Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Was Fintech-Apps und ?Dienste können

Es kann Videos aufnehmen, Flüge buchen und den Schlaf überwachen ? und jetzt wird das Smartphone auch noch zum Finanzberater. Fintech-Apps und -Dienste sind gerade schwer in Mode. Was das für Verbraucher genau bedeutet, ist aber noch nicht ganz klar.



Mobile Banking
Mal eben schauen, wie die Aktien stehen? Mit einem Smartphone kein Problem. Wer sein Depot mobil verwaltet, sollte aber die Software immer auf dem neuesten Stand halten. Foto: Franziska Gabbert  

Analog war gestern - heute ist alles digital. Auch vor Finanzgeschäften macht die Digitalisierung nicht halt. Fintech heißt das neue Modewort, das sich zusammensetzt aus Finanzen und Technologie und genau das auch bedeutet.

Fintech macht Finanzdienstleistungen fit für die Zukunft ? mit digitalen Prozessen, Online-Plattformen und Apps. Möglich ist dabei von der Überweisung bis zur kompletten Anlageberatung fast alles - je nach App und Anbieter komplett auf dem Smartphone oder im Browser.

Cringle und Lendstar erlauben zum Beispiel, Geld unkompliziert an Freunde zu überweisen. Number26 bringt gleich ein ganzes Girokonto aufs Smartphone. Dienste wie Easyfolio, Vaamo und Cashboard sind auf die Geldanlage spezialisiert, Fairr bietet das gleiche für Riester-Sparer, Plattformen wie Smava und Crosslend helfen bei der Suche nach einem Kredit. Und inzwischen sind auch große Banken auf den Fintech-Zug aufgesprungen ? entweder mit eigenen Diensten oder als Kooperationspartner der neuen Anbieter.

Die Revolution ist das allein noch nicht ? reguläres Online-Banking ist auf dem Handy schließlich schon seit Jahren möglich, auch Aktien und andere Anlageprodukte lassen sich längst von unterwegs kaufen. «Wahnsinnig viel Neues gibt es bei den Fintech-Apps nicht», sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. «Das wird alles auch etwas aufgebauscht.»

Andere Experten halten dagegen: Neu an Fintech ist nicht, was der Verbraucher damit machen kann ? neu ist, was dahinter steckt. «Bei Fintech geht es nicht nur darum, Services in Apps oder online anzubieten - es geht darum, auch alle Prozesse im Hintergrund zu digitalisieren», sagt Sven Korschinowski von der Unternehmensberatung KPMG. «Daraus ergeben sich erst die Vorteile von Fintech.»

Hinzu kommt eine grundlegende Veränderung des Geschäftsmodells. «Der ganze Anlagebereich ist ja traditionell sehr produktfixiert. Mit Fintech geht es aber eher darum, den Menschen zu einem individuell passenden Portfolio zu bringen», erklärt Andreas Hackethal, Professor für Personal Finance an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main. Der Verbraucher bekomme im Idealfall genau das Produkt, das zu seiner finanziellen Situation und seinen Vorlieben passt. Außerdem können Fintech-Dienste zum Beispiel bei der Altersvorsorge für mehr Transparenz und Disziplin sorgen.



Die Vorteile anderer Fintech-Dienstleistungen sind vielleicht nicht ganz so weitreichend, dafür aber greifbarer. Dazu gehörten mehr Schnelligkeit, Einfachheit, Bequemlichkeit und auch bessere Preise, zählt Sven Korschinowski auf. «Denn der Anbieter spart durch die Digitalisierung von Prozessen natürlich Kosten ein, das sollte sich auch im Preis ausdrücken.»

So sieht das auch Niels Nauhauser ? allein schon, weil es durch die neuen Anbieter mehr Wettbewerb gibt, zum Beispiel für sogenannte Zahlungsdienstanbieter. «Da besteht dann schon Hoffnung, dass das für den Verbraucher zu besseren Preisen und Leistungen führt», sagt er. Allerdings zweifelt er auch daran, ob die neue Bequemlichkeit im Alltag wirklich so sinnvoll ist: «Wenn ich eine Zahlungsapp mit meinem Adressbuch zusammenlege, kann ich meinen Freunden leichter Geld schicken - aber wie oft mache ich das wirklich?»

Solche Zweifel mögen ein Grund für die bisher gemischte Reaktion der Kunden auf die neuen Angebote sein. Denn beim Mobile Banking gebe es zwar steigende Zahlen, sagt KPMG-Experte Korschinowski. «Bei der Geldanlage per App sind die Zahlen dagegen noch sehr überschaubar, auch zum Beispiel bei Versicherungen.»

Eine mögliche Ursache der Zurückhaltung: Datenschutzbedenken. Denn wenn es ums liebe Geld geht, wird vermutlich auch dem letzten Smartphone-Nutzer klar, wie sensibel die gespeicherten und verschickten Daten sind. Hier sei Offenheit von Seiten der Anbieter gefragt, sagt Andreas Hackethal: «Der Kunde sollte verstehen, was er wem und wie zur Verfügung stellt, wenn er seine Häkchen setzt.»

Wer sich für einen Fintech-Anbieter interessiert, sollte sich also vorher in Ruhe auf dessen Webseite oder in der App umschauen. Gibt es hier verständliche und einleuchtende Erklärungen rund um Datenschutz und ?sicherheit, ist das ein gutes Zeichen. Bei der Gelegenheit lohnt es sich auch gleich, Geschäftsbedingungen und Preise genau zu prüfen ? wie bei jedem anderen Konto, jedem Anlageprodukt oder jeder anderen Finanzdienstleistung auch. Und natürlich muss ein Mobiltelefon, das zur Bank wird, auch gut geschützt sein - mit Betriebssystem und Apps stets auf dem neuesten Stand.

Veröffentlicht am:
08. 02. 2017
04:35 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Anlageberatung Anlageprodukte Apps Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik Digitalisierung Finanzberater Finanzgeschäfte Flüge Geschäftsmodelle KPMG Mode Riester-Sparer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Max Herbst

17.07.2019

Wie lange sind Immobilienkredite noch so günstig?

Günstig, günstiger, Immobilienkredit - die eigenen vier Wände zu finanzieren, war selten günstiger als heute. Dafür sind die Immobilienpreise hoch. Lohnt es sich, mit dem Kauf zu warten? Im Interview gibt ein Finanzberat... » mehr

Den Überblick bei EFTs behalten

26.06.2019

Drei wichtige Kriterien bei der Wahl von ETFs

Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) sind das Finanzprodukt der Stunde: transparent, günstig, einfach zu verstehen. Das Angebot wächst und wächst. Wie behalten Anleger da den Durchblick? » mehr

Intelligenter Stromzähler

29.07.2019

Die Probleme mit dem intelligenten Stromzähler

Der Stromzähler soll intelligent werden - und den Verbrauchern helfen, die Energiekosten zu senken. Doch die Einführung der Smart Meter ist zum nicht endenden Hindernislauf geworden, klagt die Branche. Und auch an den Fä... » mehr

Bei der Finanzberatung

24.05.2017

Passende Finanzprodukte sind nicht leicht zu finden

Bausparvertrag, Rentenversicherung, Fondssparplan - es gibt viele Finanzprodukte. Aber nicht immer passt ein Produkt zu den Bedürfnissen des Anlegers. Die Finanzmarktrichtlinie MIFID II soll das ändern. Anleger befreit d... » mehr

Tim Griese

10.07.2019

Was der elektronische Personalausweis bringt

Der elektronische Personalausweis steckt heute in vielen Geldbeuteln, doch kaum einer nutzt ihn. Was er kann und woran es hapert. » mehr

Kopfhörer zur Miete

02.11.2018

Immer mehr Händler verleihen ihre Ware

Vom Hightech-Fernseher fürs Wohnzimmer bis zum Holzspielzeug für Kleinkinder: Immer öfter mieten Verbraucher Konsumgüter, statt sie zu kaufen. Verbraucherschützer sehen das nicht ohne Sorge. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
08. 02. 2017
04:35 Uhr



^