Lade Login-Box.
Topthemen: Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Kindergeld: Was bei Volljährigen als Erstausbildung gilt

Können Eltern auch für ihren erwachsenen Nachwuchs Kindergeld beziehen? Das kommt auf die Umstände an. Der Bundesfinanzhof in München hat sich mit zwei Fällen näher beschäftigt.



Familienkasse
Die Familienkasse muss Kindergeld zahlen, solange sich das Kind in der Erstausbildung befindet. Eine berufsbegleitende Weiterbildung gehört in der Regel nicht dazu.   Foto: Maurizio Gambarini

Eltern können auch für volljährige Kinder Kindergeld bekommen, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Der Nachwuchs muss sich dafür unter anderem in einer einheitlichen Erstausbildung befinden, die die Haupttätigkeit darstellt.

Was darunter zu verstehen ist, hat der Bundesfinanzhof (BFH) in München mit zwei Entscheidungen näher bestimmt. Nicht als Erstausbildung zählt demnach eine berufsbegleitende Weiterbildung, wenn die Berufstätigkeit regelmäßig mehr als 20 Wochenstunden umfasst. Nach Auffassung des BFH steht dann die Berufstätigkeit im Vordergrund (Az.: III R 42/18) .

Im konkreten Fall besuchte die Tochter der Klägerin nach der Ausbildung zur Verwaltungsangestellten einen berufsbegleitenden Lehrgang zur Verwaltungsfachwirtin. Währenddessen arbeitete sie in Vollzeit bei einer Stadtverwaltung. Zum Ende des Lehrgangs war sie 23 Jahre alt.

Die Familienkasse zahlte bereits ab dem Ende der Ausbildung zur Verwaltungsangestellten kein Kindergeld mehr, da eine erste Berufsausbildung abgeschlossen worden sei. Während der Zweitausbildung sei die Tochter einer zu umfangreichen Erwerbstätigkeit nachgegangen.

Der BFH bestätigte dieses Verständnis: Zwar können mehrere Ausbildungsabschnitte als einheitliche Erstausbildung gelten, wenn sie in einem engen zeitlichen Zusammenhang durchgeführt werden und in engem sachlichen Zusammenhang zueinanderstehen, etwa dieselbe Berufssparte betreffen. Dies gelte aber nicht, wenn die Arbeit nach dem ersten Berufsabschluss bereits die hauptsächliche Tätigkeit des Kindes darstellt und die weiteren Ausbildungsmaßnahmen nur der Weiterbildung oder dem Aufstieg im bereits aufgenommenen Beruf dienen.

Wenn die Prüfungsordnung des zweiten Ausbildungsabschnitts Berufserfahrung vorschreibt, spricht dies nach Ansicht der BFH dagegen nicht grundsätzlich gegen die Fortzahlung des Kindergeldes. Die Voraussetzung könne auch während der Ausbildung erfüllt werden, solange nicht mehr als 20 Wochenstunden gearbeitet wird.

Der BFH stellte zudem fest, dass Eltern nicht verpflichtet sind, der Familienkasse innerhalb eines Monats nach Ende des Ausbildungsabschnitts mitzuteilen, dass ihr Kind seine Ausbildung fortsetzen möchte. Entscheidend sei nicht die Erklärung, sondern die tatsächliche Lage. Damit lehnte der BFH eine Dienstanweisung der Familienkassen ab.

In einem ähnlich gelagerten Fall widersprach der BFH zudem der Verwaltungsauffassung, dass eine einheitliche Erstausbildung nur dann in Betracht komme, wenn sämtliche Ausbildungsmaßnahmen öffentlich-rechtlich geordnet sind (Az.: III R 17/18) .

In diesem Fall hatte die Tochter nach der Ausbildung zur Bankkauffrau ein berufsbegleitendes Studium an einer Genossenschaftsakademie zur Bankfachwirtin aufgenommen. Das Niedersächsische Finanzgericht hat nun über den Kindergeldanspruch der Mutter zu entscheiden.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 07. 2019
14:43 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Beruf und Karriere Berufliche Ausbildung und Weiterbildung Berufserfahrung Berufstätigkeit Bundesfinanzhof Eltern Finanzgerichte und Finanzgerichtsbarkeit Kindergeld Mütter Niedersächsisches Finanzgericht Volljährigkeit und volljährige Kinder
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Bundesfinanzhof

24.07.2019

Wer erhält das Kindergeld bei auswärts studierenden Kindern?

Bei getrennt lebenden Eltern ist das Kindergeld ein häufiger Streitpunkt. Selbst dann, wenn Sohn oder Tochter für ein Studium längst ausgezogen ist. Zu welchem Haushalt gehört das Kind in dem Fall? Kriterien hierfür muss... » mehr

Kindergeld-Antrag

08.05.2019

Kindergeld-Anspruch mehr als sechs Monate rückwirkend

Kindergeldberechtigt sind Eltern ab Antragstellung auch rückwirkend - seit Anfang 2018 aber nur noch für die letzten sechs Monate. Das ist nicht immer rechtens, wie ein Fall vor Gericht zeigt. » mehr

Kindergeld

15.03.2019

Kindergeldanspruch entfällt bei beruflicher Weiterbildung

Eigentlich endet der Anspruch auf Kindergeld, wenn der Nachwuchs volljährig wird. Machen die Kinder aber noch eine Ausbildung, kann sich der Bezug verlängern. Das gilt allerdings nicht, wenn die Ausbildung neben der Arbe... » mehr

Kindergeld für Volljährige

28.06.2019

Kindergeldzahlung auch für Volljährige möglich 

Auch wenn die Kinder schon erwachsen sind, können Eltern weiterhin Kindergeld beziehen. Aber unter welchen Umständen ist das möglich? » mehr

Kindergeldantrag

07.08.2019

Der Fiskus berechnet nicht erhaltenes Kindergeld

Was tun, wenn im Einkommensteuerbescheid der Eltern nicht erhaltenes Kindergeld angerechnet wurde? Wann besteht überhaupt noch Anspruch auf Kindergeld? » mehr

Kind mit Erwachsenem

24.04.2019

Welche Steuervorteile Alleinerziehenden zustehen

Kinder groß zu ziehen, ist eigentlich schon Arbeit genug. Noch mehr Arbeit ist es, sich alleine um die Kinder zu kümmern. Ein wenig finanzielle Unterstützung bekommen Alleinerziehende immerhin durch einen Freibetrag. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 07. 2019
14:43 Uhr



^