Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Minuszinsen bei Tagesgeld: Was Bankkunden wissen müssen

Zinsen zahlen mittlerweile manchmal die Bankkunden - auf Einlagen auf dem Tagesgeldkonto. Angst vor einer Änderung über Nacht müssen sie aber nicht haben. Was Verbraucher wissen sollten.



Euro-Symbol
Verdrehte Welt: Bei Tagesgeld müssen inzwischen mitunter die Kunden der Bank Zinsen zahlen - die Institute sprechen oft von einem Verwahrentgelt.   Foto: Frank Rumpenhorst/dpa-tmn

Die Zinsen auf dem Tagesgeldkonto sind niedrig - und inzwischen teilweise sogar negativ. Im Einzelfall werden dabei auch Verbraucher mit geringen Spareinlagen zur Kasse gebeten. Was Bankkunden dazu wissen sollten:

Um welche Kosten und Konten geht es?

Betroffen sind neben Tagesgeld- auch Girokonten. Umgangssprachlich werden die Zusatzkosten meist Negativzinsen genannt. Bei Instituten ist dagegen der Begriff Verwahrentgelt verbreitet. Die Höhe richtet sich anteilig nach der Einlage. Teilweise werden aber auch pauschale Gebühren für das normalerweise kostenlose Tagesgeldkonto als Verwahrentgelt bezeichnet.

Bislang sind nach Angaben des Vergleichsportals Verivox vor allem Firmen und Privatkunden mit Vermögen ab 100 000 Euro betroffen. Vereinzelt wird dieser Freibetrag der Stichprobe zufolge aber bereits unterschritten.

So erhebt die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck ab dem ersten Euro ein Verwahrentgelt von 0,5 Prozent. Betroffen sind nur Tagesgeldkonten, die seit dem 1. Oktober 2019 neu eröffnet wurden. Andere Kunden seien davon bislang ausgenommen, erklärte Vorstand Robert Fedinger auf Anfrage.

Wie erkennen Verbraucher, ob sie betroffen sind?

Banken und Sparkassen dürfen Negativzinsen oder Verwahrentgelte nicht über den Kopf der Kunden hinweg einführen. «Will eine Bank von ihren Bestandskunden einen Negativzins erheben, muss sie dies mit den betroffenen Kunden individuell vereinbaren», erklärt Oliver Maier von Verivox.

Denn für Negativzinsen gelten höhere Anforderungen als andere Zinsänderungen: Einem Urteil des Landgerichts Tübingen zufolge kann die Bank nicht einfach den Preisaushang ändern und so Negativzinsen einführen ( Az.: 4 O 187/17 ).

Darauf verweist auch Sascha Straub, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bayern. Ihm zufolge dürfen Banken ein Verwahrentgelt zudem nicht einseitig durch Aufnahme in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen einführen.

Was gilt bei neuen Konten?

Wird ein Konto neu eröffnet, kann die Bank grundsätzlich ein Verwahrentgelt festlegen. Aber: «Privatkunden müssen noch nicht damit rechnen, dass ein Verwahrentgelt für Einlagen unter 100 000 Euro eingeführt wird. Es müsste individuell vereinbart werden und im Vertrag explizit als Extrakosten erkennbar sein», so Straub. Sonst sei die Regelung überraschend und unwirksam .

Verbraucherschützer halten es zudem für unwirksam, zusätzlich zur Kontoführungsgebühr ein Verwahrentgelt zu erheben. So werde eine Leistung unerlaubterweise doppelt bepreist, wie aus einem Urteil des Landgerichts Tübingen hervorgeht ( Az.: 4 O 225/17 ).

Warum gibt es Negativzinsen?

Die Einführung begründen Institute mit den Strafzinsen, die für sie fällig werden, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband etwa nennt als Herausforderung, die Interessen aller Kunden mit dem «Stabilitätserfordernis der einzelnen Institute» auszugleichen. Vor allem für sehr hohe Einlagesummen werde ein Verwahrentgelt erhoben, um es für die Mehrheit der Sparer nicht einführen zu müssen, so der Verband.

Auch der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken BVR verweist darauf, dass die Kosten für die Übernachtliquidität bisher nicht in der Breite an Kunden weitergegeben haben. Dies könne sich künftig ändern.

Wie können Anleger handeln?

Der BVR empfiehlt Kunden, sich zu Anlagemöglichkeiten beraten zu lassen. Die Zinsen auf Giro- und Tagesgeldkonto sind auch bei anderen Banken nicht üppig. Im Schnitt gibt es auf das Tagesgeldkonto noch 0,05 Prozent, vereinzelt sind aber nach Verivox-Angaben auch 0,65 Prozent Zinsen drin.

Alternativen zu Banken mit Verwahrentgelt gibt es nach wie vor. «Wir raten, solche Banken abzustrafen, indem man wechselt», rät Verbraucherschützer Straub.

Veröffentlicht am:
18. 11. 2019
15:34 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Banken Bankkunden Deutscher Sparkassen- und Giroverband Europäische Zentralbank Finanzinvestoren und Anleger Kontoführungsgebühren Kunden Landgericht Tübingen Sparer Sparkassen Tagesgeld Tagesgeldkonten Zentralbanken
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Geldstücke vor Sparschwein

05.11.2019

Negativzinsen auch für Privatkonto unter 100.000 Euro

Geld auf dem Konto liegen zu lassen, kostet - das gilt inzwischen für Privatkunden verschiedener Geldinstitute. Negativzinsen können aber nicht einfach so eingeführt werden, sagen Verbraucherschützer. » mehr

Weltspartag

30.10.2019

Welche Bedeutung hat der Weltspartag im Zinstief

Steigende Gebühren, Negativzinsen, gekündigte Prämienverträge - Banken und Sparkassen locken ihre Kunden derzeit nicht unbedingt. Fürs Sparen wird dennoch tapfer geworben - aus guter Tradition. » mehr

Sparkasse

29.08.2019

Lasten der EZB-Strafzinsen könnten mehr Kunden treffen

Die Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank könnte bald Folgen für alle Sparkassen-Kunden haben. Der Dachverband schließt nicht länger aus, dass die Kosten im größeren Umfang weitergegeben werden. » mehr

Überweisung

20.08.2019

Anruf beim Berater oder Papier-Überweisung kann teuer werden

Die Zinsflaute nagt an den Erträgen der Kreditinstitute. Parken sie Geld bei der EZB, müssen sie zudem Strafzinsen zahlen. Für Bankkunden heißt das: Kostenlos war gestern. Es gibt aber noch Ausnahmen. » mehr

Europäische Zentralbank

25.07.2019

Gebühren als Weg aus der Zinsfalle?

Kosten runter, Gebühren rauf - das Zinstief setzt Banken und Sparkassen unter Druck. Und so bald ist keine Änderung in Sicht. Das bekommen auch Kunden der Institute zu spüren. » mehr

Kontoführungsgebühren

14.10.2019

Studie: Nur wenige Banken erhöhen die Gebühren

Trotz schwächelnder Gewinne setzt einer Studie zufolge im Augenblick nur eine Minderheit der Kreditinstitute in Deutschland auf Gebührenerhöhungen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
18. 11. 2019
15:34 Uhr



^