auch Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht ist. Bei Kindern und - im Fall deren Todes - ihren Kindern wiederum wird die Steuerbefreiung auf eine Wohnfläche von 200 Quadratmetern begrenzt. Für andere Erben gibt es keine Steuerbefreiung.

Wie lässt sich Erbschaftsteuer sparen?

«Durch Schenkungen zu Lebzeiten», sagt Rott. Im Gegensatz zu Erbschaften können bei Schenkungen die Steuerfreibeträge alle zehn Jahre aufs Neue ausgeschöpft werden. Hat beispielsweise eine Mutter ihrem Sohn im Jahr 2008 einen Betrag von 400.000 Euro geschenkt, muss er keine Steuern zahlen. Zehn Jahre später, im Jahr 2018, kann die Mutter ihm erneut 400.000 Euro abgabenfrei schenken. Auch eine Adoption oder eine Heirat können helfen.

Veröffentlicht am:
12. 09. 2018
04:57 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bund der Steuerzahler Erben Erbschaften Erbschaftsrecht Erbschaftsteuer Finanzämter Steuerbefreiung Steuerbehörden Steuerklassen Steuersätze
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Münzsammlung

06.06.2018

Wie die Erbschaftsteuer festgesetzt wird

Egal, ob Münzen, Briefmarken oder Gemälde - zu einem Erbe können viele Dinge gehören. Und natürlich hält auch das Finanzamt die Hand auf. Was bei der Erbschaftsteuererklärung zu beachten ist. » mehr

Formular zu Werbekosten

02.04.2019

Werbungskosten senken die Steuerlast

Weiterbildung, Dienstreise, Fachbücher: Alle Ausgaben für den Job können Arbeitnehmer beim Finanzamt angeben. Die sogenannten Werbungskosten senken die Steuerlast. Aber auch Rentner können davon profitieren. » mehr

Anton Steiner

06.03.2019

Warum es im Testament auf Ersatzerben ankommt

Wer soll was bekommen? Das ist die entscheidende Frage beim Schreiben eines Testaments. Dabei sollten Erblasser möglichst an alles denken. Selbst daran, dass der eigentliche Erbe den Nachlass möglicherweise gar nicht wil... » mehr

Eberhard Rott

17.10.2018

Was bei Tod im Ausland erbrechtlich zu beachten ist

Sonne statt Schnee, Strand statt Schrebergarten: Viele Rentner verlagern ihren Lebensmittelpunkt in warme Gefilde. Im Todesfall kann das für ihre Erben aber Unwägbarkeiten bringen. Deshalb sollte man zu Lebzeiten Vorkehr... » mehr

Anton Steiner

20.03.2019

Was bei Schenkung zu Lebzeiten zählt

Eine Schenkung bietet Angehörigen Steuervorteile. Wer schon zu Lebzeiten Vermögen weitergibt, sollte dies schriftlich vereinbaren. So kann man Streit unter späteren Erben vermeiden und sich eigene Rechte sichern - etwa e... » mehr

Paul Grötsch

27.02.2019

Welches Testament ist für wen das Richtige?

Ein Testament soll die Erbfolge regeln. Doch jeder Erbfall hat seine eigenen Besonderheiten. Für verschiedene Lebenssituationen gibt es verschiedene Varianten, den letzten Willen zu Papier zu bringen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
12. 09. 2018
04:57 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".