Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

 

Unzulässige Zinsklauseln: Sparer können Nachzahlung fordern

Langfristiges Sparen lohnt sich: Mit dieser Aussage lockten viele Geldinstitute. Banken und Sparkassen zahlten nach Ansicht von Gerichten aber oft zu wenig Zinsen. Was Betroffene tun können.



Nachzahlung wegen unzulässiger Zinsklausel
Wer einen langfristigen Sparvertrag hat, kann möglicherweise auf Nachzahlung hoffen. Viele Zinsanpassungsklauseln in den Verträgen sind unzulässig.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Viele Banken und Sparkassen haben Sparer mit langfristigen Zinsversprechen geworben. Doch in den Verträgen wurden unzulässige Zinsanpassungsklauseln verwendet.

Das heißt: Sparer bekamen in vielen Fällen zu wenig Geld gutgeschrieben. «Im Schnitt geht es um zwei- bis dreitausend Euro je Sparvertrag», erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg im Gespräch mit dem dpa-Themendienst.

Was genau ist das Problem in den Verträgen?

Niels Nauhauser: Zahlreiche Banken haben in der Vergangenheit rechtswidrige Klauseln zur Zinsanpassung in ihre Sparverträge oder Riester-Banksparpläne geschrieben und die Zinsen einseitig regelmäßig nach unten angepasst. Dadurch haben Verbraucher zu wenig Zinsen erhalten. Viele Verbraucher wandten sich an ihre Verbraucherzentrale vor Ort, ließen die Verträge prüfen und nachberechnen.

Welche Verträge sind davon betroffen?

Nauhauser: Betroffen sind überwiegend langfristige Sparverträge mit variablem Zinssatz, die in den 1990er- und 2000er-Jahren abgeschlossen wurden. Einige wurden auch mit Riester-Förderung vertrieben. Die Bezeichnungen lauten etwa: «Bonusplan», «Prämiensparen flexibel», «VorsorgePlus», «Vorsorgesparen», «Vermögensplan» oder «Vorsorgeplan». In unserem Internetauftritt haben wir eine Liste mit 147 Banken veröffentlich, bei denen wir rechtswidrige Klauseln gefunden haben.

Was können betroffene Sparer jetzt tun?

Nauhauser: Betroffene Sparer können die Zinserträge nachrechnen lassen und den fehlenden Betrag von der Bank einfordern. Falls die Bank sich auf Verjährung beruft, sollte man sich nicht abwimmeln lassen. Verjährung tritt frühestens drei Jahre nach Beendigung des Sparvertrags ein, vorher nicht. Das hat jüngst auch das Oberlandesgericht Dresden nach Klage der Verbraucherzentrale Sachsen entschieden. Viele Banken bieten daraufhin eine Nachzahlung an, allerdings nicht immer in angemessener Höhe.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg geht juristisch gegen verschiedene Geldinstitute vor. Einige Banken haben sich entweder mit Abgabe einer Unterlassungserklärung verpflichtet, sich nicht mehr auf die jeweils beanstandete Zinsanpassungsklausel zu berufen oder die Verbraucherzentrale hat ein entsprechendes Gerichtsurteil erwirkt. Eine Übersicht abgeschlossener und noch offener Verfahren finden Sie auf unserer Homepage . Die Verfahren helfen Verbrauchern, ihre Ansprüche gegen die Bank auch durchzusetzen.

Veröffentlicht am:
06. 05. 2020
04:48 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Banken Oberlandesgericht Dresden Sparer Sparkassen Sparverträge Verbraucherinnen und Verbraucher Verbraucherschützer Verbraucherzentralen Verträge und Abkommen Zinsen Zinserträge
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Ein Aktenordner mit Riester-Rentenunterlagen steht in einem Regal

18.11.2020

Urteile: Kostenklausel in vielen Riesterverträgen unzulässig

Manche Klauseln in Riester-Sparverträgen sind Gerichtsurteilen zufolge nicht rechtens. Verbraucher sollten einen Blick in ihre Unterlagen werfen - und sich gegen die Regelungen wehren. » mehr

Sparplan

11.08.2020

Sparplan-Kündigung widersprechen

Wer vor vielen Jahren einen Sparvertrag abgeschlossen hat, freut sich heute über die Zinsen. Manche Geldinstitute wollen diese Verträge loswerden. Eine Kündigung müssen Kunden aber nicht hinnehmen. » mehr

Ebbe im Sparschwein

01.08.2019

Wie Sparer Geld nachfordern können

Kunden von Sparverträgen haben jahrelang zu wenig Zinsen bekommen - das haben Verbraucherschützer herausgefunden. Wer ist betroffen? Und was können Verbraucher nun tun? » mehr

Verbraucherzentrale

06.08.2019

Sparverträge werden oft falsch verzinst

Zum Nachteil der Kunden berechnen manche Geldinstitute die Sparzinsen falsch. Die Rechtsprechung ist allerdings klar und mehrere Urteile entschieden ein rechtswidriges Zinsanpassungsverhalten. » mehr

Rainer Gerhard

26.08.2020

Suchportal für Girokonten mit Tüv-Zertifikat

Kostenlos oder nicht, nur online oder mit Beratung in der Filiale? Wer ein Girokonto sucht, hat viele Fragen. Bei der Auswahl helfen soll nun ein Tüv-zertifiziertes Vergleichsportal. Was bringt das? » mehr

ING Bank

04.11.2020

Direktbank ING führt Negativzinsen für hohe Guthaben ein

Dass es auf Ersparnisse keine Zinsen mehr gibt, daran dürften sich die meisten Bankkunden inzwischen gewöhnt haben. Doch immer mehr Institute belasten hohe Guthaben mit Negativzinsen. So nun auch die Direktbank ING. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
06. 05. 2020
04:48 Uhr



^