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Fast jede zweite Flasche Wein stammt vom Discounter

Die Suche nach einem leckeren Wein endet für die meisten Verbraucher immer wieder bei Aldi, Lidl und Co.. Denn die Discounter bieten längst mehr als nur Billigware. Doch nun schlagen manche Supermärkte mit regionalen Angeboten zurück.



Weinflaschen im Supermarktregal
Die Deutschen achten auch bei Wein gern auf den Preis: Laut einer Marktuntersuchung wurde 2016 fast die Hälfte der Weinflaschen bei Discountern eingekauft. Foto: Rolf Vennenbernd  

Wein kaufen die Deutschen in erster Linie beim Discounter. Fast jede zweite Flasche (48 Prozent), die im vergangenen Jahr hierzulande über den Ladentisch ging, stammt aus den Regalen von Aldi, Lidl und Co..

Supermärkte, der Fachhandel und der Direkteinkauf beim Winzer spielen dagegen mengenmäßig eine deutlich kleinere Rolle. Das geht aus einer aktuellen Marktuntersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hervor, die nun vom deutschen Weininstitut präsentiert wurde.

Das Angebot der Discounter reicht inzwischen vom deutschen Riesling bis zum kalifornischen Cabernet, vom französischen Champagner bis zum australischen Shiraz. Und nur billig wollen die Supermärkte schon lange nicht mehr sein. Der Ausbau des Weinangebots sei für sie von strategischer Bedeutung, sagt der GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth. «Die Discounter wollen mit ihrem Weinangebot qualitätsbewusste und anspruchsvolle Kunden ansprechen, die sonst vielleicht nicht so schnell den Weg in ihren Laden finden.»

Das lassen sich die Discounter einiges kosten. So eröffnet Aldi Süd zur Weinmesse «Pro Wein» in Düsseldorf mitten in der Düsseldorfer Fußgängerzone einen Kurzzeitladen , wo Verbraucher fünf Tage lang kostenlos zwölf Weine aus dem Angebot des Discounters probieren können: Im Angebot sind auch bekannte Weingüter wie Fritz Keller, Baron Philippe de Rothschild und Frescobaldi.

Konkurrent Lidl wirbt in Deutschland mit einem Online-Shop um Kunden, der die Grenzen des Discounters weit hinter sich lässt. Dort gibt es neben dem spanischen Roten für 2,19 Euro und dem sizilianischen Weißwein für 2,49 Euro auch zahlreiche edle Tropfen: etwa einen Chateau Pape Clement 2013 aus Bordeaux für 129,99 Euro die Flasche, einen italienischen Sassicaia 2012 für 149 Euro oder einen edelsüßen Chateau d'Yquem für 349 Euro.

Doch auch die klassischen Supermärkte werben seit Jahren verstärkt um die Weinkäufer - und das zuletzt sogar mit mehr Erfolg als die Billiganbieter. Während der Marktanteil der Discounter in den vergangen Jahren auf hohem Niveau stagnierte, haben Edeka, Rewe und Co. ihren Anteil von 13 auf 18 Prozent gesteigert.

Die Supermärkte hätten es geschafft, mit «Kompetenz in Sachen Genuss» zu punkten, meint Handelskenner Adlwarth. Der Absatz deutscher Weine über die Supermärkte legte im vergangenen Jahr sogar um acht Prozent zu. Die Ketten hätten auf die Beliebtheit regionaler Produkte bei den Verbrauchern mit dem Ausbau des Weinangebots aus heimischer Produktion reagiert, berichtete Monika Reule, Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts. Der Erfolg der Supermärkte ging vor allem zulasten des Direkteinkaufs beim Winzer.

Der Durchschnittspreis für Wein im Lebensmittelhandel spiegelt nach wie vor die große Bedeutung der Discounter wider. Er lag nach Angaben des Weininstituts im vergangenen Jahr bei 2,92 Euro je Liter, das waren fünf Cent weniger als im Vorjahr. Für deutsche Weine lag der Durchschnittspreis mit 3,20 Euro je Liter etwas höher.

Eine wachsende Rolle spielt auch der Weinverkauf im Online-Handel. Denn nicht nur Lidl und Rewe sind mit eigenen Weinshops im Internet präsent. Auch der Weinhandelsriese Hawesko oder die Verkaufsplattform Vicampo, auf der Winzer ihre Weine präsentieren können, verkaufen dort. Daneben buhlen Start-ups wie Wine in Black um die Gunst der Kunden. Und immer mehr Winzer bieten ihre Weine ganz einfach selbst im eigenen Geschäft im Netz an.

Attraktiv für die Online-Verkäufer ist nicht zuletzt, dass im Internet meist zu teureren Weinen gegriffen wird als im stationären Handel. «Es ist noch ein Nischensegment, aber mit Wachstumsperspektiven für die nächsten Jahre», meint Ernst Büscher, Sprecher des Weininstituts.

Veröffentlicht am:
08. 03. 2017
15:50 Uhr

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dpa

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08. 03. 2017
15:50 Uhr



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