Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

 

Was mit Aktien bei einer Insolvenz passiert

Die Corona-Krise bringt Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten. Aktionäre von angeschlagenen Firmen müssen sich auf Verluste einstellen. Es kann aber auch Hoffnung geben.



Aktienkurse
Gerät eine Aktiengesellschaft in Schieflage, bedeutet das für Aktionäre meist Verlust. In manchen Fällen kann es aber Hoffungen auf einen Neustart geben.   Foto: Arne Dedert/dpa/dpa-tmn

Keine Bestellungen, kaum Kunden, wegbrechende Aufträge - für viele Unternehmen ist die Corona-Krise eine Herausforderung. Gerät eine Aktiengesellschaft in Schwierigkeiten, sind das für Aktionäre meist keine guten Nachrichten.

«In der Regel machen Anteilseigner bei einer Insolvenz ihres Unternehmens Verluste», erklärt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). «Das ist das unternehmerische Risiko, das Aktionäre leider auch in einer solchen Situation tragen.» Wie hoch der Verlust ist, hängt davon ab, ob es Aussicht auf Erholung gibt.

Vereinfacht gesagt gibt es zwei Szenarien: Das Unternehmen ist überschuldet, sprich: Die Kredite übersteigen das zur Verfügung stehende Vermögen. Oder die betroffene Gesellschaft hat massive Liquiditätsprobleme. Dann können die laufenden Kosten nicht mehr aus den Einnahmen bezahlt werden. Beides führt in die Insolvenz.

«Gibt es berechtigte Aussichten auf Erholung, kann das Unternehmen ein sogenanntes Insolvenzplanverfahren einleiten», erklärt Kurz. «Dann hat das Management drei Monate Zeit, das Geschäft wieder flott zu machen. Es bekommt aber einen Sachwalter an die Seite gestellt, der die Aktivitäten überwacht.» Das Ziel: Neue Kapitalquellen erschließen oder eine Einigung mit den Gläubigern finden. Ein Überblick:

- Überschuldung: Häufig verzichten Gläubiger in solchen Verfahren auf Ansprüche und bekommen im Gegenzug dafür Anteile am Unternehmen. Solche Vereinbarungen werden auch «Dept-to-Equity-Swap» genannt, auf Deutsch etwa «Schulden-gegen-Neue-Aktien-Tausch». Alt-Aktionäre gehen bei solchen Insolvenzen zwar nicht immer leer aus. «Ihr Anteil am Unternehmen schrumpft aber meist auf ein Minimum - gleiches gilt für den Wert ihrer Papiere», sagt Kurz.

- Liquiditätsengpässe: Ausbleibende Zahlungen von großen Kunden können bei Firmen zu Liquiditätsengpässen führen. «Die Firma hat in diesem Fall nicht zu hohe Schulden, es fehlt einfach das Geld», erklärt Kurz. In solchen Situationen kann beispielsweise das Eigenkapital erhöht werden, indem etwa im Rahmen einer Kapitalerhöhung neue Aktien ausgegeben werden.

«Das führt zwar dazu, dass die Aktiengesellschaft überleben kann», sagt Kurz. «Da solche Kapitalerhöhungen aber oft von einem einzelnen Geldgeber gestemmt werden, der danach auch einen entsprechenden Einfluss auf die AG haben will, werden die Alt-Aktionäre meist nicht daran beteiligt. Die Folge: Ihr Anteil wird verwässert, weil jetzt mehr Aktien des Unternehmens in Umlauf sind.»

- Insolvenzverwaltung: Sind die Schwierigkeiten so groß, dass das eigene Management sie nicht mehr lösen kann, wird ein klassisches Insolvenzverfahren eröffnet. «Die Geschäfte übernimmt dann ein Insolvenzverwalter. Das bisherige Management hat dann nichts mehr zu sagen», erläutert Kurz.

Für Aktionäre bedeutet das in der Regel den Totalverlust: «Die Aktien des Unternehmens verlieren dann meist sehr schnell an Wert», erklärt Kurz. Zwar könne es noch zu teilweise deutlichen Kursausschlägen auf sehr niedrigem Niveau kommen. Doch dafür seien oft Spekulanten verantwortlich, die das Papier für sich entdecken.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 05. 2020
11:27 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aktien Aktionäre Finanznöte Geldgeber Insolvenzen Insolvenzverfahren Kapitalerhöhungen Liquiditätsprobleme Wertpapierbesitz Überschuldung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Bayer-Hauptversammlung

28.04.2020

Online-Hauptversammlungen: Was bedeuten sie für Aktionäre?

Proteste vor der Halle, lautstarke Kritik von Aktionären, Sitzungsmarathon - alles das bleibt Vorständen deutscher Großkonzerne in diesem Jahr erspart. Wegen der Corona-Krise verlagern Unternehmen ihre Hauptversammlungen... » mehr

Wie viele Schulden habe ich und warum?

18.06.2020

Arbeitslosigkeit häufiger Grund für Überschuldung

Warum geraten Menschen in eine finanzielle Schieflage? Diese Frage versucht der Überschuldungsreport des iff zu beantworten. Dabei zeigt sich: Oft können Verbraucher die Ursachen nicht beeinflussen. » mehr

Geplatzte Hauptversammlung

25.03.2020

Hauptversammlung abgesagt? Was Aktionäre wissen müssen

Einmal im Jahr rufen Aktiengesellschaften zur Hauptversammlung. In diesem Jahr werden viele Aktionärstreffen verschoben. Was bedeutet das für Anleger? » mehr

Wirecard

01.07.2020

Was Anleger aus dem Fall Wirecard lernen können

Hochgelobt und tief gefallen: Für viele Anleger ist der Zahlungsdiensteabwickler Wirecard ein Fiasko. Nach dem Bilanzskandal müssen sie hohe Verluste hinnehmen. Was man aus dem Fall lernen kann. » mehr

Anzeigetafel Börse Frankfurt

09.03.2020

Müssen Anleger auf die Krise reagieren?

Die Börsen sind weiter im Sinkflug. Schuld daran sind der sich ausbreitende Sars-CoV-2-Virus - und nun noch ein Ölpreis-Crash. Was Experten besorgten Anlegern jetzt raten. » mehr

Yann Stoffel

09.03.2020

So lässt sich Ordnung ins Depot bringen

Die Ausbreitung des Coronavirus hat auch die Finanzmärkte geschockt. Weltweit gaben die Kurse kräftig nach. Ein guter Zeitpunkt, die eigene Anlagestrategie zu überprüfen. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 05. 2020
11:27 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.